Von 30. Januar 2014 Mehr →

Valletta – Maltas Minikapitale mit Riesencharme

Von zwei prächtigen Naturhäfen umgeben: Maltas Hauptstadt Valletta. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Von zwei prächtigen Naturhäfen umgeben: Maltas Hauptstadt Valletta. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Mit Schritten, so schnell es die kurzen Beine zulassen, begibt sich Audrey Marie Bartolo durch die gemauerten Torbögen an die Balustrade am Rande der Upper Barracca Gardens. Entspannt atmet sie den Hauch der Geschichte an dieser exponierten Stelle ein. Direkt unter ihren Füßen liegt die 1755 angelegte St. Peter and Paul Bastion als ein Teil jenes Bollwerks, das die Halbinsel Sciberras komplett umrahmt. An die wehrhafte Funktion des Bauwerks erinnert noch die nach Südosten gerichtete Batterie mit Kanonen, die auf dem darunter liegenden Rasenstück wie an einer Perlenschnur aufgereiht nebeneinander stehen. Der Blick fällt auf den Grand Harbour, den größten Naturhafen der Welt, und auf die Städte Senglea, Vittorios und Cospicua an der gegenüber liegenden Uferseite, deren Grenzen fließend zu sein scheinen. Richtung Nordenosten türmt sich die malerische Kulisse einer der kleinsten Hauptstädte der Welt auf: Valletta ist nur 1.500 Meter lang und 800 Meter breit, und doch irgendwie großartig.

Audrey Marie Bartolo am Aussichtspunkt der Upper Barracca Gardens. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Audrey Marie Bartolo an den Upper Barracca Gardens. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

„Das ist mein absoluter Lieblingsplatz. Nirgendwo sonst gibt es wohl einen derart faszinierenden Panoramablick auf Valletta“, schwärmt Audrey Marie Bartolo, während sie entspannt entlang der Aussichtsplattformen der Upper Barracca Gardens schreitet. Die Sängerin, die in ihrer Heimat bekannt ist wie ein bunter Hund und zuletzt 2011 im nationalen Finale des Eurovision Song Contests stand, ist immer wieder aufs Neue vom Anblick der maltesischen Hauptstadt begeistert. Die Zahl der Prachtbauten, die besondere Atmosphäre in den engen Gassen und Häuserschluchten sowie der auf Schritt und Tritt spürbare lange Atem der Geschichte lassen nicht nur für das 1,55 Meter große Energiebündel Valletta zu einem malerischen Fleckchen werden. Denn nicht von ungefähr wurde die gesamte Hauptstadt, die gerade einmal 0,84 Quadratkilometer groß ist, als Welterbe unter den Schutz der UNESCO gestellt.

Blick auf Our Lady of Mount Carmel. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Blick auf Our Lady of Mount Carmel. (Foto Karsten-Thilo Raab)

„Obwohl die Stadt kaum größer ist als ein Dutzend Fußballfelder, ist sie voll mit Kulturgütern und grandiosen Gebäudekomplexen“, sprudelt es aus Audrey heraus. Die auf der Nachbarinsel Gozo geborene Künstlerin mit dem langen, lockigen Haar besitzt seit Jahren ein kleines Apartment im Herzen von Valletta und fühlt sich hier pudelwohl.

„Auf weniger als einem Quadratkilometer Fläche gibt es hier einfach alles, was ich zum Glücklichsein brauche“, unterstreicht Audrey. Dabei scheinen ihre Augen hinter der dunklen Sonnenbrille vor Begeisterung zu leuchten. Und diese ehrlich empfundene Begeisterung ist in jedem ihrer Worte zu spüren.

„Valletta ist im 16. Jahrhundert am Reißbrett geplant und schachbrettartig angelegt worden“, verweist Audrey auf die Tatsache, dass die Mini-Kaptiale nach Plänen von Francesco Laparelli, einem Schüler Michelangelos, entstanden ist. Vieles von dem ursprünglichen Charme konnte bewahrt werden, obschon zumindest der Zugang zur Stadt heute aufwendig neu gestaltet wird. Unter Federführung des italienischen Stararchitekten Renzo Piano wird bis zum Jahre 2014 das alte, baufällige Stadttor durch ein neues ersetzt. Direkt daneben entsteht das neue Parlamentsgebäude.

Gut gerüstet: Der Großmeisterpalast. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Gut gerüstet: Der Großmeisterpalast. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Von der Großbaustelle führt die Republic Street, die zentrale Achse und pulsierende Lebensader Vallettas, vorbei am Royal Opera House und dem Großmeisterpalast, dem heutigen Sitz des Parlaments, schnurgerade zum Fort St. Elmo. Die Trutzburg am äußersten Ende der Halbinsel war 1565 während der „Great Siege“, der Großen Belagerung, die tragische Bühne für eine verzweifelte Schlacht gegen die drohende türkische Invasion, hat ihre besten Tage jedoch lange hinter sich. Aber schon allein wegen des erstklassigen Ausblicks auf Valletta und den Grand Harbour lohnt der Besuch.

