Das Living Hotel Großer Kurfürst ist kein Ort der flüchtigen Trends, sondern für Reisende mit Sinn für Stil und Individualität. – Foto: Living Hotels
Das Living Hotel Großer Kurfürst am Märkischen Ufer in Berlin ist ein Vier-Sterne-Haus, das sich nicht dem Zeitgeist unterwirft, sondern ihm mit Haltung begegnet. Das Hotel punktet mit einer seltenen Mischung aus Vintage-Flair und funktionaler Eleganz, seiner Allergikerfreundlichkeit und einem nicht alltäglichen Restaurant.
Architektur mit Haltung
Das Living Hotel Großer Kurfürst in Berlin bietet seinen Gästen nicht nur erschwinglichen Vier-Sterne-Komfort, sondern auch einen individuellen Charakter. Hier regiert kein minimalistischer Zeitgeist, sondern wird bewusst ein 1990er-Jahre-Stil gepflegt, ohne dabei altbacken zu wirken. Dieser 1990er-Stil ist kein bewusstes Retro-Konzept, sondern ein Resultat der ursprünglichen Designentscheidung, die bis heute erhalten blieb.
Zimmer mit Vintage-Charme – hier ein Superior-Doppelzimmer. – Foto: Living Hotels
Vieles ist nicht nachträglich im alten Stil angepasst worden, sondern stammt noch aus der Eröffnungszeit und ist dabei gepflegt und funktional. Das verleiht dem Hotel eine gewisse Authentizität und nostalgische Atmosphäre und freut besonders Gäste, die klassische Hotelästhetik schätzen. Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) ist Leitfigur und Namensgeber dieses Hotels. Es trägt dessen Namen bewusst als Hommage an die Berliner Geschichte, passend zur Lage des Hauses an der Spree und nahe des Nikolaiviertels und der Museumsinsel. Ein großes Plus: die U-Bahn-Haltstelle „Märkisches Museum“ ist direkt vor der Tür.
Fürstlicher Empfang am Eingangsbereich. – Foto: Living Hotels
Stilvoll betritt man das Haus, der rote Teppich im Eingangsbereich ist ausgerollt. Porträts des Großen Kurfürsten und seiner Ehefrau Luise Henriette von Oranien flankieren den Eingang und begrüßen wohlwollend den Gast. Getreu dem Motto des Hauses: „Ein Ort, der Tradition und Moderne verbindet“. Dass dies den Architekten gelungen ist, zeigt sich bereits beim Betreten des Atriums des Living Hotel Großer Kurfürst. Dieses architektonische Herzstück des Hotels ist ein über 20 Meter hoher, lichtdurchfluteter Innenhof mit einem verglasten Dach, das Tageslicht bis ins Erdgeschoss bringt. Die umlaufenden Galerien, die gleichzeitig auch die Zimmeretagen sind sowie die offenen Flure, viel Glas, goldfarbener Messing und viele Spiegel sorgen für eine helle und großzügige Raumwirkung.
Das imposanten Reiterstandbild des Großen Kurfürsten wurde extra für das Hotel angefertigt. – Foto: Peer Völz / Mortimer Reisemagazin
Unübersehbar und ein absoluter Blickfang mittendrin: ein imposantes Reiterstandbild des Großen Kurfürsten in heroischer Pose, mit Mantel, Degen und Blick in die Ferne. Wie das Hotel zeigt auch er Haltung. Mit einer Höhe von ca. 4,3 Metern und fast 2,5 Meter über dem Boden an der Wand befestigt, dominiert der Große Kurfürst die Hotelhalle. Die Skulptur wurde extra in Babelsberg für das Hotel gefertigt. Sie besteht aus Theater-Papiermaché und ist an die 90 Kilogramm schwer. Das Standbild muss täglich vielen erstaunten und auch bewundernden Blicken standhalten.
Einrichtung und Zimmer
Die Einrichtung der Hotelzimmer im Living Hotel Großer Kurfürst orientiert sich an einem funktionalen Stil mit warmen Farben, geometrischen Mustern und dunkelbraunem Holz – typisch für die frühen 90er Jahre. Dieser Stil wurde beibehalten, auch um sich in der Berliner Hotellandschaft abzuheben.
