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Von 7. Juli 2011 Mehr →

Faszination Industriekultur im UNESCO Weltkulturerbe Völklinger Hütte

In der industriellen Blütezeit der Völklinger Hütte lag stets ein feiner Ruß über der Stadt. Und wer mit weißem Hemd das Haus verließ, konnte durchaus mit einem grauen nach Hause kommen. Heute besitzt Völklingen eine der bedeutendsten Weltkulturerbestätten der Industriekultur – die Völklinger Hütte. Sie ist weltweit das einzige Eisenwerk vom Ende des 19. Jahrhunderts, das vollständig erhalten ist. 1994 wurde die Völklinger Hütte in der Nähe von Saarbrücken zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Der drohende Verfall konnte so abgewendet werden, das Gelände ist mittlerweile zu fast 70 Prozent restauriert. Seitdem erwacht das Industriedenkmal zu neuem Leben. Es ist ein einzigartiger Ort der Industriekultur, wurde zum Drehort für den fünften Teil der „Wilden Kerle“ und ist Schauplatz großer Ausstellungen wie „InkaGold“ oder „Macht & Pracht“. 6.000 Meter Besucherwege stehen den Besuchern offen: Sie führen tief hinein in die dunklen Gänge der Möllerhalle und bis in 45 Meter Höhe.

„Aus einer Niederlage haben wir einen Sieg gemacht“,  bringt Generaldirektor Meinrad Maria Grewenig die Geschichte der Völklinger Hütte auf den Punkt.  In der Tat war vor 25 Jahren die Bestürzung groß, als das Eisenwerk am 4. Juli 1986 geschlossen werden musste. Eine weltweite Krise der Stahlindustrie bedeutete für die Roheisenphase der Völklinger Hütte das wirtschaftliche Aus.  Die Ernennung zum Weltkulturerbe kam noch rechtzeitig, um den drohenden Verfall aufzuhalten. Zu Beginn mussten selbst die Denkmalpfleger davon ausgehen, dass das stillgelegte Bauwerk langfristig nicht zu retten sein würde. Das Schlagwort vom „kontrollierten Verfall“ machte die Runde. Heute ist klar: Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte kann dauerhaft und für Generationen erhalten werden.

Zu den Pionierleistungen der Völklinger Hütte zählen der Erzschrägaufzug und die Sinteranlage. Über den Erzschrägaufzug wurden die Rohstoffe mit einer Hängebahn zur Gichtbühne in 32 Meter Höhe transportiert. Die Gichtbühne verbindet die sechs Hochöfen der Völklinger Hütte. Dieses Transportsystem ist eine der Besonderheiten des Völklinger Eisenwerks.  Die Sinteranlage bot die Chance, Reststoffe des Verhüttungsprozesses wie Feinerz und Gichtstaub zu recyceln. In Völklingen entstand eine der modernsten und zur damaligen Zeit auch größten Sinteranlagen Europas.  Die Arbeit in der Völklinger Hütte war hart und gefährlich. Aber sie bot auch Generationen einen sicheren Broterwerb. Der Alltag war geprägt von einem hohen Grad an Spezialisierung. Jeder Arbeiter hatte eine spezifische Aufgabe in einem bestimmten Teil der Hütte. Die anderen Bereiche blieben ihm verschlossen. Erst nach dem Ende der Roheisenproduktion wurde es möglich, das komplette Hüttenareal zu besichtigen.

Ende des 19. Jahrhunderts errichtete die Völklinger Hütte eine Kokerei unmittelbar neben den Hochöfen. Einige der noch erhaltenen Koksbatterien zählen zu den ältesten ihrer Art. Koks wird im Hochofen eingesetzt, um Roheisen zu gewinnen. Die Arbeit in der Kokerei galt als eine der schwersten auf der gesamten Hütte, da Hitze, Gase und Witterung die Arbeit besonders belastend machten. Auf dem Gelände der Kokerei ist heute der ‚wilde‘ Landschaftsgarten „Das Paradies“ entstanden. 25 Jahre lang wurde das Gelände sich selbst überlassen. In dieser Zeit haben Tiere und Pflanzen das Terrain zurückerobert. Nach den Plänen von Catherina Ruffing Gräfin Bernadotte af Wisborg von der Insel Mainau entstand ein Landschaftsgarten von 33.000 Quadratmetern, der die Symbiose von Industrie und Natur in zwölf Gartenräumen inszeniert. Zahlreiche Bänke und Liegestühle laden zum Verweilen ein.

Wo einst Schornsteine qualmten und ohrenbetäubender Lärm den Arbeitsalltag bestimmte, finden heute Konzerte und hochkarätige Ausstellungen statt. Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte erklärt das Konzept: „Wir haben drei Standbeine: Da ist zum einen das Industriedenkmal der Völklinger Hütte selbst, das wir Schritt für Schritt restaurieren. Dazu kommen ScienceCenter zur Eisenverhüttung oder zur Funktionsweise des Menschen wie „Genius I. Die Mission: entdecken, erforschen, erfinden“ und „Dein Gehirn: denken, fühlen, handeln“. Und schließlich organisieren wir auch große Kulturausstellungen, die ein Portal zu den großen Kulturen der Menschheit wie die der Inkas oder der Kelten öffnen.“

Ein Besuch im Weltkulturerbe Völklinger Hütte beginnt mit einer multimedialen Einführungsshow, die den ehemaligen Arbeitsalltag skizziert. Wer möchte, kann tief hinein in den Bauch der Hütte hinabsteigen. Dort erwartet die Besucher das Science Center Ferrodrom®. An über 100 Experimentier- und Mitmachstationen können Kinder und Erwachsene den Prozess der Eisengewinnung spielerisch nachvollziehen. Das größte Abenteuer aber ist der Aufstieg auf die Aussichtsplattform am Hochofen in 45 Metern Höhe. Von dort kann man die Industrielandschaft des Weltkulturerbes überblicken.

Informationen: Telefon 06898-9100100, www.voelklinger-huette.org

Öffnungszeiten: Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

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