Im Herzen des historischen Marktplatzes erhebt sich die sagenumwobene Warschauer Meerjungfrau. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Nicht nur Kopenhagen hat eine kleine Meerjungfrau. Auch in der polnischen Kapitale Warschau gibt es seit Jahr und Tag einen großen Kult rund um ein sagenhaftes Wesen, das halb Fisch, halb Frau ist. Symbole jener wehrhaften Nymphe mit einem Schwert und Schild in der Hand finden sich nicht nur im offiziellen Stadtwappen, sondern an allen Ecken und Enden der 1,8-Millionen-Metropole. Auf Laternenmasten, Pollern, Fahnen und Mülltonnen ist ihr Konterfei ebenso abgebildet wie an Hauswänden, Schaufenster und auf Taxen. Auf dem Rynek Miasto, dem als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO stehenden historischen Marktplatz, ist der Warschauer Meerjungfrau im Jahre 1855 im wahrsten Sinne des Wortes ein Denkmal gesetzt worden. Geschaffen wurde die Figur von vom Bildhauer Konstanty Hegel.
Die Warschauer Meerjungfrau steht inmitten des UNESCO Weltkulturerbes.
„Einer populären Legende nach ist sie eine Schwester der berühmteren Meerjungfrau von Kopenhagen“, weiß Stadtführer Kasia Bhatia zu berichten. Die goldblonde Seejungfer soll, so die Erzählung, von der Ostsee aus die Weichsel entlang geschwommen sein und habe sich, als sie unterhalb der heutigen Altstadt eine Pause einlegte, in Warschau verliebt und fortan die Bewohner mit ihrem lieblichen Gesang betört.
Habgier und Freiheitsliebe
Das Original des Denkmals steht heute im Museum. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Doch eines Tages, so Kasia weiter, wurde sie von einem habgierigen Kaufmann gefangen genommen und in einem Käfig gesperrt. Die freiheitsliebende Seejungfer begann bitterlich zu weinen und ihr Schluchzen wurde schließlich erhört: Ein mutiger junger Fischer machte sich schließlich auf, um die sagenumwobene Kreatur aus ihrer misslichen Lage und dem dunklen Verließ zu befreien. Als Dank versprach die Meerjungfrau, ihn und die Stadt zu beschützen.
Das Häuserensemble rund um die Nymphe ist überaus beeindruckend. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
„Seither gilt die Meerjungfrau bei uns als Symbol für Mut, Freiheit und Solidarität“, ergänzt Kasia mit Blick auf die Schutzpatronin der polnischen Hauptstadt. Gleichzeitig weist die 30-jährige Powerfrau mit dem kurzen blonden Haar darauf hin, dass heute auf dem Marktplatz lediglich noch eine Kopie der Statue zu bewundern ist. Die Originalskulptur fand aus Sicherheitsgründen einen dauerhaften Platz im Historischen Museum.
Meerjungfrauen an allen Ecken
Auch direkt am Ufer der Weichsel wurde der wehrhaften Seejungfer ein Denkmal gesetzt.
Unabhängig davon ist die Meerjungfrau heute in Warschau allgegenwärtig. Am Ufer der Weichsel, wo sie sich der Legende nach auf einem Felsen ausgeruht haben soll, und auf dem Markiewicz-Viadukt wurden der hoch verehrten Nymphe weitere Denkmäler gesetzt.
Selbst als Leuchtreklame begegnet einem die Meerjungfrau in Warschau.
„Das älteste bekannte Bild der Seejungfer datiert aus dem Jahre 1390“, blättert Kasia verbal in den Annalen der Stadtgeschichte. Ergänzend fügt sie hinzu, dass sich das Aussehen der Nixe im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert habe. Auf jeden Fall aber führt sie ein Schwert in der rechten Hand und hält ein Schild in der linken Hand.
Noch immer in der Weichsel
Gut sichtbar prangert die Nixe auf den Türen der Taxen.
Angeblich taucht die Nymphe bis zum heutigen Tag immer mal wieder aus den Fluten der Weichsel auf, um zu schauen, wie sich Warschau verändert hat. „Wer weiß“, lacht Kasia, „wer am Ufer spazieren geht hat vielleicht Glück und bekommt sie für einen kurzen Moment sogar zu sehen…“
Wissenswertes zu Warschau in Kurzform
Imposantes Wahrzeichen von Warschau ist der Kulturpalast. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Anreise: Warschau ist via Berlin bequem mit dem Zug zu erreichen; alternativ bietet LOT Polish Airlines von vielen europäischen Flughäfen Direktflüge zum Chopin-Flughafen in Warschau ab 100 Euro an.
Der Warschauer Flughafen ist gut angebunden. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Essen & Trinken: Warschau ist bekannt für seine vegane Restaurantszene, die weltweit zu den Top 10 gehört. Daneben werden natürlich in den Restaurants Klassiker wie Piroggen (gefüllte Teigtaschen) oder Zurek, eine saure Mehlsuppe auf der Basis einer Sauerteigbrühe, serviert.
Auch kalte Suppen erfreuen sich in Warschau gerade im Sommer großer Beliebtheit. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Restaurants: Foton, Wilcza 9a, Warschau, Polen, Telefon: 0048-507-140772, www.facebook.com/foton.bar. Tapas-Bar mit urigem Ambiente und großer Cocktail-Karte.
Ein absolutes In-Lokal ist das Peaches Gastro Girls. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Peaches Gastro Girls, Ul. Mokotowska 58, Warschau, Polen, Telefon 0048-22-2302190, www.facebook.com/peachesgastrogirls. Vegetarisches und veganes Restaurant mit exzellenter Küche.
Stylische Lobby im ibis Warsaw Old Town. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Übernachten: ibis Warsaw Old Town (ibis Warszawa Stare Miasto), ul. Muranowska 2, Warschau, Polen, https://all.accor.com. Am nördlichen Rand der Altstadt gelegenes Hotel mit gutem Preis-Leistungsverhältnis. Doppelzimmer starten bei 54 Euro.
Überaus farbenfroh sind die Zimmer im ibis Styles Warsaw Centrum. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
ibis Styles Warsaw Centrum, ul. Zagórna 1a, Warschau, Polen, https://all.accor.com. Das Drei-Sterne-Haus liegt am Weichsel-Ufer unweit des Łazienki Parks und des Nationalstadiums. Doppelzimmer beginnen bei 69 Euro.
Die Recherche fand auf Einladung/mit Unterstützung von uschi liebl pr und Accor statt.
Karsten-Thilo Raab
berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.
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