Die Deluxe-Zimmer sind charmant eingerichtet. – Foto: Living Hotels
Rot-braune Farbtöne herrschen vor und werden durch farbenfrohe Gemälde an den Wänden kontrastiert. Die Bilder an der Wand passen gut ins Ambiente, sind schick und wurden speziell für das Hotel gemalt. Die Einrichtung kombiniert klassische Holzmöbel (hier bedeutet Holz noch richtig robustes Holz!) mit modernen Akzenten, etwa in Form von stilvollen Leuchten. Wer Vintage liebt, wird sich über die Reminiszenzen an die 90er freuen: Telefonapparate mit Wählscheibe, schwere Vorhänge, Messingdetails – alles gepflegt und bewusst inszeniert.
Vier kostenlose Getränke für die Minibar gibt’s an jedem Buchungstag. – Foto: Living Hotels
144 Zimmer und 22 Apartments in den Kategorien Deluxe, Superior und Executive und eine Suite sind auf sieben Etagen verteilt. In den meisten Einzel- und Doppelzimmern gibt es auch eine kleine Kitchenette. Ein Arbeitsplatz mit Schreibtisch findet sich auf allen Zimmern. Hervorzuheben ist, dass bereits ab der Superior-Kategorie die Zimmer in getrennte Wohn- und Schlafbereiche aufgeteilt sind. Die Zimmer bieten viel Platz, sind ruhig und behaglich. Das Internet funktioniert einwandfrei ohne Passwort auf dem Zimmer. Die Fernseher auf den Zimmern sind meist von durchschnittlicher Größe, erfüllen aber anstandslos ihre Programmpflichten. Ein geräumiges Bad mit Fliesen aus Meißener Porzellan und mit Badewanne und Dusche gibt es auf jedem Zimmer. Wer zusätzlich eine begehbare Dusche bevorzugt oder benötigt, sollte ein Zimmer in der Superior- oder Executive-Kategorie buchen.
Das Hotel liegt verkehrsgünstig an einer U-Bahn-Station. – Foto: Living Hotels
Die meisten Badezimmer bieten erstaunlich viel Ablagefläche für den eigenen Hygienebedarf und für Kosmetika. Kleinigkeiten wie Porzellanbecher von Seltmann Weiden für die Zahnbürsten anstelle der oft üblichen Gläser oder Plastikbecher machen Spaß. Eine Gästemappe ist nur digital erhältlich. Ein Telefon (ein klassisch analoges, sogar mit Wählscheibe!) gibt es aber noch, um z. B. Rezeption oder Housekeeping zu kontaktieren. Auch das gehört zum Vintage-Flair. Ein weiteres Vintage-Detail ist der Hosenbügeler auf jedem Zimmer. Sehr angenehm sind die geräumigen großen Schränke mit viel Platz für die Garderobe sowie die großen Spiegel an den Zimmerwänden.
Fast alle Zimmer haben zusätzlich eine Kitchenette. – Foto: Living Hotels
Klimaanlagen gibt es aus bautechnischen Gründen allerdings nur in den 15 Allergikerzimmern, Geheizt wird mit klassischen Heizkörpern. Lüftungsanlagen sorgen für einen guten Frischluftaustausch und Ventilatoren im Sommer für Kühlung. Erfreulich: Jede Zimmerbuchung beinhaltet täglich vier Freigetränke für die Minibar. Zwei Flaschen Bier und zwei Flaschen Wasser sind bei der Anreise als Begrüßungstrunk bereits in der Minibar deponiert. An der Rezeption kann man sich anschließend für die Dauer des Aufenthaltes täglich je vier weitere Freigetränke abholen und mit aufs Zimmer nehmen.
Alles für Allergiker
In den 15 Allergikerzimmern des Hauses gibt es bewusst keinerlei Möbeltextilien, keinen Teppich, keine Vorhangstoffe. Synthetische Allergiker-Bettwäsche. Die Zimmer sind mit Holzböden ausgestattet und werden zudem ausschließlich mit hypoallergenen Reinigungsmitteln gepflegt. Im Bad stehen dem Gast ph-neutrales und parfümfreies Duschgel, Shampoo und Seife zur Verfügung. Die Außenluft wird durch einen Filter von Schmutzpartikeln befreit und nach den Wünschen des Gastes klimatisiert. Die Fenster lassen sich bewusst nicht öffnen, so dass die pollengefilterte Luft nicht wieder kontaminiert wird. Zusätzlich positiv anzumerken: Für diese speziellen Zimmer wird kein Aufpreis erhoben.
