Kotor: Heimliche Herrscher in der Altstadt

Kotor
Eine beeindruckende Stadtmauer umgibt die Altstadt von Kotor. – Foto: Karl-Heinz Hänel / Mortimer Reisemagazin

Die immer noch mittelalterlich wirkende Stadt am Ende des um drei Ecken führenden Fjords von Kotor mit kleinem Strandabschnitt an der Adriaküste wird aufgrund des tiefen Naturhafens zunehmend von Kreuzfahrtschiffen für eine Stippvisite angesteuert.

Von Deck der Vasco da Gama wirkt der Fjord fast schon skandinavisch. – Foto: Karl-Heinz Hänel / Mortimer Reisemagazin

Man glaubt, beim Einlaufen mit dem Schiff, in einen norwegischen Fjord geraten zu sein. Und nicht ohne Grund nennt sich das Land Montenegro (= Schwarzer Berg). Ein einzigartiger Rundblick vom Schiff aus zeigt die ganze zu allen Seiten schnell ansteigende Gebirgsformation. Doch vom Schiff ans Ufer wird meist per Rettungsboot getendert, weil der Anlegesteg schon von einer Oligarchen-Yacht besetzt ist.

Hoch über Kotor

Kreuzfahrtpassagiere müssen die Schiffe in Kotor meist mithilfe von Tenderbooten verlassen. – Foto: Karl-Heinz Hänel / Mortimer Reisemagazin

Viele Landgänger, nicht nur die der Vasco da Gama, starten direkt vom Hafen am Ende des Fjords für einen Tagesausflug, durch eines der drei, jeweils gute 20 Meter hohen Tore, der fünf Kilometer langen Stadtmauer hindurch. Für den Überblick gibt es geführte Wanderungen: 1.500 Stufen bis hoch zur Festung St. John in 280 Metern Höhe oder auch zur gleichfalls mittelalterlichen Festung Sveti Ivan. Bequemer geht es mit der Seilbahn auf den Berg San Giovanni.

Kotor
Blick auf die Altstadt von Kotor und den Schiffsanleger. – Foto: Karl-Heinz Hänel / Mortimer Reisemagazin

Die ab dem 9. Jahrhundert errichtete Stadt liegt eingebettet zwischen leicht bewaldeten Berghängen und erhebt zu Recht Anspruch auf Nostalgie sowie seit dem Jahre 1979 auch auf den Titel eines UNESCO-Weltkulturerbes.

Autofreie Mittelalterstadt

Die Altstadt von Kotor gibt sich überaus charmant. – Foto: Karl-Heinz Hänel / Mortimer Reisemagazin

Innerhalb der hohen Mauern hat sich das kleinstädtische und autofreie Leben bisher vor unerwünschten Fremdeinwirkungen den Frieden bewahren können. Wären da nicht die Geister, die man rief und dann nicht mehr verjagen wollte. Wer sich nicht vorab über die Besonderheiten dieser autofreien Mittelalterstadt informiert hat, dem fällt beim Spazierengehen auf eigene Faust durch die schmalen Gassen irgendwann auf, dass an jeder zweiten Ecke eine Katze auftaucht. Was hat das zu bedeuten?

Katzen tummeln sich an fast jeder Ecke der Altstadt. – Foto: Karl-Heinz Hänel / Mortimer Reisemagazin

Die am versteckten Ende des Fjordes gelegene Altstadt von Kotor wurde im Mittelalter aufgrund der Seefahrt mit unerwünschten Exporten von Mäusen, Schlangen und Ratten geplagt. Um der Lage dieser Schädlingsplage Herr zu werden, wurden ab dem Zeitpunkt Katzen als erfolgreiche Jäger toleriert. Und tatsächlich gelten Katzen noch heute in Montenegro als besondere Glückssymbole.

Ein Museum für die Katz

Kotor
Der einfach gestaltete Zugang zum Katzenmuseum. – Foto: Karl-Heinz Hänel / Mortimer Reisemagazin

Es gibt das 2013 gegründete Katzenmuseum, das Cattaro an der Stari Grad 371 und in jedem Souvenirshop oder Fenster findet sich eine Katzenfigur oder eine Illustration mit Katze. Eine bedeutende Sammlung von Katzenmotiven jeder Art spendete Gräfin Francesca Montereale Mantica für das Katzenmuseum.

