
Die Lage ist absolut perfekt und irgendwie auch doch nicht. Keine zwei Minuten Gehweg von Dublins berühmtester Landmarke, der Ha’penny über dem Flüsschen Liffey und mitten in Temple Bar, der Partymeile in Irlands pulsierender Hauptstadt gelegen, ist das Old Mill mehr als ein offener Geheimtipp, für alle, die traditionelle irische Küche mit Pfiff genießen wollen.
Das Restaurant duckt sich etwas unscheinbar in der ersten Etage über einem wenig ansehnlichen Schnellimbiss. Der Eingang verbirgt sich am oberen Ende einer steilen schmalen Treppe. Doch allein die Tatsache, dass hier fast allabendlich die sehnsüchtig auf einen Platz Wartenden nahezu jede Stufe blockieren, spricht für das Old Mill.

Daher sei zwingend empfohlen, im Vorfeld online oder telefonisch einen Platz zu reservieren, um ellenlange Wartezeiten zu vermeiden oder, schlimmer noch, Gefahr zu laufen, keinen der begehrten Plätze mehr ergattern zu können.
Vertikal-Limbo der Kellner
Die Einrichtung im Old Mill ist eher unaufgeregt schlicht. Viel dunkles Holz, knarzende Dielen, einfache Holzstühle, lederbespannte Sitzbänke und kleine Holztische. Nahezu jeder freie Zentimeter ist ausgenutzt, um möglichst viele Gäste unterbringen zu können.

Da mutet jeder Gang für die Kellner des populären Restaurants wie ein kleiner, vertikaler Limbo-Tanz an. Die Wände sind komplett mit alten Fotos, Schildern und nostalgischen Reklametafeln zugepflastert.
Die Tische sind so eng zusammengerückt, dass man fast zwangsweise mit den Nachbarn ins Gespräch kommt oder deren Konservation belauscht. Auffällig ist, dass das Gros der Besucher, obwohl Temple Bar das touristische Herzstück Dublins ist, aus Irland stammt. Ein Zeichen dafür, wie authentisch hier die Küche ist.
Klassiker der irischen Küche

Aus den Boxen erklingt in gedämpfter Lautstärke vorzugsweise Irish Folk oder Musik von Dublins berühmtester Band, U2. Natürlich ist auch die „schwarze Muttermilch der Iren mit der sanften Schaumkrone“, wie Guinness gerne liebevoll genannt wird, im Ausschank.
Doch nur wegen des Stouts, wie die markant schwarze Biersorte heißt, kommt niemand in die Old Mill. Denn das Guinness fließt schließlich in allen Pubs in Temple Bar und in Dublin in Strömen. Markenzeichen des beliebten Restaurants ist die authentische wie traditionelle irische Küche mit ewig jungen Klassikern wie Irish Stew, einem Eintopf aus Lammfleisch, Kartoffeln, Zwiebeln, Petersilie, Pastinaken, Steckrüben oder Graupen.
A taste of Ireland

Auch Cottage Pie, ein herzhafter Auflauf aus gekochtem Hackfleisch mit Kartoffelpüree überbacken, oder Bangers and Mash, also Würstchen mit Kartoffelpüree, zieren die Speisekarte ebenso wie Fish and Chips – frittierter Kabeljau mit Pommes und Tartar Sauce.
Der absolute Renner in der Old Mill ist jedoch „A taste of Ireland“, ein üppiges Menü für zwei Personen, das für 69 Euro angeboten wird. Der dabei präsentierte kulinarische Streifzug durch die irische Küche umfasst neben einer Gemüsesuppe sowie dem obligatorischen Fish & Chips einen Irish Stew und einen famosen Beef & Guinness Stew, bei dem das Rindfleisch in einer großartigen Sauce mit Biergeschmack serviert wird. Komplettiert wird das Menü durch Sellerie-Kartoffelpüree sowie einen Nachtisch mit Brown Bread, einem klassischen irischen Sodabrot, sowie mit Baileys Eiscreme. Nicht fehlen darf zum Abschluss ein Tee oder Kaffee.

Mehr irischer Genuss geht nicht. Und ein weiterer Vorteil: wer den Abend mit einem Pint und Livemusik ausklingen lassen möchte, muss nur wenige Schritte tun, um in einem der urgemütlichen Pubs an der Temple Bar fündig zu werden. Slainte! Prost!
Informationen: Old Mill, 14 Temple Bar Square, Dublin 2, Irland, Telefon 00353-(0)1-671 9266, www.oldmillrestaurant.ie

Buchtipp: Der ultimative Reiseführer für die Grüne Insel
Viel umfangreicher und geballter findet sich wohl kaum (Reise-) Wissen über die Grüne Insel als in dem brandneu erschienenen Reiseführer Inselspuren – Entdeckungstouren durch Irland und Nordirland von Karsten-Thilo Raab: „Ein Fremder ist ein Freund, dem man bisher noch nicht begegnet ist“, lehrt der irische Volksmund. Tatsächlich ist dies kein bloßes Lippenbekenntnis. Wer über die Grüne Insel reist, wer durch die herrlichen Nationalparks, durch die ausgedehnten Moorlandschaften wandert, wer auf den Spuren der Kelten versucht, das reiche kulturelle Erbe der Insel, das von weit mehr als 9.000 Jahren der Besiedlung zeugt, kennen zu lernen oder einfach bei einem Pint in einem der urgemütlichen Pubs Entspannung sucht, wird schnell feststellen, dass dies keine leeren Worte sind.
Im Gegenteil, die Iren sind für ihre Aufgeschlossenheit und ihre Kontaktfreudigkeit bekannt. Die dünn besiedelte Insel im Westen Europas hat aber noch andere Pfunde, mit denen sie wuchern kann: eine schier nie enden wollende Zahl an Mythen und Legenden.
Hinzu kommen ebenso abwechslungsreiche wie grandiose Landschaften, die in mehr als 40 verschiedene Schattierungen von Grün getaucht sind, und ein Klima, das ganz wesentlich von den Ausläufern des warmen Golfstroms geprägt wird. Die zahlreichen Berge, Heidelandschaften, Seen, Flüsse, einsame Buchten und wildromantischen Küstenabschnitte sind ein Paradies für Naturliebhaber. Wanderer, Radfahrer und Reiter kommen hier ebenso auf ihre Kosten wie Freizeitkapitäne, Angler und Wassersportler. Daneben bieten pulsierende Metropolen und Städte wie Dublin, Belfast, Galway, Londonderry und Cork, aber auch verträumte Orte und Örtchen wie Kilkenny, Kinsale oder Dingle einen stimmungsvollen, nicht minder faszinierenden Kontrast. Und überall heißt es: „Ceád Míle Fáilte“ – Tausend Mal willkommen!
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Karsten-Thilo Raab
berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.
