Barocke Pracht, romantische Landschaften: Auf dem Elberadweg unterwegs in Tschechien

Kuks gehört zu den vielen Bilderbuchkulissen entlang des Elberadwegs durch Tschechien. (Foto Ladislav Renner)
Kuks gehört zu den vielen Bilderbuchkulissen entlang des Elberadwegs durch Tschechien. (Foto Ladislav Renner)

Schon seit Jahren führt der Elberadweg die Beliebtheitsskala der Radfernwege in Deutschland an. Doch wenn die Elbe das sächsische Bad Schandau erreicht, hat sie bereits ein knappes Drittel ihres Wegs zur Nordsee zurückgelegt und ist dabei vom Rinnsal zum mächtigen Fluss gewachsen. Ihr Werden kann man auf dem tschechischen Teil des Elberadwegs miterleben.

„Sssst“. Mit einem leichten Summen zieht die Dame auf ihrem E-Bike scheinbar mühelos vorbei. Den anderen Radlern verlangt die steile Asphaltstrecke dann doch die letzten Kraftreserven ab. Dabei fing es ganz entspannt an: Ein Sessellift brachte Fahrer und Räder vom Touristenzentrum Špindlerův Mlýn (Spindlermühle) zur Bergstation Medvědín. Von dort geht es nun mit vielen Aufs und wenig Abs zur futuristisch wirkenden Elbfallbaude. Auf den Wiesen oberhalb entspringt die Elbe, die hier Labe heißt. Schon kurz danach stürzt sie sich mit Getöse erst einmal 40 Meter in die Tiefe.

Wo die Elbe noch Labe heißt

Der Elberadweg ist klar gekennzeichnet und gut ausgeschildert. (Foto Peter Klöppel)
Der Elberadweg ist klar gekennzeichnet und gut ausgeschildert. (Foto Peter Klöppel)

Die Tour zur Quelle ist fraglos die Königsetappe – daher eher für sportliche Fahrer empfehlenswert. Der offizielle Radweg beginnt erst 20 Kilometer talabwärts im Ferienort Vrchlabí (Hohenelbe). Gelbe Schilder mit der Nummer 2 weisen den Weg, der ohne große Höhenunterschiede den vielen Windungen des Flusses folgt.

„Erst im Jahr 2008 hat Tschechien damit begonnen, den Radweg entlang der Elbe zu entwickeln“, sagt Marketingkoordinator Daniel Mourek. Schritt für Schritt wurden seitdem Wege erneuert oder neu angelegt. Heute arbeitet Tschechien eng mit der deutschen Seite zusammen, der Elberadweg wird gemeinsam vermarktet, für radfreundliche Unterkünfte oder Gaststätten gibt es vergleichbare Regeln beiderseits der Grenze.

Auf dem Weg zur Elbquelle muss zum Teil kräftig in die Pedale getreten werden. (Foto Peter Klöppel)
Auf dem Weg zur Elbquelle muss zum Teil kräftig in die Pedale getreten werden. (Foto Peter Klöppel)

Ein erster Höhepunkt ist dann der ehemalige Kurort Kuks (Kukus). Wie aus dem Nichts erscheint am linken Ufer ein monumentaler Barockbau. Er wirkt wie ein Schloss, war aber ein Hospital, in dem Kriegsversehrte gepflegt wurden. Rund 100.000 Radler besuchten im vergangenen Jahr das frisch sanierte Ensemble mit Freskengang, der zweitältesten Apotheke Europas, dem größten Kräutergarten Tschechiens und den meisterlichen Skulpturen von Matthias Bernhard Braun, dem böhmischen Michelangelo.

Königgrätz und Pardubitz: tschechische Rivalen

Nur 20 Kilometer liegen die Elbstädte Hradec Králové (Königgrätz) und Pardubice (Pardubitz) auseinander und beide pflegen eine ähnlich innige Freundschaft wie Köln und Düsseldorf. Königgrätz war schon im frühen Mittelalter ein bedeutender Handelsplatz, Pardubitz zog schließlich im 16. Jahrhundert nach. Spannungsreich ist der Wechsel zwischen barockem Prunk und den klaren Formen des Kubismus im Zentrum von Königgrätz. Die Renaissance ist in der Altstadt von Pardubitz allgegenwärtig, wo der Radweg über das Gelände des Schlosses führt. Wer genügend Zeit hat, macht beide Städte zum Etappenziel. Bei jeweils rund 10.000 Studenten ist für Unterhaltung am Abend gesorgt.

