New York: Winterlicher Glanz im Big Apple

New York
Von der Brooklyn Bridge aus der Sonne bei ihrem Untergang zuzusehen, gehört unbedingt zu einem New-York-Besuch dazu. – Foto: Alexandra von Braunschweig / Mortimer Reisemagazin

In den Wochen, wenn das neue Jahr mehr und mehr in die Gänge kommt und es die Sonne noch nicht ganz so gut meint, verlangsamt sich der Herzschlag in New York City etwas. Natürlich hat die Stadt, die niemals schläft, immer Puls, aber die Straßen sind nicht so rappelvoll wie zu Hochzeiten und die Hotelpreise streifen nicht ganz so schnell die Schmerzgrenze. Ein guter Zeitpunkt für einen Besuch.

Fährfahrt mit Aussicht

Die Staten Island Fähre verbindet Manhattan mit Staten Island – und dies kostenfrei. – Foto: Alexandra von Braunschweig / Mortimer Reisemagazin

Zur Einstimmung lohnt sich eine Fahrt mit der Staten Island Fähre. Die pendelt 24 Stunden täglich und sieben Tage die Woche zwischen Manhattan und Staten Island hin und her – und das auch noch kostenlos. Abfahrtsort ist das Staten Island Ferry Terminal am Südzipfel von Manhattan. Von hier aus schippern die orangenen Kähne ihre Passagiere direkt an der Freiheitsstatue vorbei – aber eben nur vorbei und halten nicht. Wer will, kann Staten Island einen kurzen Besuch abstatten oder im Terminal in den Rundlauf gehen und direkt wieder den Rückweg antreten. Auf der Fahrt zurück wird er mit einem Sahneblick auf die Skyline der Megacity belohnt.

Die wahre Nähe zur Freiheitsstatue

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Vom Wasser aus hat man einen besonders schönen Blick auf die Skyline. – Foto: Alexandra von Braunschweig / Mortimer Reisemagazin

Um sich der Fackelträgerin aber wirklich zu näher, muss man Tickets kaufen, bei denen die Fährfahrt, der Eintritt, der Audioguide und der Besuch von Ellis Island inkludiert sind. Was sie aber nicht beinhalten: den Eintritt in den Sockel und in die Krone der Freiheitsstatue. Und das ist eine miese Stolperfalle. Da die Tickets stark kontingentiert sind, sind sie oft auf Wochen im voraus ausgebucht. Wer also sich die inneren Werte der Lady Liberty anschauen möchte, sollte sich schon frühzeitig zum Tickets kümmern.

Die Dame mit der Kupferhaut

Die Freiheitsstatue ist vielleicht das Wahrzeichen von New York schlechthin. Was sie ausmacht und wie sie von Frankreich nach New York gekommen ist, erfahren die Touristen bei einem Besuch der Insel. – Foto: Alexandra von Braunschweig / Mortimer Reisemagazin

Aber sei es drum. Auch ohne Sockel und Krone ist das Wahrzeichen von New York ein atemberaubender Anblick. Und der Audioguide liefert alles Wissenswerte um die amerikanische Grand Dame. So erzählt er von dem Franzosen Edouard Rene de Laboulaye, einem Bewunderer der Vereinigten Staaten, der den Anstoß zur Idee gab, dass Frankreich sich zum 100-jährigen Jubiläum der US-Revolution großzügig und volkverständigend zeigen könnte. Er beauftragte auch den Bildhauer Frédéric-Auguste Bartholdi, die Dame mit der Kupferhaut zu bauen. Und weil die Haut allerdings ein Korsett brauchte, kam keiner Geringeren ins Spiel als Gustave Eiffel, der sich um eine stabile Innenkonstruktion kümmern sollte.