Morgengruß am Frühstücksbüfett zum Tagesbeginn. – Foto: Living Hotels
Mit Rücksicht auf allergiebetroffene Gäste sind Haustiere und Pflanzen im Hotel und auf den Zimmern nicht erlaubt. Blumen z. B. können an der Rezeption abgeben werden. Ein Blumenstrauß als Überraschung auf dem Zimmer ist also nicht drin. Für ihre nachhaltigen Standards u. a. in den Bereichen Luftqualität und Umweltverträglichkeit ist die gesamte Living-Hotelgruppe Green Globe-zertifiziert.
Frühstück & Facilities
Zum Frühstücksbereich führt eine raumgreifende Marmortreppe in den ersten Stock, hinauf zum offen gestalteten Frühstücksraum und der angrenzenden Empore. Angeboten wird eine gesunde und schmackhafte Büfettauswahl unter der Berücksichtigung von Lebensmittelunverträglichkeiten. Besonders schön sitzt man während des Frühstücks an der Empore mit Blick auf die Lobby und auf den Großen Kurfürsten.
Klein ist die Hotelbar, mehrfach preisgekrönt und ausgezeichnet der Hotel-Barchef für seine besonderen Kreationen. Sonntags und montags muss man jedoch auf diese verzichten. Dann ist die Bar geschlossen.
Barchef „Chrizz“ Korder ist ein prämierter Experte auf seinem Gebiet. – Foto Living Hotels
Der nicht allzu große Wellnessbereich des Hauses umfasst eine Sauna, ein Dampfbad und einen Fitnessraum. Er ist nur mit Zimmerkarte zu betreten und kostenlos für Hotelgäste. Außerdem gibt es im Hotel eine gut ausgestattete Waschküche, die man gegen einen kleinen Obulus benutzen kann. Bügeln ist dort aus Brandschutzgründen nicht erlaubt.
Aktion „Reinigungsverzicht“
Das Living Hotel Großer Kurfürst zeichnet sich durch eine sympathische Spendenaktion aus, bei der jeder Gast mitmachen kann. Für jeden Tag, den man auf die Zimmereinigung verzichtet, spendet das Hotel vier Euro für einen wohltätigen Zweck.
In der Vergangenheit haben die Living Hotels Berlin durch die Aktion „Reinigungsverzicht“ schon viel Geld spenden können (rechts Hoteldirektor Marcus Kaiser). – Foto: Living Hotels
Will man die Aktion „Reinigungsverzicht“ und ihren guten Zweck unterstützen, besteht hierfür die Möglichkeit entweder bei der Buchung oder direkt beim Check in. Wenn man zwar auf die Zimmerreinigung verzichten möchte, aber gewisse Dinge auf dem Zimmer braucht wie Seife, Shampoo oder Handtücher, kann man dies bei Bedarf dem Housekeeping mitteilen und das Benötigte wird bereitgestellt.
Orientalische Raffinesse direkt an der Spree
Ein echtes Highlight des Hotels ist das „Cana“ Restaurant, das direkt an das Hotel angeschlossen ist. Hier wird authentische arabische Küche auf hohem Niveau serviert. Asia Zureiki betreibt das Restaurant zusammen mit ihrem Mann Mohanad. „Fast alle Produkte, die wir für unsere Gerichte benötigen, kommen aus arabischen Geschäften in Berlin“ betont sie. „Da gibt es eine große Auswahl. Auch unsere Weine aus dem Libanon oder den Tee kaufen wir in speziellen Geschäften in der Stadt.“ Gewürze und Kaffee holen sie frisch aus dem Ursprungsland. „Wir fliegen mehrfach im Jahr nach Nazareth und kaufen da die Gewürze vor Ort, auch Kaffee. Kaffee hat hier nicht das feine Kardamom-Aroma, das wir schätzen. Und Gewürze können beim längeren Transport zum Beispiel auf Schiffen ihre Aromen einbüßen oder verringern“.
