Der kleine Urinator & seine pinkelnden Freunde

Er hat den Bogen raus. Dabei tut er den ganz lieben langen Tag genau das, was er bereits am Tag zuvor und am Tag davor getan hat. Ohne rot zu werden, zeigt er sich in scharmverletztenderweise und uriniert still vor sich. Gleichwohl lieben ihn die Menschen für das, was er seit 1619 tut, als Hieronimus Duquesnoy in schuf: er uriniert. Obwohl der kleine Mann gerade einmal 61 Zentimeter misst, erfährt er große Aufmerksamkeit. Denn das Manneken Pis ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Brüssels.

Ein bisschen versteckt, geht er seiner Passion für das Wasserlassen an der Ecke Rue de l’Etuve und Rue du Chêne nach. Dabei kann „le Petit Julien“, wie er offiziell heißt, sich rühmen, über eine Kleiderauswahl zu verfügen, von der manch eine Frau nur träumen dürfte. Gut 850 Kostüme besitzt der kleine Urinator, dessen Originalskulptur in der Maison du Roi am Grand-Place aufbewahrt wird. Bis zu 50 Mal im Jahr bedeckt der Dauerpinkler sein bronzenes Adamskostüm mit eigens gefertigten Kostümen, denen eines gemeinsam ist: der offene Hosenstall.

Dabei sind die Kleidungsstücke zumeist Geschenke von offiziellen Gästen der Stadt. Aber auch Prominente und Vereine gehören mit ihren Kleiderspenden zu seinen Ausstattern. Allerdings entscheidet ein eigens eingesetztes Komitee mit Vertretern der Stadtverwaltung und des Vereins „Freunde von Manneken Pis“ darüber, welche Schenkungen überhaupt angenommen werden und wann der kleine Mann, an dessen Leitungssystem auch schon mal ein Fass Bier oder Wein angeschlossen wird, welches Kostüm trägt.

Inzwischen uriniert Manneken Pis auch nicht mehr alleine in Brüssels Straßen herum. In der Impasse de la Fidelité, einer kleinen Sackgasse nahe der Rue des Bouchers, hockt seit 1985 sein weibliches Pendant, die 50 Zentimeter große Jeanneke Pis, mit runtergelassener Hose und macht ungeniert auf das Straßenpflaster. Und unweit der alten Börse hebt seit 1998 an der Ecke Rue des Chartreux und Rue du Vieux-Marché mit Zinneke Pis ein lebensgroßer Mischlingshund dauerhaft das Bein an einer Begrenzungspfahl.