Sake-Herstellung nun UNESCO-Kulturerbe

Sake
Sake-Kostprobe in der Sakemochida Honten Brauerei in der Prefecture Shimane. – Foto: JNTO

Japans Sake-Brauer können sich freuen. Ihr Wissen um die Herstellung von Japans Nationalgetränk zählt nun zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO. Damit würdigt die Kulturorganisation der Vereinten Nationen den aufwändigen Brauprozess, aber auch seine gesellschaftliche Dimension: „Da die Herstellung von Sake viele Hände und starke Teamarbeit erfordert, fördert sie die sozialen Bindungen zwischen den Handwerkern. Es verbindet sie auch mit den Anwohnern, einschließlich der Landwirte, die die Zutaten liefern, und trägt so zum sozialen Zusammenhalt bei“, heißt es in der UNESCO-Erklärung:

Dies ist bereits der 23. japanische Eintrag in die „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“. Dort befinden sich beispielsweise auch die Tradition des Kabuki-, Noh- und Kyogen-Theaters, der Tanz der Ainu und Washi, die Kunst der Papierherstellung.

Die Kunst der Sake-Herstellung

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Ganz klassisch wir der Herstellungsprozess in der Linumahonke Brauerei in der Chiba Prefecture vollzogen. – Foto: JNTO

Die Sake-Herstellung ist ein aufwändiger und zeitintensiver Prozess, der jahrhundertealtes Wissen mit modernsten Techniken vereint. Er beginnt mit der Auswahl des Reises, der das Herzstück jeder Sake-Produktion bildet. Nur bestimmte Sorten wie Yamada Nishiki, Omachi oder Gohyakumangoku eignen sich aufgrund ihres hohen Stärkegehalts und ihrer besonderen Struktur für die Sake-Herstellung. Zunächst wird der Reis poliert, um die äußeren Schichten zu entfernen und die Stärke im Inneren freizulegen. Anschließend beginnt der Gärprozess durch die Zugabe von Koji und Hefekulturen.

Koji, ein Edelpilz, der auch bei der Herstellung von Miso und Sojasaucen eine wichtige Rolle spielt, wandelt die Stärke zunächst in Zucker um. Dieser Zucker wird durch die Hefekulturen in Alkohol umgewandelt. Durch diese Parallelgärung verlangsamt sich der gesamte Prozess und kann zwischen zwei und vier Wochen dauern. Das hat Folgen für den Alkoholgehalt, der mit 14 bis 17 Prozent so hoch wie bei keinem anderen Gärgetränk ist. Nach einer abschließenden Ruhephase, diversen Filterungsprozessen und der Pasteurisierung ist der Sake abfüllbereit. Der gesamte Prozess erfordert eine ständige Überwachung durch erfahrene Toji, die Sake-Brauer, die in Japan hoch respektiert werden. Nur sie können die optimale Qualität und den gewünschten Geschmack des Sakes gewährleisten.

Bekannte Sake-Zentren

Blick auf die Hizennya Brauerei in der Saga Prefecture. – Foto: JNTO

Sake, bereits im 8. Jahrhundert ein verbreitetes Getränk, wurde über 500 Jahre hinweg fast ausschließlich in buddhistischen Klöstern und Shinto-Schreinen gebraut. Heute gibt es in ganz Japan noch rund 1.500 Sake-Brauereien. Einige Regionen und Orte sind besonders für ihre Sake-Herstellung berühmt. Ein herausragendes Beispiel ist die „Sake-Stadt“ Saijo in der Präfektur Hiroshima. Mit ihren acht Brauereien und altertümlichen Gebäuden, die alle entlang der Sake Street liegen, ist sie zudem ein attraktives Touristenziel. Das Brauen begann in Saijo während der frühen Edo-Zeit um 1675 und erlebte im 19. Jahrhundert einen Boom.

