Hotelcheck: Schloss Rheinfels in St. Goar

Rheinfels
Das Hotel Schloss Rheinfels besticht durch eine Mischung aus Geschichte, Rheinromantik und Blick auf das UNESCO-Welterbetal. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Ein Vier-Sterne-Superior-Hotel mit Blick auf zwei Städte, einer Burgruine als Nachbarin und einem Gespenst namens Mathilde: Schloss Rheinfels in St. Goar bietet eine Mischung aus Historie, Humor und Rheinromantik – und dies mit kleinen Ecken und Kanten.

Malerisch breitet sich das Rheintal unterhalb der Ruine und des Hotels aus. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die Lage ist das große Pfund, mit dem Schloss Rheinfels wuchern kann. Hoch über dem Rhein, auf einem Felsvorsprung präsentiert sich das Vier-Sterne-Superior-Haus als majestätischer Beobachter des Geschehens im UNESCO-Welterbe Mittelrheintal. Der Blick schweift über St. Goar und Sankt Goarshausen, dessen pastellfarbene wie weiße Häuser sich wie kleine Farbtupfer entlang des Flusses reihen.

Burgruine als Nachbarin

Die Ruine der Burg Rheinfels ist in Teilen gut erhalten. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die unmittelbare Nachbarschaft zur Ruine der einst mächtigen Burg Rheinfels verleiht dem Ensemble eine besondere Aura. Die Mauern erzählen Geschichten von Rittern, Belagerungen und Festgelagen, und wer sich in den verwinkelten Gängen verliert, könnte fast meinen, die Vergangenheit atme noch immer durch die Ritzen des Gemäuers. 1245 von Graf Diether V. von Katzenelnbogen gegründet, wuchs die Burg über Jahrhunderte zu einem mächtigen Bollwerk heran. Im Jahre 1797 wurde sie unter napoleonischem Druck gesprengt – zurück blieb die noch immer imposante Burgruine.

Ein Denkmal, das nicht schweigt

Die trutzigen Mauer sind noch immer beeindruckend. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

So ist die Ruine der Burg Rheinfels heute mehr als ein pittoresker Hintergrund für das Hotel Schloss Rheinfels. Sie ist ein Monument, das die Region geprägt hat. Ihre Mauern erzählen von Belagerungen, von Machtkämpfen und von einer Zeit, in der der Rhein nicht nur Handelsroute, sondern auch strategische Lebensader war. Heute dient die Ruine als musealer Ort, als Aussichtspunkt und als atmosphärische Erweiterung des Hotels.

An- und aussichtsreich

Rheinfels
Die Ruine und das Schloss Hotel liegen nebeneinander auf einem Hochplateau. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Unterhalb des Burgbergs entfaltet sich ein Panorama, das seit Jahrhunderten Reisende in seinen Bann zieht. Die Loreley ist nur wenige Flusswindungen entfernt, und die vorbeiziehenden Schiffe wirken wie bewegte Miniaturen in einem Landschaftsgemälde. Doch die exponierte Position hat auch ihren Preis. Das Tuckern der Schiffe, das Rauschen der Bundesstraße B9 und das Rattern der Züge sind bei geöffnetem Fenster in den insgesamt 67 Zimmern und Suiten hörbar. Manche Gäste empfinden dies als authentische Klangkulisse des Rheintals, andere als nächtliche Herausforderung.

Geisterstunde inklusive

Eine Brücke und ein Torhaus verbinden das Schloss mit den Zimmern in der Villa Rheinfels. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Und dann wäre da noch Mathilde – das Schlossgespenst, das für Geräusche verantwortlich sein soll, die sich keiner erklären kann. Nur Hotelmitarbeiterin Isabel will Mathilde gesehen haben. Eine Spuk-Geschichte, die das Hotel nicht dementiert – im Gegenteil, sie gehört längst zum Inventar.

Zimmer, die Geschichten erzählen

Großzügig geschnitten und mit Himmelbett ist das Zimmer in der Villa Rheinfels. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die Zimmer in der Villa Rheinfels bieten Rheinromantik in Reinform. Himmelbetten, die an königliche Schlafgemächer erinnern, treffen auf Fenster, die den Blick weit über das Tal freigeben. Etwas ungewöhnlich sind die Bordüren mit Pompons am oberen Ende der Wände. Ansonsten ist die Einrichtung eher unaufgeregt und zweckmäßig sowie mit einem Hauch Nostalgie versehen, ohne in Kitsch abzurutschen.