Die Einrichtung des „Cana“ kann sich sehen lassen. – Foto: Peer Völz / Mortimer Reisemagazin
Diesen Anspruch auf Echtheit realisiert das Inhaberehepaar in ihrem Restaurant. Authentischer und arabisch-aromatischer als im „Cana“ kann man eigentlich die arabische Küche nicht genießen. Der arabische Küchenchef ist spezialisiert auf orientalische Küche und die Speisekarte liest sich wie aus TausendundeinerNacht: Betenjan Mahshi Mutabal und Hommous Muhamara, Baba Ghanoush, Kubbeh bil-Laban und Zaytoun-Mazza. Daneben gibt es Klassiker wie Falafel oder gegrillte Lammspieße und frische Fischgerichte.
Die „Vorspeisenkarawane“ im „Cana“ entfacht ein Feuerwerk arabischer Kochkunst. – Foto: Peer Völz / Mortimer Reisemagazin
Fantstisch sind die raffinierten Mezze-Variationen. Bei der „Vorspeisenkarawane“ werden verschiedene arabische Vorspeisen kunstvoll zusammengestellt und sind ein Fest für Auge und Gaumen. Wahrlich ein arabischer Traum sind auch die Bulgur-Fleischbällchen mit siebenerlei arabischen Gewürzen und Joghurtsauce. Und dann zum krönenden Abschluss als Dessert Atayef Gos: ein köstlicher süßer Pfannkuchen gefüllt mit Walnüssen, Kokos und Rosenwasser mit Walnusseis und mit Pistazien garniert.
Atayef Gos: dieser süße Pfannkuchen ist im „Cana“ ein wahrlich festliches Dessert. – Foto: Peer Völz / Mortimer Reisemagazin
Die Weinkarte des „Cana“ überrascht mit libanesischen Tropfen, die man sonst selten in einem Restaurant findet, wie dem Blanc de Blanc von Château Ksara oder dem Prieuré Ksara, einer Cuvée aus Cinsault, Grenache und Mourvèdre. Im Sommer lädt die Terrasse des Restaurants direkt am Spreekanal zum Verweilen ein – mit Blick auf vorbeiziehende Boote und den historischen Hafen.
Im Sommer kann man die Spezialitäten des „Cana“ auch direkt vor dessen Haustür an der Spree genießen. – Foto: Living Hotels
Neben der großartigen arabischen Küche gibt es ganz nebenbei auch noch ein großartiges Einrichtungsdetail, das allerdings aus dem Rahmen fällt. Die Einrichtung des „Cana“ ist zwar so orientalisch wie möglich gehalten, die Bilder an den Wänden aber nicht. Diese sind registrierte Kopien von berühmten Gemälden wie von Gauguin oder van Gogh und sind von solcher Qualität, dass sie wie echt aussehen. Jedes Jahr überprüft ein offizieller Gutachter, ob die Gemälde noch vorhanden sind. Das „Cana“ ist also sowohl kulinarisch als auch optisch ein außergewöhnliches Restaurant.
Informationen: Living Hotel Großer Kurfürst, Neue Roßstraße 11–12, 10179 Berlin, Telefon: 030-246000, www.living-hotels.com
Bewertung des Mortimer Reisemagazins
Die Wände im „Cana“ sind mit sehenswerten Gemäldekopien berühmter Meister dekoriert – hier „Die Siesta“ von Paul Gauguin. – Foto Peer Völz / Mortimer Reisemagazin
In jeder Kategorie werden maximal fünf Sterne vergeben:
Lage **** Ausstattung **** Sauberkeit **** Essen und Trinken **** Service ****
Fazit: Das Living Hotel Großer Kurfürst ist kein Ort der flüchtigen Trends, sondern für Reisende mit Sinn für Stil und Individualität. Wer Vintage nicht als Mode, sondern als Haltung versteht, wird hier fündig. Die Kombination aus Vintage-Charme, durchdachter Ausstattung und raffinierter orientalischer Kulinarik macht das Haus zu einem Geheimtipp unter den Berliner Vier-Sterne-Hotels.
Die Recherche fand – ohne Einfluss auf die journalistische Ausarbeitung – auf Einladung / mit Unterstützung von Living Hotels statt.
Peer Völz
lebt in Hannover und findet, dass nicht nur Niedersachsens Landeshauptstadt eine Reise wert ist. Der freie Reisejournalist und Autor schreibt seit 2019 regelmäßig für das Mortimer-Reisemagazin.
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