Yorkshire auf „Wuthering Heights“-Spuren

Wuthering Heights
Margot Robbie als Catherine Earnshaw in “Wuthering Heights”. – Foto: Warner Bros. Pictures

Wenn der Wind über das karge Hochmoor peitscht und der Nebel die silbrigen Ruinen alter Minen verschluckt, wird Literatur lebendig. Die Neuverfilmung von Emily Brontës Klassiker „Sturmhöhe“ (Wuthering Hights) bringt mit Margot Robbie und Jacob Elordi Hollywood-Glanz in den Norden Englands. Doch die wahre Hauptrolle spielt die Landschaft selbst. Von den hippen Backsteinstraßen Manchesters bis zu den isolierten Gipfeln der Yorkshire Dales lässt sich das Drama zwischen Catherine und Heathcliff an den Originalschauplätzen hautnah nachfühlen.

Auf den Spuren von Emily Brontë

Manchester – hier das Cathedral Quarter – ist ein perfekter Startpunkt für eine „Sturmhöhe“-Tour. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Das Kinojahr steht ganz im Zeichen einer düsteren Romanze, wenn Margot Robbie und Jacob Elordi in der neuesten Adaption von „Wuthering Heights“ über die Leinwand wandeln. Doch wer die rohe Energie dieser Geschichte wirklich spüren will, muss den Kinosaal verlassen und sich in den Norden Englands begeben. Hier, wo die Natur nicht bloß Kulisse, sondern eine treibende Kraft der Handlung ist, verschmelzen Fiktion und Realität.

Manchester
Die pittoresken Kanäle gehören zu den Herzstücken von Manchester. – Foto: Karsten-Thilo Raab

Die Reise beginnt oft im pulsierenden Manchester, das weit mehr ist als nur ein Verkehrsknotenpunkt. Die Stadt fungiert als Tor zum Norden und beeindruckt durch ihre kreative Dynamik. Zwischen viktorianischen Industriebauten und einer futuristischen Skyline finden Cineasten eine vertraute Umgebung, denn die Straßen Manchesters doubelten in der Vergangenheit bereits Weltmetropolen wie New York oder London für Produktionen wie „Captain America“ oder „The Crown“. Doch auch die literarische Seele der Brontës ist hier tief verwurzelt, was sich besonders eindrucksvoll im legendären Wolfson Reading Room zeigt, der die kostbare Gleave Brontë Collection beherbergt.

Industriecharme und Nebelschleier

Das Swaledale weiß nicht nur Wanderer zu begeistern. – Foto: Visit North Yorkshire

Verlässt man die Stadt in Richtung Norden, öffnet sich die weite Welt des Yorkshire Dales Nationalparks. Diese Region ist geprägt von den markanten Flusstälern der Pennines, in denen sich grüne Wiesen mit schroffen Felsformationen und geheimnisvollen Höhlensystemen abwechseln. Besonders das Hochmoor von Arkengarthdale und das infrastrukturell besser erschlossene Swaledale bieten jene melancholische Schönheit, die Regisseure weltweit suchen.

Markanter Brückenschlag: die Surrender Bridge im Swaledale. – Foto: Visit North Yorkshire

Wer durch diese Täler wandert, passiert jahrhundertealte Trockensteinmauern und einsame Feldscheunen, die Geschichten aus vergangenen Zeiten erzählen. Ein absolutes Highlight für Filmfans ist die Old Gang Smelt Mill nahe des pittoresken Dorfes Reeth. In den ersten Szenen der Neuverfilmung dient dieser Ort als dramatische Kulisse, wenn die Kutschen an den Ruinen der einstigen Bleiminenindustrie vorbeiziehen. Hier stapfen Robbie und Elordi durch den dichten Nebel, umgeben von der rauen Ästhetik des frühen 19. Jahrhunderts, die durch die Surrender Bridge in Swaledale perfekt ergänzt wird.