Auch die Präfektur Niigata gilt als Sake-Hochburg, insbesondere die Stadt Nagaoka mit insgesamt 16 Brauereien. Als Zentrum des Reisanbaus bietet Nagaoka ideale Voraussetzungen für die Sake-Produktion. Während der schneereichen Winter wird bei kalten Temperaturen dank des kristallklaren und weichen Wassers ein besonders hochwertiger Sake gebraut.

Braukunst mit Hingabe

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Mehr als 1.500 Brauereien in Japan stellen das Nationalgetränk her. – Foto: Karsten-Thilo Raab

Östlich der Hafenstadt Kobe zählen die „fünf Bezirke von Nada“ – Nada Gogo – ebenfalls zu den wichtigsten Sake-Zentren Japans. Eingerahmt vom Roko-Bergzug im Norden und dem südlich sich ausbreitenden Meer bietet Nada Gogo dank des mineralreichen Wassers und den idealen klimatischen Bedingungen die besten Voraussetzungen für die Produktion des alkoholhaltigen Kultgetränks.

Die Zukunftsfähigkeit der  Braukunst wird durch Organisationen wie die „Japan Toji Guild Association“ und die „Preservation Society of Japanese Koji-based Sake Making Craftsmanship“ gesichert. Für diese Institutionen bedeutet die UNESCO-Anerkennung eine Würdigung ihrer langjährigen Arbeit. Denn jede Flasche ist und bleibt ein kostbares Zeugnis der Hingabe und Meisterschaft, die diese traditionsreiche Braukunst lebendig hält.

Der Buchtipp für Genussmenschen

Realität ist der Zustand, der aus Mangel an Alkohol entsteht, lehrt eine irische Trinkweisheit. Frei übersetzt bedeutet dies wohl, dass das Leben – nüchtern betrachtet – nur besoffen zu ertragen sei. Aber wir wollen die Vorliebe zum Alkohol nicht bewerten. Das muss ein jeder mit sich und seiner Leber alleine ausmachen. Gleichwohl kommt es immer wieder vor, dass der eine oder andere mal einen über den Durst trinkt. Dies bleibt zumeist ohne Folgen. Sieht man einmal von der Tatsache ab, dass sich so mancher in solchen Fällen den zuvor konsumierten Alkohol noch einmal durch den Kopf gehen lässt und dass das Bett mit einem Karussell zu fahren scheint.

Die Trinkgewohnheiten und -vorlieben vieler Zeitgenossen flossen dann auch in die augenzwinkernde Hommage an alle, die durchaus dem Alkohol nicht völlig abgeschworen haben, ein. So oder so dürfte bei den Geschichten rund um Bier, Wein, Champagner und andere hochgeistige Getränke, die Mortimer-Reisemagazin-Redakteur Karsten-Thilo Raab in seinem neuen Buch unter dem Titel Ich trinke, dann kannst du fahren zusammengetragen hat, kein Auge trocken bleiben.

So erfährt nicht nur der trinkfreudige Leser wie lange die Menschen rund um den Erdball für ein Glas Bier arbeiten müssen, wie viel Bier in den Schnäuzer dieser Welt hängen bleibt und wieso Wein sowohl die Intelligenz fördern können soll als auch vor intensiver Sonneneinstrahlung schützt. Daneben geht es beispielsweise um Kuriositäten wie Bier aus Käse oder Bier für Hunde oder um die Frage, warum auf Kreuzfahrten der Alkoholkonsum deutlich ansteigt.

Erhältlich ist Ich trinke, dann kannst du fahren (ISBN 978-3-7115-2765-3) von Karsten-Thilo Raab ab für 18 Euro sofort im Buchhandel.

Mortimer

Seit dem Jahr 2011 berichtet das Mortimer Reisemagazin tagtäglich in Wort, Bild und teilweise mit Videos aus der Welt des Reisens. Mehr als 8.000 Beiträge über Destinationen aus allen Teilen der Erde stehen für Interessierte mittlerweile kostenfei bereit.