Limburgs Perle: Valkenburg aan de Geul

Valkenburg aan de Geul
Weithin sichtbares Wahrzeichen von Valkenburg aan de Geul ist die Burgruine. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Nicht wenige scheinen ein Messer dabei zu haben oder wenigstens einen scharfen Gegenstand. So oder so fühlen sich offenbar unzählige Liebespaare berufen, sich mit ihren Namen auf den in Teilen noch erhaltenen Wänden der Burgruine von Valkenburg aan de Geul in der niederländischen Provinz Limburg zu verewigen. Während anderenorts Liebesschlösser an Gitter und Brücken angebracht oder die jeweilige Verbindung mit Farbe oder Stiften verbotenerweise auf Wänden und Mauern plakativ zur Schau gestellt wird, kratzen Pärchen in Valkenburg ihre Namen und ihren Beziehungsstatus in die Mauerreste der einzigen Höhenburg des Landes. Damit wird zugleich deutlich, wie weich das für die Region so prägende Gestein ist.

Wer die weitläufige Festung, deren Geschichte bis in das 11. Jahrhundert zurückreicht, erklimmt, erkennt sofort, dass dieser Teil der Niederlande alles andere als flach ist. Denn das malerische Städtchen im Geultal liegt inmitten von sanften, grünen Hügeln. Am Fuße des gerade einmal 145 Meter hohen Burgbergs duckt sich die historische Altstadt. Diese wird gleichermaßen von den drei gut erhaltenen Stadttoren, dem Grendelpoort, dem Berkelpoort und dem Geulpoort, und durch eine ungewöhnliche hohe Dichte an Restaurants, Cafés und Kneipen geprägt.

Grandiose Gastromeile

Valkenburg aan de Geul
Die charmante Altstadt von Valkenburg aan de Geul wartet mit prachtvollen Gebäuden auf. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Vor allem entlang der Grotestraat sowie der Munt- und Berkelstraat drängt sich ein gastronomischer Betrieb an den nächsten. An sonnigen Tagen und warmen Abenden bevölkern dann auch ganze Heerscharen die Tische und Stühle im Außenbereich und machen Gebrauch vom üppigen Angebot an Speisen und Getränken. Nicht wenige lassen sich dabei in den Nachmittagsstunden einen typischen „Limburgse vlaai“, ein Küchlein aus flachem Hefeteig mit Fruchtkompottfüllung, schmecken. Nicht minder populär ist bei gerade Freuden deftigerer Speisen das Zuurvlees, einen süßsaurer Fleischeintopf, der geschmacklich einem Sauerbraten ähnelt.

Eines der historischen Tore ist der Grendelpoort aus dem 14. Jahrhundert. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Von fast überall in der Altstadt fällt der Blick auf den markanten Burg-Berg, der ob seiner Höhe eher als Hügel gelten dürfte. Während die weithin sichtbare Festung im Jahre 1672 auf Befehl von König Willem III. zerstört wurde, damit sie während des Holländischen Krieges (1672 bis 1678) nicht den Franzosen in die Hände fällt, schlummert im Inneren des Berges ein weitläufiges, von Menschenhand geschaffenes Höhlensystem. Die sogenannte Fluweelengrot wurde ab dem Mittelalter als unterirdischer Steinbruch genutzt, um Mergel abzubauen. Das Sedimentgestein wurde dereinst auch zum Bau der über den Höhlen liegenden Burg verwendet.

Schwerstarbeit für die Blockbrecher

Weit verzweigt ist das Gangsystem der Fluweelengrot. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

„Zwei bis drei Tage haben die Arbeiter in längst vergangenen Tagen gebraucht, um bis 300 Kilogramm schwere Quader aus dem Mergel zu hauen und mühsam auf Holzrollen ins Freie zu transportieren“, berichtet Claudia. Die kleine, drahtige Frau mit dem grau melierten Haar führt mehrmals täglich Interessierte durch das faszinierende Gangsystem in Valkenburg aan de Geul. Wenig überraschend kennt Claudia die Fluweelengrot wie ihre Westentasche. Gerne macht sie sich einen Spaß daraus, die „Hobbyhöhlenforscher“ ein wenig in die Irre zu führen. Dann wiederum schaltet sie auf Ansagen das Licht der beiden mitgeführten Laternen aus, um allen eindrucksvoll vor Augen zu führen, wie stockdunkel es in den konstant zwölf Grad Celsius warmen Grotten und Gängen ist.

Auch die schwere Arbeit der Blockbrecher wird mit Zeichnungen veranschaulicht. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

„Im nahegelegen Cadier en Keer sind 1993 zwei Jungen unerlaubt in die Grotte geschlichen. Als ihre Taschenlampe den Geist aufgab, sind die beiden hilflos umhergeirrt und schließlich in Folge von Unterkühlung gestorben“, erläutert Claudia den ernsthaften wie traurigen Hintergrund dieser Aktion. Dann taucht die sympathische Holländerin in anderen, nicht minder spannende Kapitel der Geschichte hinter dem Ganglabyrinth ein. So weiß sie zu berichten, dass zunächst im 18. Jahrhundert verfolget Priester hier Zuflucht fanden und dass die Bewohner von Valkenburg aan de Geul hier während des Zweiten Weltkriegs immer wieder Schutz vor den Nazi-Truppen suchten.

Urzeitgeschichte und Holzkohlezeichnungen

Valkenburg aan de Geul
Das moderne Glasportal bildet den Zugang zur Burgruine von Valkenburg aan de Geul. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Daneben zieren die Fluweelengrot, in der bis zu 80 Millionen Jahre alte, fossile Überreste von Meerestieren bestaunt werden können, eine Vielzahl an kunstvollen Holzkohlezeichnungen und religiösen Darstellungen, eine romantische Kapelle aus dem 18. Jahrhundert sowie ein riesiges Halbrelief eines Megalosauriers. Natürlich darf auch die anschauliche Darstellung des Mergelabbaus und ein Blick auf die beschwerliche Arbeiter der legendären Blockbrecher nicht fehlen, bevor es wieder hinaus ans Tageslicht und hinein in die stimmungsvolle Gastronomiemeile von Valkenburg aan de Geul geht.

Wissenswertes zu Valkenburg aan de Geul

An den einheimischen Leckereien führt eigentlich kein Weg vorbei. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die 16.000-Seelen-Gemeinde liegt rund zwölf Kilometer vom ungleich bekannteren Maastricht entfernt in der Grenzregion Aachen. Der beste Überblick über die Stadt bietet sich vom Aussichtsturm Wilhelminatoren, der sich auf einem Nachbarhügel der Burgruine erhebt. Weitere Informationen unter www.valkenburg.nl und www.visitzuidlimburg.de.

Die Festung von Valkenburg aan de Geul blickt auf eine gut 1.000-jährige Geschichte. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Karsten-Thilo Raab

berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.