Schlafen im Herrenhaus

Das Brontë-Geburtshaus (Brontë Birthplace) in Thornton. – Foto: Matt Gibbons

Für Liebhaber des Romans bietet sich aktuell eine außergewöhnliche Gelegenheit, die über das reine Sightseeing hinausgeht. In einer exklusiven Aktion wird das Schlafzimmer von Cathy im Herrenhaus Thrushcross Grange für kurze Zeit über Airbnb zugänglich gemacht. Wer schnell ist, kann eine Nacht in der Welt der Literatur verbringen, ohne dafür tief in die Tasche greifen zu müssen. Diese Verbindung aus historischem Erbe und modernem Erlebnistourismus macht den Reiz der Region aus.

Markant: die Parish Church in Haworth. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Wer nach so viel Aufregung eine Stärkung braucht, findet im Dorf Reeth, das dem Produktionsteam als Basislager diente, den idealen Rückzugsort. Der Pub „The Black Bull“ bewirtet bereits seit dem Jahr 1680 Gäste und bietet einen unverstellten Blick über den Dorfanger auf die umliegenden Dales.

 Das literarische Erbe von Haworth

Anlaufstelle für Literaturfans: das Brontë Parsonage in Haworth. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die Reise führt unweigerlich weiter nach Thornton und Haworth, den Herzkammern des Brontë-Mythos. Seit Mai 2025 ist das frisch restaurierte Geburtshaus der Geschwister in Thornton nach seiner feierlichen Wiedereröffnung durch Königin Camilla dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich. Es ist ein weltweit einzigartiger Ort, an dem Besucher buchstäblich in den Räumen übernachten können, in denen Charlotte, Emily und Anne ihre ersten Atemzüge taten.

Haworth besticht durch seinen ureigenen Charme. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Weiter südlich in Haworth scheint die Zeit in den Kopfsteinpflastergassen vollends stillzustehen. Das Brontë Parsonage, das ehemalige Wohnhaus der Familie, gewährt tiefe Einblicke in den Alltag der schreibenden Schwestern und hütet die weltweit größte Sammlung ihrer Originalmanuskripte. Von hier aus führt eine etwa zwölf Kilometer lange Wanderung durch die wilde Moorlandschaft hinauf nach Top Withens.

Auf den Spuren der Brontës gibt es einiges zu entdecken. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Auch wenn die dortige Ruine architektonisch nicht dem Haus aus dem Roman entspricht, ist die Atmosphäre an diesem isolierten, windumtosten Ort genau jene Inspiration, die Emily Brontë einst zu ihrem Meisterwerk verhalf. Sogar das alte Postamt im Dorf ist noch erhalten – jener Ort, an dem die Schwestern ihre Manuskripte einst mit klopfendem Herzen Richtung London verabschiedeten.

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Buchtipp: Time for tea, sex and fun

TimeObwohl der Titel von Time for tea, sex and fun auf Englisch ist, wirft das amüsante wie lehrreiche Buch auf Deutsch mit viel Esprit einen liebenswerten Blick auf unsere englischen, schottischen und walisischen Freunde.

Demnach ist klar, dass es alle Arten von Briten gibt – große und kleine, hübsche und hässliche, dicke und dünne, freundliche und aggressive. Einige haben blonde Haare, einige braune, einige schwarze oder graue. Einige gar keine. Besonders in sonnigen Gefilden ist der ansonsten eher nordisch-blasse Brite daran zu erkennen, dass er nach einem Sonnenband wie ein abgebrühter Hummer aussieht, sich aber nichtsdestotrotz lustig weiter Tag für Tag in die pralle Sonne legt.

Doch der Brite ist nicht nur gegen Hitze resistent, auch jegliches Kälteempfinden scheint ihm fremd. Wer diese stereotypen Ansichten teilt oder Bestätigung für diese sucht, wird in Time for tea, sex and fun von Mortimer Reisemagazin Redakteur Karsten-Thilo Raab ebenso fündig werden, wie derjenige, der seine alten, verkrusteten Ansichten über die Briten endlich ins rechte Licht rücken möchte. Auf jeden Fall dürfte in dem Buch viel Interessantes, Kurioses, Unterhaltsames und Wissenswertes über die Briten und ihre Lebensgewohnheiten zu entdecken sein.

Erhältlich ist Time for tea, sex and fun (ISBN 978-3711527257) von Karsten-Thilo Raab für 18 Euro im Buchhandel oder online bei allen gängigen Versandbuchhändlern wie Thalia, JPC oder Amazon.

Karsten-Thilo Raab

berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.