Der Pulitzer-Effekt

Auch von Nahem ist die Lady Liberty eine absolute Erscheinung. – Foto: Alexandra von Braunschweig / Mortimer Reisemagazin

Und noch ein Bekannter war an der Realisierung beteiligt: der Verleger Joseph Pulitzer. Ganz im Sinne der Völkerverständigung war ausgemacht, dass Frankreich zwar die überdimensionierte Dame bezahlt, für den Sockel aber die Amerikaner zuständig seien. Genau daran haperte es. Erst als Joseph Pulitzer in seiner Zeitung zu einer Spendenaktion aufrief, kam Bewegung in die Finanzierung. Und seit dem 28. Oktober 1886 reckt die Lady Liberty ihren 13 Meter langen Arm mit der Fackel in die Höhe. Diesem Fünf-Gespann, das maßgeblich daran beteiligt war, dass eines der bekanntesten Symbole für Freiheit und Demokratie weltweit heute noch ein Touristenmagnet ist, sind fünf Skulpturen gewidmet. Im Schatten der Freiheitsstatue stehen sie Spalier und verdienen ein bisschen Aufmerksamkeit. Auf jeden Fall aber ein Foto.

Von Hoffnung und Neubeginn

Joseph Pulitzer gehört zu den fünf Persönlichkeiten, die den Bau und die Umsetzung des Wahrzeichens überhaupt erst möglich gemacht haben. Die Skulpturen auf Liberty Island erinnern an die großen Fünf. – Foto: Alexandra von Braunschweig / Mortimer Reisemagazin

Auf dem Weg zurück nach Manhattan legt die Fähre in Ellis Island noch einen Stopp ein. Hier lohnt sich unbedingt der Ausstieg. Das imposante Gebäude war für die Menschen, die mit Schiffen den weiten Weg in eine neue und hoffnungsvolle Zukunft angetreten haben, erst mal Endstation. Hier entschied sich, ob sie einreisen durften – oder nicht. Die Schilderung des Audioguide, mit welchen Sorgen sich die Einwanderer über die vielen Stufen in die große Halle bewegt haben, ist absolut ergreifend.

Sonnenuntergang auf der Brooklyn Bridge

Einen ganz besonderen Moment, den es sogar kostenlos gibt, ist der Sonnenuntergang an der Brooklyn Bridge. Wer aber nicht erst auf halber Strecke sein möchte, wenn sich die Sonne so langsam verabschiedet, sollte sich frühzeitig auf die Socken machen. Denn der Weg bis zur Mitte der Brücke kann sich ganz schön ziehen. Erschwerend kommt hinzu, dass man an Tagen, an denen sich die Sonne von ihrer besten Seite zeigt, nicht allein auf die Idee kommt, ihr beim Verschwinden zuzusehen. Ziemlich mittig verengt sich der Fußgängerweg so, dass nur Wenige von den Vielen durchpassen. Und da die Sonnen eisern ihren Zeitplan einhält und keine Rücksicht auf Verspäter nimmt, lohnt eben ein früher Aufbruch. Der Blick auf Manhattan auf der einen und Brooklyn auf der anderen Seite sowie auf den East River, der das Licht der Sonne so wunderbar aufnimmt, lässt aber keine Langweile aufkommen, falls man zu früh an der Brückenmitte ankommt.

Eislaufen zwischen Mythos und Moderne

Der Central Park ist auch im Winter einen Besuch wert. – Foto: Alexandra von Braunschweig / Mortimer Reisemagazin

Wenn man schon zur kalten Jahreszeit im Herzen von New York City unterwegs ist, dann lohnt es sich, die Besonderheiten des Winters voll auszukosten. Und was passt besser in diese Kategorie, als sich die Handschuhe anzuziehen, den Schal mit Schwung umzulegen und eine Runde Eislaufen zu gehen? Wer das an zwei traditionellen Orten tun möchte, kann zum einen seine Kreise auf der Eisbahn im Central Park mit Baum-Kulisse drehen. Oder zum anderen im Schatten der Hochhäuser: „The Rink“ gehört zum Rockefeller Center und liegt ihm deshalb auch die Füßen. Die Bahn ist zwar etwas kleiner, aber trotzdem ist es einer jener Einmal-im-Leben-Momente, sich hier im Kreis zu drehen.