„Auf Malta und Gozo gibt es 365 Kirchen und Kapellen. Also genug, um jeden Tag in einer anderen zu beten“, bilanziert Audrey. Bedeutendstes Kirchenbauwerk auf Malta sei jedoch die 1577 fertig gestellte St. John’s Co-Cathedral in Valletta. In der einstigen, von außen eher schlichten Hauptkirche des Johanniter-Ordens am zentral gelegenen St. John’s Square schuf der italienische Maler Mattia Preti zwischen 1662 und 1667 eine beeindruckende Gewölbemalerei mit 18 Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers. Bedeutendstes Einzelwerk des prächtigen Gotteshauses ist das Altarbild „Die Enthauptung Johannes des Täufers“ von Michelangelo da Caravaggio aus dem Jahre 1608.

Von außen eher schlicht, von innen überwältigend: Die St .John's Co-Kathedrale. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Von außen eher schlicht, von innen überwältigend: Die St John’s Co-Kathedrale. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Einen Häuserblock weiter, am Republic Square, drängen sich Sonnenhungrige und Durstige um die Tische des Caffe Cordina. Das beliebte Café vis-à-vis der Nationalbibliothek besticht durch eine kleine, erlesene Karte sowie exzellente handgemachte Kuchen und Torten.

„Besonders empfehlenswert sind die pastizz tal-irkotta – eine lokale Spezialität aus Blätterteig und Ricottakäse“, so Bartolo, die hier als Stammgast fast täglich eine Pause einlegt, um einen te fit-tazza, einen Tee im Glas, zu genießen. Gleichzeitig sei dies eine Art Logenplatz im täglich geöffneten Straßenkino. Von hier ließen sich herrlich und unauffällig die Menschenmassen, die über Prachtstraße flanieren, in Augenschein nehmen.

Der Grand Harbour ist der größte Naturhafen der Welt. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Der Grand Harbour ist der größte Naturhafen der Welt. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Nur wenige Schritte entfernt, zieht der Großmeisterpalast die Massen in seinen Bann. Die wertvollsten Stücke am Sitz des Parlaments sind die in der Tapestry Chamber ausgehängten Gobelin-Wandteppiche. Doch auch sonst weiß Valletta zu bezaubern; besticht die winzige Insel-Kapitale doch durch eine Vielzahl an imposanten Palästen, über 400 Jahre alten Gebäuden, engen Gassen, steile Treppen sowie den typisch maltesischen Kalksteinhäusern mit ihren bunt vorstehenden Balkonerkern.

Zu den Aushängeschildern der Stadt gehört auch das 1732 eröffnete Manoel Theater in der Old Theatre Street. Vom Großmeister Antonio Manoel de Vilhena gebaut und mittlerweile zu altem Glanz restauriert, gehört es zu Europas ältesten Theatern. Es ist auf die klassischen darstellenden Künste spezialisiert, inszeniert aber auch Jazz, Folk und Rockkonzerte.

„Valletta hat nur einen Nachteil: Es gibt zu wenig Grün für die 6.000 Einwohner“, findet Bartolo dann doch noch einen kleinen Wermutstropfen, um im gleichen Atemzug auf die Pracht der Lower Barracca Gardens mit einem dem römischen Stil nachempfundener Marmortempel zu verweisen. Aber einen kleinen Stich hat ja nun mal jedes Paradies.

Allgemeine Informationen: Fremdenverkehrsamt Malta, Schillerstraße 30-40, 60313 Frankfurt, Telefon 069-285890, www.urlaubmalta.com.

Anreise: Air Malta bietet Direktflüge von Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München nach Malta an. Weitere Informationen unter www.airmalta.com.

Grüne Lunge im Herzen Vallettas: Die Lower Barracca Gardens.

Grüne Lunge im Herzen Vallettas: Die Lower Barracca Gardens.

Sprache: Maltesisch; auch Englisch wir überall gesprochen.

Währung: Zahlungsmittel ist der Euro.

Essen & Trinken: Caffe Cordina, Republic Street, Malta, Telefon 00356-2123-4385, www.caffecordina.com. Beleibtes Café an der Piazza Regina mit kleiner Karte und exzellenten handgemachten Kuchen und Torten.

Fortizza, Tower Road, Sliema, Malta, Telefon 00356-2720-4499, www.fortizzamalta.com. Britisch geprägtes Restaurant in einem historischen Gebäudekomplex. Auf den Tisch des Hauses kommen italienische und maltesische Speisen.

Übernachten: Victoria Hotel, Gorg Borg Oliver Street, Sliema, Malta, Telefon 00356-2133-4711, www.victoriahotel.com. Vier-Sterne-Hotel rund fünf Gehminuten vom steinernen Fond Ghadir Beach.

Tipp: Die schönsten Impressionen aus Malta und Gozo hat Mortimer-Reisemagazin-Redakteur Karsten-Thilo Raab unter dem Titel „Faszination Malta“ in einem neuen Wandkalender zusammengestellt. Erhältlich ist dieser in den Formaten A2 bis A5 für Preise zwischen 18,90 und 49,90 Euro im Buchhandel, im Kalendershop des Mortimer Reisemagazin sowie bei Amazon.

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