Kleine Schönheitsfehler

Gemütliche Schlafstatt mit Bordüre mit Pompons in der Villa Rheinfels. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Im eher schlichten Badezimmer zeigen sich am Heizkörper leichte Rostspuren im unteren Bereich und das Waschbecken weist feine Risse auf, die bei genauer Betrachtung sichtbar sind. Für ein Vier-Sterne-Superior-Haus ist das ungewöhnlich, aber es passt zur Gesamtkomposition: Schloss Rheinfels ist kein glattpoliertes Luxushotel, sondern ein Ort mit Patina, der seine Geschichte nicht kaschiert.

Wellness mit Aussicht

Der Innenpool könnte durchaus etwas wärmer sein. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Der Wellnessbereich bietet Sauna, Dampfbad, Anwendungen und ein Schwimmbecken, das nach Wanderungen entlang des Rheinsteigs oder Erkundungen der Burgruine wohltuend ist. Die Atmosphäre ist ruhig, gedämpft und angenehm. Doch die Wassertemperatur im großzügigen Pool könnte gerne zwei, drei Grad Celsius höher sein, was besonders jene bemerken, die sich ohnehin schwer tun, loszulassen. Ein Whirlpool wäre ebenfalls eine schöne Ergänzung. Doch das Fehlen desselben ist eher ein Anlass für humorvolles Schulterzucken als für ernsthafte Kritik. Schließlich ist es schwer, sich über Kleinigkeiten aufzuregen, wenn draußen der Rhein vorbeizieht und die Burgmauern im Abendlicht glühen.

Genussmomente

Gemütlich und aussichtsreich gibt sich das Schlossrestaurant. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Das hauseigene Restaurant präsentiert sich ambitioniert und mit einem klaren Fokus auf regionale wie saisonale Produkte. Die Speisekarte liest sich wie eine Liebeserklärung an die rheinische Küche, modern interpretiert und mit kreativen Akzenten versehen. Die Weinauswahl ist beeindruckend und spiegelt die Vielfalt der umliegenden Weinregionen wider. Wer sich für ein Menü entscheidet, erlebt eine kulinarische Reise, die den Aufenthalt perfekt abrundet. Schön wäre es hier, wenn nicht nur für den Hauptgang Auswahlmöglichkeiten angeboten würden, sondern auch für die Vorspeise, den Zwischengang und das Dessert.

Zwischen Anspruch und Realität

Überaus schmackhaft: der gebeizte Seesibling mit Rettichsalalt. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Bei den Servicekräften ist ebenfalls noch Luft nach oben. Die Qualität des Service deckt sich nicht immer mit dem hohen Anspruch des Restaurants, und grundlegende Techniken wie das Bedienen von rechts oder kleine Aufmerksamkeiten, die den Unterschied zwischen gut und exzellent ausmachen, fehlen gelegentlich. Die Freundlichkeit des Personals ist unbestritten, doch Professionalität und Präzision könnten stärker ausgeprägt sein. Für ein Haus dieser Kategorie ist das ein Punkt, der auffällt – und der sich definitiv verbessern ließe.

Die Brust von der Ente an Orangesaft wird mit Spitzkohl und Schupfnudeln serviert. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Nicht unerwähnt bleiben, dass das Haus in der „Burgschänke“ gepflegte Drinks serviert und mit der Rheinterrasse über einen großzügigen Außenbereich verfügt. Blick aufs Welterbetal und die Weinberge inklusive.

Die Weinauswahl ist überaus stattlich. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Informationen: Hotel Schloss Rheinfels, Schlossberg 47, 56329 St. Goar, Telefon: 06741 8020, www.schloss-rheinfels.de

Bewertung des Mortimer Reisemagazins

Das Schlossrestaurant liegt in der ersten Etage. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

In jeder Kategorie werden maximal fünf Sterne vergeben:

Lage ****
Ausstattung ***
Sauberkeit ***
Essen und Trinken ***
Service ***

Fazit: Schloss Rheinfels ist kein Hotel für Menschen, die sterile Perfektion suchen. Die Lage ist spektakulär, die Burgruine ein ständiger Begleiter, und die Atmosphäre unverwechselbar. Kleine Schwächen gehören dazu – und machen den Aufenthalt vielleicht gerade deshalb so erinnerungswürdig.

Karsten-Thilo Raab

berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.