
Wenn im englischen Olney die Pancake Bell erklingt, wird aus einem beschaulichen Städtchen ein quirliges Sportrevier. Hier trifft jahrhundertealte Tradition auf augenzwinkernden Wettkampfgeist – und das alles wegen eines Pfannkuchens, der im Laufschritt gewendet werden muss.
Da wird der Hund in der Pfanne verrückt. Am Shrove Tuesday, dem Fastnachtsdienstag, um 11.55 Uhr demonstrieren Wettkämpferinnen in Olney in der englischen Grafschaft Buckinghamshire, wie im Laufschritt Pfannkuchen in einer Pfanne gewendet werden können – was aber kein Muss ist. Pflicht es jedoch, den Pfannkuchen zumindest am Start und im Ziel des 380 Meter langen Parcours zwischen dem Marktplatz und der St. Peter & Paul Church wenigstens einmal zu wenden.
Fliegende Pfannkuchen und flatternde Schürzen
Gestartet wird das Rennen am 14. Februar 2026 stilecht mit der historischen Pancake Bell, einer Glocke, die ansonsten zu den Ausstellungsstücken des örtlichen Museums gehört. Sobald der Ruf „toss your pancake“ ertönt, sprinten die Teilnehmerinnen los – Pfanne in der Hand, Rock und Schürze im Wind, Kopfbedeckung festgezurrt. Einmal muss der Pfannkuchen am Start und einmal im Ziel gewendet werden. Alles andere ist Kür, aber gern gesehen, denn das Publikum liebt spektakuläre Flips.
Ein Kuss statt Pokal
Der Lohn für die Schnellste ist kein Pokal, sondern ein traditionelles Siegerinnenküsschen vom Vikar und den Kirchendienern. Teilnahmeberechtigt sind ausschließlich volljährige Frauen, die seit mindestens drei Monaten in Olney leben. Eine Regel, die das Rennen fest in der lokalen Gemeinschaft verankert – und die Atmosphäre familiär, herzlich und wunderbar schrullig macht.
Legenden um eine rennende Hausfrau

Die Ursprünge des berühmten Pfannekuchen-Rennens liegen weitgehend im Dunkeln. Eine populäre Legende handelt von der Hausfrau, die offensichtlich beim Kochen die Zeit vergessen hatte, als die Kirche zum Gottesdienst läutete. Mit der Pfanne in der Hand soll sie zum Gotteshaus gerannt sein.
Tradition mit Herz
Eine andere Legende sah in den Pfannekuchen eine Art Bestechung. Mit der kleinen Geste soll der Pfarrer in längst vergangenen Tagen dazu bewegt worden sein, die Glocken etwas früher zu betätigen. Denn deren Klang läutet offiziell den Feierabend ein. Und der konnte für die Bürger der 6.000-Seelen-Gemeinde nicht früh genug beginnen.
Vom Mittelalter bis in die Moderne

Das erste Rennen soll im Jahre 1445 in Olney über die Bühne gegangen sein. Mit einigen Unterbrechungen wird seither an der Renntradition festgehalten. Nach der Zwangspause während des Weltkrieges sorgte der örtliche Vikar, Canon Ronald Collins, dafür, dass das Pancake Race wieder fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders wurde.
Ein transatlantisches Duell
Seit 1950 hat das Pancake Race sogar eine internationale Dimension. Das Städtchen Liberal in Kansas war so begeistert von der Idee, dass es ein eigenes Rennen ins Leben rief. Seither treten Olney und Liberal im jährlichen Fernduell gegeneinander an. Die Siegerzeiten werden telefonisch ausgetauscht – ein sportlicher Austausch, der zeigt, wie ein Pfannkuchen zwei Städte über den Atlantik hinweg verbinden kann. Weitere Informationen unter https://olneypancakerace.org.
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Karsten-Thilo Raab
berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.