Immer wieder fungieren Katzen auch als Blickfang. – Foto: Karl-Heinz Hänel / Mortimer Reisemagazin

Die Ausstellung zeigt antike Bücher, Münzen, Medaillen, illustrierte Postkarten (1891-1950), Grußkarten, alte Fotos, Kinematografische Plakate, Noten, Aufzeichnungen, alte Anzeigen, verschiedene Gegenstände, Briefmarken usw.. Ein großer Anteil der Objekte widmet sich den Katzenausstellungen vor dem Ersten Weltkrieg. Mit etwas Glück finden Sie das Museum geöffnet vor, eine feste Öffnungszeit war zum Zeitpunkt unseres Besuches nicht erkennbar.

Versteckte Blickfänge

Ein wenig versteckt duckt sich der beliebte Basar. – Foto: Karl-Heinz Hänel / Mortimer Reisemagazin

Man kommt durch schmale Gassen zu kleinen Plätzen und Innenhöfen. Plätze, Kapellen, Türme und vier- bis fünfstöckige Wohnhäuser prägen die Innenstadt und sind durch schmale, teils steile Treppen-Gassen miteinander verbunden. Es gibt einen Basar in einer einst genutzten Kirche, die Deckenmalerei zeugt noch davon. In den schmalen Gassen finden sich Tavernen und viele kleine Geschäfte. Und immer mal wieder eine weitere Katze. Besonders sehenswert ist die Kathedrale des Heiligen Tryphon.

Ein Futterkasten, an dem Katzenfreunde eine Stärkung für die Samtpfoten kaufen können. – Foto: Karl-Heinz Hänel / Mortimer Reisemagazin

Auf einer kleinen Grünanlage mit Parkbänken zum Verweilen, steht ein Kasten in der Größe einer Gefriertruhe. Dort kann man Pfanddosen und Flaschen einwerfen und unten werden ein paar Bröckchen Trockenfutter für die allgegenwärtigen Katzen ausgeschüttet. Zur Option, Katzen zu kastrieren  oder zu sterilisieren, hält sich Montenegro bedeckt. Es soll wenige Tierärzte geben, die das gratis tun. Auch eine Spendenbox gibt es dafür bei der Touristeninformation am Stadttor.

Warum ein Besuch der Altstadt lohnt?

Kotor
Immer wieder eröffnen sich herrliche Blickachsen. – Foto: Karl-Heinz Hänel / Mortimer Reisemagazin

Römer, Byzantiner, Venezianer und die Habsburger Donaumonarchie hinterließen ihre Spuren in diesen versteckten Küstenort und im Verlauf von zwei Jahrtausenden entstand eine Kulturlandschaft, deren Architektur bis heute ein wahrer Schatz geblieben ist. Diese Altstadt von Kotor wurde noch nicht vom Overtourism überrollt, hat am Kai nur Platz für ein Kreuzfahrtschiff zur Zeit, sodass auch nur etwa 500 Landgänger am Tag unterwegs sind.

Der Uhrenturm ist eines der Wahrzeichen von Kotor. – Foto: Karl-Heinz Hänel / Mortimer Reisemagazin

Innerhalb der zehn Meter dicken Stadtmauer finden sich nostalgische Fassaden, authentische Tavernen und visuelle, sowie akustische Eindrücke, ganz ohne Autolärm, eine bis in die Nacht hinein friedliche Stimmung. Man erlebt die Altstadt von Kotor im Abendlicht und zu Beginn der Nacht, wenn alle Katzen bekanntlich grau sind und kehrt mit dem letzten Tenderboot zurück auf das Kreuzfahrtschiff.

Von wegen nachts sind alle Katzen grau … – Foto: Karl-Heinz Hänel / Mortimer Reisemagazin

Die Recherche fand auf Einladung / mit Unterstützung von nicko cruises statt.

Karl-Heinz Hänel

Karl-Heinz Hänel

lässt Bilder sprechen, fand nach dem Kommunikations-Design-Studium, der Mitarbeit bei der Kieler Rundschau, den TV-Sendern ARD, ZDF, u. EUREKA TV, als auch bei internationalen Bildagenturen, im "übers Reisen erzählen" seine Passion.