Von 9. Mai 2020 Mehr →

Amorgos – eine Oase der Ruhe im Ägäischen Meer

Amorgos

Zahlreiche historische Windmühlen gehören zu den Wahrzeichen von Amorgos.

Sonnenverwöhnt, aber auch schroff und wild zerklüftet sind Attribute, die mit der griechischen Insel Amorgos in Verbindung gebracht werden. Das langgestreckte und gebirgige Island am Ostrand der Kykladen gilt vor allem für Wanderer und für Urlauber, die dem Trubel und hektischen Treiben auf Mykonos oder Santorin nicht viel abgewinnen können, als beliebtes Ziel. Das es der Natur hier noch spürbar gut geht, fällt einem spätestens auf, wenn die Rufe der Esel gegen Abend vom Gesang der Vögel abgelöst werden.

Zahllose historische Funde, die heute zum Großteil im Nationalmuseum in Athen un-tergebracht sind, aber auch faszinierende Ausgrabungsstätten und Reste antiker Städte zeugen davon, dass Amorgos schon in prähistorischer Zeit besiedelt war. Oberhalb des Haupthafens Katapola sind die Überreste eines Apollotempels zu finden und un-weit von Arkessine, einem typischen Kykladendorf mit weiß getünchten Würfelhäusern, lassen antike Begräbnisstätten und Häuser nicht nur die Herzen der Archäologen und Historiker höher schlagen.

Auf Amorgos findet sich manches Stück Bilderbuch-Griechenland. – Foto Karsten-Thilo Raab

Auch der Name des antiken Aigiale, dessen Stadtmauer noch oberhalb von Tholaria zu erkennen ist, lebt bis heute im nahe gelegenen Egiali, dem zweiten Hafen im Norden der Insel, weiter. Das beschauliche Städtchen, das eigentlich aus drei Dörfern besteht, ist übrigens ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen zu den pittoresken Dörfern Langáda und Potámos oder für den Aufstieg zum Gipfel des 780 Meter hohen Berges Kríkeö mit seiner schönen Theológos Kirche aus dem 5. Jahrhundert.

Geschützt in einer großen ruhigen Bucht gelegen, reihen sich an den Nauturhafen von Katapola Restaurants, Kafenions, Souvenierläden und kleine Hotels aneinander. Im Ortsteil Xilokeratidi liegen beschaulich die kleinen Fischerboote im Wasser. Die Fischer sortieren ihre Netze und ihr Fang wandert direkt in die Auslagen der umliegenden Fischtavernen. Jung und alt fischen nach Oktopus, während Katzen und die wenigen Touristen gespannt darauf warten, bei einem Fang dabeizusein.

Nur einen Sandstrand nennt die Kykladen-Insel mit dem Ormos Egialis ihr eigen.

Der Hauptort Chora (amtlich Amorgos) liegt im Schutz einer Venezianischen Burg aus dem 13. Jahrhundert und zählt nicht weniger als zwölf Windmühlen sowie 40 Kirchen und Kapellen, die nahezu alle mit ihren Doppel- und Zwillingsgewölben im typischen Sakralstil der Kykladen erbaut sind. Unter ihnen befindet sich mit Ágios Fanoúrios auch eine der kleinsten Kirchen Griechenlands mit Platz nur für drei Personen. Darüber thront der Kastro-Felsen, den die Venezianer mit einer Burg befestigten und der heute von dem kleinen Georgskirchlein und der kleinen Kiara-Leousa-Kirche, der ältesten Kirche der Chora, gekrönt wird.

Während im Norden neben einigen Sandbuchten mit Ormos Egialis der einzige Sandstrand auf Amorgos zu finden ist, prägen steile und felsige Abschnitte den Südosten, wo schöne ruhig gelegene Kiesstrände wie Mouros, Notiná, Poulopidi oder Agia Ánna ein weitgehend ungestörtes Badevergnügen garantieren. Das Wasser ist kristallklar und erlaubt beim Schnorcheln eine Sichtweite von über 20 Metern. Allerdings ist die optische Ausbeute an Fischen eher dürftig, weil die seit Jahrzehnten übliche Dynamitfischerei kaum noch größere Fischbestände übriggelassen hat.

An romantischen Kleinoden mangelt es auf Amorgos nicht.

Die Hauptattraktion der Kykladeninsel ist zweifelsohne das schneeweiße Kloster Panagia Chozoviotissa, das hoch oben in die Felsen der rauen Ostküste errichtet wurde und als Kulisse in Luc Bessons Kultfilm „The Big Blue“ (Im Rausch der Tiefe) diente. Das faszinierende fünfstöckige Gemäuer, das geschickt in den Berg integriert wurde, war 1088 von Kaiser Alexis Komnenos gegründet worden und beherbergt eine wundertätige Ikone der Gottesmutter aus dem 11. Jahrhundert sowie wertvolle antike Schriftstücke.

Von den vormals 30 Brüdern, die in dem Kloster zuhause waren, leben hier heute noch drei, die das blendend weiße, festungsartige Gebäude bewirtschaften. Von der Terrasse reicht der atemberaubende Ausblick über das Meer bis Anafi und Santorini und lässt Amorgos wie eine Oase der Ruhe inmitten des Ägäischen Meeres wirken. Weitere Informationen unter www.discovergreece.com.

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