Wenn die Schlange länger ist als der Flug

Schlange
Gerade bei innereuropäischen Flügen ist die Schlange an der Security bisweilen länger als der Flug dauert. – Foto: Mortimer Reisemagazin

Der große Sicherheitszirkus: Warum Flughafenkontrollen so lange dauern und was sie wirklich bringen. Ein Blick auf das Warten, die Technik, die Menschen in der Schlange und die Realität hinter den Sicherheitskontrollen von Flughäfen.

Es beginnt oft unspektakulär: Ein leises Surren, das Klacken von Rollkoffern, das gedämpfte Murmeln einer Menschenmenge, die sich langsam vorwärts schiebt. Wer an einem deutschen Flughafen die Sicherheitskontrolle betritt, betritt zugleich einen Ort, an dem sich globale Sicherheitslage, technische Präzision und menschliche Geduld auf engstem Raum begegnen. Während die Airlines mit pünktlichen Abflugzeiten werben und einige Terminals mit architektonischer Eleganz glänzen, zeigt sich an den Kontrollspuren die Realität des Luftverkehrs: Hier entscheidet sich, wie schnell oder langsam eine Reise wirklich beginnt.

Die Zahlen unterstreichen die Dimension: Allein im November 2025 wurden 15,84 Millionen Passagiere an deutschen Flughäfen abgefertigt. Im September desselben Jahres waren es sogar 21,88 Millionen. Monat für Monat strömen also Menschenmassen durch die Kontrollbereiche – und jede einzelne Person muss durch ein System, das gleichzeitig gründlich, effizient und fehlertolerant sein soll. Eine Herausforderung, die selbst modernste Scanner nicht vollständig lösen können.

Warum dauert das alles so lange?

An der Sicherheitskontrolle am Flughafen führt kein Weg vorbei. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die Sicherheitskontrolle ist ein Ort, an dem sich Vorschriften, Technik und menschliches Verhalten zu einem komplexen Ablauf verweben. Die EU‑Regeln für Luftsicherheit sind streng, und Deutschland setzt sie traditionell besonders konsequent um. Jede Tasche, jedes elektronische Gerät, jedes Kleidungsstück kann potenziell überprüft werden. Die Scanner arbeiten mit hochsensibler Technologie, die nicht nur Metall erkennt, sondern auch Flüssigkeiten, organische Stoffe und chemische Zusammensetzungen.

Doch selbst die beste Technik ist nur so schnell wie der Mensch, der sie bedient – und der Mensch, der davor steht. Viele Passagiere sind unvorbereitet, manche überfordert, andere schlicht vergesslich. Die berühmte 100‑Milliliter‑Regel für Flüssigkeiten ist seit 2006 in Kraft, und dennoch überrascht sie täglich Tausende. Die Folge: Flaschen, Cremes, Gels und Sprays wandern in die Sammelbehälter, die sich im Laufe eines Tages zu kleinen Museen der modernen Körperpflege entwickeln.

Hinzu kommt, dass jede Verzögerung – sei es ein vergessener Laptop, ein zu großes Duschgel oder ein verdächtiger Schatten im Röntgenbild – sich bei Hunderttausenden Passagieren pro Tag potenziert. Die Sicherheitskontrolle ist ein Flaschenhals, der nicht beliebig erweitert werden kann, weil Personal, Platz und Technik begrenzt sind.

Was wird eigentlich gefunden?

Je nach Größe des Flughafens ist die Schlange an der Security unterschiedlich groß. – Foto: Mortimer Reisemagazin

Konkrete deutsche Fundstatistiken werden nicht zentral veröffentlicht. Doch internationale Vergleichsdaten – insbesondere aus den USA – geben ein realistisches Bild. Die amerikanische TSA meldet jährlich Millionen beschlagnahmter Gegenstände, darunter zehntausende Waffen. Der Großteil der Funde besteht jedoch aus Alltagsgegenständen: Flüssigkeiten über der erlaubten Menge, Taschenmesser, Werkzeuge, Feuerzeuge, Batterien.

Überträgt man diese Erkenntnisse auf Deutschland, ergibt sich ein ähnliches Muster. Die meisten Sicherstellungen betreffen harmlose, aber verbotene Gegenstände. Die Quote der Passagiere, bei denen tatsächlich etwas gefunden wird, liegt nach internationalen Vergleichswerten im niedrigen einstelligen Prozentbereich – meist zwischen einem und drei Prozent. Der überwiegende Teil davon sind Flüssigkeiten oder kleine Metallgegenstände, die versehentlich im Handgepäck gelandet sind. Spektakuläre Funde – exotische Waffen, gefährliche Chemikalien oder kuriose Schmuggelware – sind die Ausnahme.