(Foto Ladislav Renner)
Hradec Králové (Königgrätz) wartet mit einigen beeindruckenden Gebäudekomplexen auf. (Foto Ladislav Renner)

Weiter nördlich überragt ein mächtiger Kelch den Marktplatz von Litoměřice (Leitmeritz), der zu den schönsten Böhmens gehört. Der ungewöhnliche Turm des Kelchhauses soll an die hussitische Tradition der Kommunion erinnern. Doch er könnte auch ein Symbol dafür sein, dass rund um die Stadt schon seit Jahrhunderten Wein angebaut wird. Ein Gang durch die Geschichte des böhmischen Weinbaus bietet sich nur wenige Kilometer elbabwärts. Bis heute werden die mittelalterlichen Keller von Velké Žernoseky (Groß Tschernosek) genutzt, die Zisterziensermönche um 1250 erbauten. Was in den mächtigen Holzfässern reift, lässt sich vor Ort probieren.

Inspiration für Landschaftsmaler

Herrliche An- und Aussichten verspricht das Böhmische Mittelgebirge. (Foto Ladislav Renner)
Herrliche An- und Aussichten verspricht das Böhmische Mittelgebirge. (Foto Ladislav Renner)

Durch das böhmische Mittelgebirge mit seinen zahllosen erloschenen Vulkankegeln bahnt sich der Fluss seinen Weg weiter nordwärts nach Ústí nad Labem (Aussig). Die romantische Landschaft begeisterte schon Caspar David Friedrich. Burg Střekov (Schreckenstein), am Rande von Aussig und 100 Meter hoch über der Elbe gelegen, faszinierte den Maler Ludwig Richter und inspirierte Richard Wagner zu seinem „Tannhäuser“. Heute kann man im Lokal Wagnerka den Blick ins Tal genießen.

Die ehemalige Industrieregion zwischen Aussig und Děčín (Tetschen) sieht ihre Zukunft im Tourismus. Der Elberadweg ist dabei ein wichtiger Baustein des längst begonnenen Strukturwandels und so findet man hier bestens ausgebaute Wege. Kleine Yachten liegen am Ufer vor Anker, Ausflugsschiffe verkehren auf dem breiten Strom. Das barocke Schloss von Děčín, in dem Fréderic Chopin 1835 seinen Tetschener Walzer komponierte, war fast eine Ruine, als es die sowjetischen Truppen 1991 verließen. Heute ist es zusammen mit dem verwunschenen Rosengarten wieder die Visitenkarte der Stadt.

Durch das Elbsandsteingebirge

Große Teile des Radweges führen unmittelbar am Ufer der Elbe entlang. (Foto Klaus Klöppel)
Große Teile des Radweges führen unmittelbar am Ufer der Elbe entlang. (Foto Klaus Klöppel)

Die urige Gaststätte Dolní Grund kurz hinter Tetschen ist ein beliebter Radlertreff. Zwei Paare aus Hamburg stärken sich dort vor der Etappe durch das Elbsandsteingebirge. Vor 15 Jahren haben sie bereits die Tour von Prag nach Dresden entlang von Moldau und Elbe. „Kein Vergleich zu damals“, schwärmt eine ältere Dame: „Früher waren die Orte noch grau und richtige Radwege gab es gar nicht.“

Heute sei die Strecke fast überall in einem guten Zustand. Mit dem charakteristischen „Sssst“ begeben sie sich dann auch auf den letzten Abschnitt zur Grenze, wo nur noch ein Pfosten mit dem Wappen der Tschechoslowakei an frühere Zeiten erinnert.

Weitere Informationen

Bei Decin können Radler mit der Fähre über die Elbe übersetzen. (Foto Klaus Klöppel)
Bei Decin können Radler mit der Fähre über die Elbe übersetzen. (Foto Klaus Klöppel)

Rund 370 von insgesamt 1270 Kilometer des Elberadwegs führen durch Tschechien. Für die gesamte Tour sollte man mindestens acht Tage einplanen. Knapp 200 km lang ist dabei die Strecke von Prag entlang von Moldau und Elbe bis zur Grenze. Informationen zum Verlauf gibt es unter www.labska-stezka.cz

Allgemeine Auskünfte über Tschechien gibt es unter www.czechtourism.com.