Der Lehrer aller Künste

Im südlichen Teil des Central Parks gibt es eine große Eisfläche, die man auch aus vielen Filmen kennt. – Foto: Alexandra von Braunschweig / Mortimer Reisemagazin

Jede Runde auf der tiefergelegenen Bahn findet unter den Augen des Prometheus statt. Mit einem staatlichen Gewicht von acht Tonnen und knapp sechs Metern Höhe darf die Bronzeskulptur ruhig das Wort imposant für sich in Anspruch nehmen. Und zweifelsohne ist sie absolut fotogen. Die vielen Selfies, die von der Eisbahn aus mit dem Mann in Gold gemacht werden, sprechen ihre eigene Sprache. Schon seit 1934 thront die von Paul Manship geschaffene Statue mitsamt dem Brunnen am Fuße des Rockefeller Centers. Angelegt an die griechische Mythologie züngelt aus der rechten Hand des Prometheus Feuer. Schließlich steht er doch in dem Ruf, der Menschheit die ewige Flamme überreicht zu haben. Davon erzählt auch die Inschrift: „Prometheus, der Lehrer aller Künste, brachte das Feuer, das sich für die Sterblichen als Mittel zu gewaltigen Zielen erwiesen hat.“

Broadway – mehr als ein Straßenname

Der Broadway zieht sich von Süden nach Norden durch große Teil von Manhattan. – Foto: Alexandra von Braunschweig / Mortimer Reisemagazin

Egal, wo man in Manhattan aus der U-Bahn steigt, man landet gefühlt immer am Broadway. Vielleicht liegt das daran, dass sich die Straße wirklich einmal von Süden nach Norden durch die Stadt zieht – und im Gegensatz zu den meisten anderen ihrer Kollegeninnen nicht wie am Reißbrett gezogen schnurgeradeaus führt. Aber der Broadway ist natürlich längst mehr als ein Straßenname: Er ist Mythos. Und für viele ist ein Besuch in der rastlosen City nur dann komplett, wenn man sich auch ein Musical angeschaut hat. Und es ist wirklich irre, wie viele Produktionen es gibt: Derzeit wird an mehr als 30 Bühnen jeden Abend der Vorhang aufgezogen. Neben den Klassikern wie König der Löwen, Wicked, Harry Potter oder Moulin Rouge gibt es auch Musicals, die nicht ganz so bekannte Stoffe transportieren. In „Six“ etwa erzählen die sechs Ex-Frauen von Heinrich dem VIII. ihre Geschichte neu. Und auch wenn man nicht jedes Wort versteht, ist die Inszenierung, die Kostüme und die Energie des Stücks mitreißend.

Hoch hinaus über Manhattan

Aussichtsplattformen wie die auf dem Rockefeller Center sorgen zu jeder Tages- und Nachtzeit für spektakuläre Ausblicke. – Foto: Alexandra von Braunschweig / Mortimer Reisemagazin

Was bei uns schon als Hochhaus durchgehen würde, führt in New York ein Schattendasein. Alle, Häuser, bei denen der Aufzug gerademal 50 Stockwerke ansteuern kann, verdienen hier eigentlich kein „Hoch“ im Namen. Ganz anders sieht es beim One World Center aus. Es darf sich sogar das höchste Gebäude in Manhattan nennen: 104 Mal könnte der Aufzug sein Ping erklingen lassen. Das Empire State Building, einst sogar das höchste Gebäude der Welt, ist mit seinen 102 Stockwerken immer noch von anständiger Größe.

New Yorks Skyline – hier mit 270 Park Avenue (JPMorgan Chase Tower) – fasziniert nicht nur im Abendlicht.  – Foto: Alexandra von Braunschweig / Mortimer Reisemagazin

Auch wenn es der Hals nicht zu schätzen weiß und das Sonnenlicht nur spärlich bis nach unten vordringt, ist die maximale Ausnutzung des Baugrunds wirklich beeindruckend. Das gilt für die Perspektive vom Boden aus, aber aus der Höhe ist es ein absolutes Aha-Erlebnis. Deshalb sollte auf keiner New-York-Reise ein Besuch auf einer der vielen Plattformen ausgelassen werden. Schon bei Tageslicht sind die Ausmaße des Häusermeeres beeindruckend. Aber bei Dunkelheit, wenn sich zeigt, dass die Stadt wirklich niemals schläft, oder zumindest immer das Licht anlässt, hat der Anblick etwas absolut Magisches.

Alexandra von Braunschweig

lebt im Ruhrgebiet und liebt die Sonne und den Schnee. Deshalb ist die Journalisten gerne im Süden und in den Bergen unterwegs. Am liebsten trifft sie dabei Menschen, die das, was sie tun, mit Leidenschaft tun. Denn das macht aus einer Geschichte eine gute Geschichte.