
Zugfahren wird bald doppelt so gut – zumindest bei Eurostar. Der europäische Hochgeschwindigkeitszuganbieter investiert satte zwei Milliarden Euro in eine neue Generation von Doppelstockzügen. Die neue Flotte, liebevoll „Eurostar Celestia“ getauft, soll ab 2031 mit bis zu 50 brandneuen Zügen durch Europa rauschen. Die Züge werden nicht nur die bestehende Flotte aufmöbeln, sondern auch neue Direktverbindungen ermöglichen. Besonders spannend: von Frankfurt nach London in einem Rutsch, ganz ohne Umstieg, über Köln und durch den Eurotunnel. Tea Time in London, Apfelwein in Frankfurt – alles an einem Tag? Kein Problem!
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Bahn rutscht bei der Pünktlichkeit weiter ab
Im Jahr 2025 hat sich die ohnehin angespannte Pünktlichkeitssituation im Fernverkehr der Deutschen Bahn weiter verschlechtert. Nur noch 60,1 Prozent der Züge erreichten ihr Ziel rechtzeitig, nachdem im Jahr zuvor immerhin 62,5 Prozent pünktlich unterwegs waren. Besonders negativ fiel der Oktober auf, der mit einer Quote von lediglich 51,5 Prozent den Tiefpunkt des Jahres markierte.
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SBB modernisiert ihre Stellwerke

Die Schweizerische Bundesbahn (SBB) setzt ein klares Zeichen für die Zukunft des Bahnverkehrs: Mit der Einführung digitaler Stellwerke will das Unternehmen sein Streckennetz effizienter steuern und die Zugtaktung deutlich verbessern. Ziel ist es, den Bahnbetrieb flexibler, zuverlässiger und ressourcenschonender zu gestalten. Für dieses ambitionierte Vorhaben investiert die SBB rund 1,5 Milliarden Euro. Die ersten digitalen Systeme sollen nach intensiven Testphasen ab 2029 in Betrieb gehen.
Aktuell nutzt die SBB etwa 500 analoge Stellwerke, die aus unterschiedlichen und teilweise veralteten Technikgenerationen stammen. Der Umstieg auf digitale Lösungen verspricht nicht nur mehr Präzision und Sicherheit, sondern auch eine Grundlage, um den öffentlichen Verkehr nachhaltig zu stärken.
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Geplante Pünktlichkeitspuffer

Ab dem Jahr 2027 beabsichtigt die Deutsche Bahn, bei der Bundesnetzagentur einen Antrag zu stellen, um auf verschiedenen Streckenabschnitten sogenannte Pufferzonen einzuführen. In besonders stark frequentierten Bereichen sollen gezielt zusätzliche Zeitpuffer in die Fahrpläne aufgenommen werden. Diese Maßnahme würde die planmäßige Fahrtdauer der Züge verlängern, mit dem Ziel, die Gesamtzuverlässigkeit des Bahnverkehrs nachhaltig zu verbessern.
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Kuriose Fundstücke
Im Jahr 2025 blieben in den Zügen der Österreichische Bundesbahnen (ÖBB) mehr als 31.000 Gegenstände zurück. Unter den über 11.400 verlorenen Taschen und Koffern fanden sich auch einige ungewöhnliche Dinge: Insgesamt wurden 61 E‑Scooter, 46 Gitarren, 28 Blasinstrumente sowie vier vergessene Gebisse gezählt.
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Im Land der Sekunden

In Japan ticken die Uhren nicht nur anders – sie ticken vor allem präziser. Wer dort in einen Zug steigt, betritt eine Parallelwelt, in der Pünktlichkeit nicht nur ein Versprechen, sondern beinahe eine Staatsreligion ist. Jüngst rollte tatsächlich ein Shinkansen, dieser elegante Silberpfeil der Schienen, mit der unfassbaren Verspätung von 35 (!) Sekunden ein. Sekunden, wohlgemerkt. Während man in Deutschland bei solchen Zeitspannen vermutlich noch entspannt den Kaffee umrührt und sich denkt „Ach, läuft ja heute richtig gut“, brach in Japan beinahe die Bahn-Etikette-Apokalypse aus. Der Zugführer entschuldigte sich mit der Ernsthaftigkeit eines Diplomaten, der gerade einen internationalen Zwischenfall bereinigt, und die Passagiere erhielten sogar eine Rückerstattung – für eine Verzögerung, die hierzulande nicht einmal als solche durchgehen würde.
Karsten-Thilo Raab
berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.