Wie viele werden täglich kontrolliert?

Die Dimensionen sind beeindruckend. Wenn im November 2025 15,84 Millionen Passagiere an deutschen Flughäfen unterwegs waren, entspricht das im Durchschnitt rund 528.000 Passagieren pro Tag. Im September 2025 waren es sogar rund 729.000 pro Tag. Diese Menschenmassen verteilen sich natürlich nicht gleichmäßig. Montagmorgen, Freitagabend und Ferienbeginn sind die natürlichen Feinde jeder Geduld. Dann verwandeln sich die Kontrollspuren in pulsierende Ameisenstraßen, in denen jeder Schritt nach vorne als kleiner Triumph gefeiert wird.

Was bringen die Kontrollen?

Ein Bild mit Seltenheitswert: Ein komplett leerer Sicherheitsbereich an einem Flughafen. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Trotz aller Mühsal erfüllen die Sicherheitskontrollen ihren Zweck. Sie verhindern, dass gefährliche Gegenstände an Bord gelangen, und sie sorgen dafür, dass Flugreisen weiterhin zu den sichersten Fortbewegungsarten der Welt gehören. Auch wenn die meisten Funde eher harmlos sind, zeigt die schiere Menge, dass die Kontrollen notwendig bleiben.

Die Sicherheitskontrolle ist ein Ort, an dem sich moderne Technologie und menschliche Unzulänglichkeit treffen. Scanner, Sprengstoffdetektoren und geschultes Personal arbeiten Hand in Hand mit Passagieren, die versuchen, sich an Regeln zu erinnern, die sie erst fünf Minuten zuvor auf einem Schild gelesen haben.

So nervig die Prozedur auch ist, sie hat ihren ganz eigenen Charme. Denn die Sicherheitskontrolle ist das Tor zur Welt. Wer sie hinter sich lässt, hat das Gefühl, eine kleine Prüfung bestanden zu haben. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum der Kaffee hinter der Kontrolle immer ein bisschen besser schmeckt.

****

Buchtipp mit Übergepäck-Potential: Nur Fliegen ist schöner

Bekannt ist der Franke Stefan Schöner eigentlich als begeisterter Kreuzfahrer, der seine kleinen und großen Erlebnissen in den beiden Erfolgsbüchern „Urlaub auf hoher See“ (ISBN 978-3-939408-12-3) und „Mehr Urlaub auf hoher See“ mit Witz und Esprit verarbeitet hat. Das Fliegen mag er gar nicht. Allerdings hat Schöner bei seinen Kreuzfahrten ein kleines Problem: Seine Heimat Unterfranken liegt hunderte von Kilometern vom Meer und vom nächsten Kreuzfahrthafen entfernt. Deswegen muss er, ob es ihm gefällt oder nicht, auch immer wieder ins Flugzeug steigen. Mit dem Ergebnis, dass er nun mit Nur Fliegen ist schöner eine Sammlung mit heiteren Kurzgeschichten rund ums Fliegen vorgelegt hat.

Und auch beim Fliegen gibt es für ihn immer bemerkenswerte Erlebnisse. Ob die Technik streikt oder das Kabinenpersonal, ob das Wetter verrückt spielt oder der Taxifahrer am Flughafen, Schöner spießt die kleinen Widrigkeiten des Reisealltags genauso mit Witz und einem Augenzwinkern auf wie die Eigenheiten der Mitarbeiter der Fluggesellschaften und des Sicherheitspersonals und natürlich auch die der lieben Mitreisenden.

Wie in den bereits erschienenen Kurzgeschichtenbänden beschreibt Schöner heitere wie nachdenkliche Episoden mit Humor und liebevollem Blick fürs Detail und beweist, dass man mit der richtigen Perspektive eigentlich immer und überall amüsieren kann.

Erhältlich ist Nur Fliegen ist schöner (ISBN 978-3-939408-29-1) von Stefan Schöner für 10,99 Euro im Buchhandel oder versandkostenfrei direkt beim Westflügel Verlag.

Karsten-Thilo Raab

berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.