Copper Coast – Irlands famoser Südosten

Copper Coast
Steinskulpturen markieren Daten und Ereignisse aus der Erdgeschichte im Bunmahon Geological Park an der Copper Coast. – Foto: Udo Haafke / Mortimer Reisemagazin

Waterford, die älteste Stadt in Irland gegründet von den Wikingern, liegt in einer landschaftlich ungemein attraktiven Küstenregion mit zahlreichen touristischen Kleinodien, die ihren Charme speziell in Frühjahr und Herbst entfalten.

Botanisches Erbe am Fluss Suir

Auffahrt zum Herrenhaus Mount Congreve Estate inmitten des herrlichen Landschaftsparks. – Foto: Udo Haafke / Mortimer Reisemagazin

„Diese Kürbisse hier pflanzen wir nur zum Spaß an, sie reizen mit ihrer intensiven Farbe speziell unsere jüngeren Besucher und weisen schon auf unser alljährliches Halloween-Festival hin.“ Ray Sinnott schmunzelt. „Die Protagonisten dieser Veranstaltung stammen dann allerdings meist vom Discounter.“ Der Estate-Manager der Mount Congreve Gardens erzählt voller überzeugtem und ansteckendem Enthusiasmus von diesem einzigartigen Landschaftspark am Südufer des Flusses Suir wenige Kilometer westlich der 60.000 Einwohner zählenden Stadt Waterford, mithin der ältesten Stadt Irlands, gegründet im 8. Jahrhundert, und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. „Ende des 17. Jahrhunderts ließ sich die Familie Congreve in der Region nieder. Der Bau des Herrenhauses Mount Congreve begann gegen 1760 als auch die erste Anlage des Gartens erfolgte. Einige alte Bäume weisen auf diese Periode hin.“

Vielfalt zwischen Exotik und Klimawandel

Mächtiger alter Baumbestand prägt und dominiert das Aussehen des zauberhaften Landschaftsparks Mount Congreve Estate. – Foto: Udo Haafke / Mortimer Reisemagazin

Bis 2011 und dem Ableben des exzentrischen Ambrose Congreve im stolzen Alter von 104 Jahren blieb das Anwesen stets in Familienbesitz. Über die Generationen sammelten und kultivierten sie Pflanzen aus aller Welt zu einer heute überaus beeindruckenden Kollektion mit über 300 verschiedenen Baumarten, 2.000 Rhododendren, über 600 Kamelien und einzigartigen, prachtvollen Magnolien. Neben der exotischen Flora spielt aber auch die heimische Natur eine bedeutende Rolle: gut 58 Prozent der in Irland endemischen Pflanzenwelt sind im Estate zu finden. „Unser heutiges Gartenkonzept folgt der natürlichen Entwicklung. Wir geben der Natur ihren notwendigen Spielraum und sehen dabei auch mit Sorge die jetzt schon deutlich sichtbaren Folgen des Klimawandel, wenn nämlich unsere Magnolien im September ein zweites Mal zu blühen beginnen.“

Aktiv erleben: Der Waterford Greenway

Der Bahnhalt Kilmeadan liegt unmittelbar am Waterford Greenway. – Foto: Udo Haafke / Mortimer Reisemagazin

Dieser vielleicht schönste Garten Irlands ist die erste Station auf dem Waterford Greenway, einem 46 Kilometer langen Wander- und Radweg entlang der alten Bahntrasse zwischen Waterford und Dungarvan. Auf dem ersten Abschnitt gen Westen, von Waterford-Bilberry bis zum Bahnhof Kilmeadan, verläuft der Schmalspurschienenstrang der Waterford & Suir Valley Railway parallel zur Wegführung, können Eisenbahnfreunde von den quietschenden Sitzen historischer Personenwagen und gezogen von der braven, kleinen Diesellok „Enterprise 3“ die vorbeigleitende Landschaft genießen.

Der Dunabrattin Head gehört zu den spektakulären Abschnitten an der Copper Coast. – Foto: Udo Haafke / Mortimer Reisemagazin

Ab Kilmeadan sind dann Schusters Rappen oder der möglicherweise gar elektrifizierte Drahtesel erforderlich, um die landschaftlichen Eigenheiten kennenzulernen. Auf dem Weg werden, bevor bei Ballyvoyly die Küste des Keltischen Meeres erreicht ist, abgesehen von zahlreichen hübschen Aussichtspunkten auf eine sanft gewellte, von Hecken durchzogene Szenerie gleich drei Viadukte passiert. Im kleinen Städtchen Dungarvan an der Mündung des Colligan River ist dann spätestens Zeit für eine ausgiebige Rast mit einem gepflegten Pint irischen Gerstensaftes in einem der netten Pubs wie Merrys Gastro Pub unweit von Dungarvan Castle.

Erdgeschichte zum Anfassen:

Das Kunstobjekt „Fire & Ice“ markiert den Aussichtspunkt Dunabrattin Head oberhalb der Copper Coast und symbolisiert die Entstehung der Erde. – Foto: Udo Haafke / Mortimer Reisemagazin

Der Ort bildet gleichzeitig auch den westlichsten Ausläufer des 1997 ins Leben gerufenen Copper Coast Geoparks, der in seinem Kernbereich zwischen Stradbelly im Westen und Tramore im Osten eine eindrucksvolle Küstenlandschaft umfasst, mit imposanten Felsen, versteckten Buchten und tollen Stränden. Seit 2015 UNESCO Global Geopark gründet die Namensgebung auf dem hier weitverbreiteten Abbau von Kupfer während des 19. Jahrhunderts. Gleichwohl bietet das Küstenambiente mit seinen diversen Gesteinsarten einen faszinierenden Einblick in gut 450 Millionen Jahre Erdgeschichte. Dies dokumentiert der Geological Garden & Boardwalk an der Mündung des Flusses Mahon mit Hilfe von inszenierten Steinsetzungen und prägnanten Texten. Moderne Zeiten erstrecken sich hingegen hinter dem breiten, windumtosten Strand von Tramore. Hier locken für britische und irische Badeorte typische Spielbuden und Fahrgeschäfte.

Steinerne Zeugen der Wikingerzeit

Der breite Strand von Tramore lockt große und kleine Ausflügler zum Spaziergang, Mutige gar zum Bad in der tosenden Brandung. – Foto: Udo Haafke / Mortimer Reisemagazin

Folgt man der Küstenlinie weiter ostwärts, schweift der Blick bei Dunmore East weit übers Meer, über die Mündung des Suir am Treffpunkt von Keltischer und Irischer See, einem der prekärsten Punkte der internationalen Seefahrt. In der Ferne ist Hook Head mit dem trutzigen schwarz-weißen Leuchtturm erkennbar. Seit mehr als 800 Jahren an dieser exponierten Stelle, gehört er, mehrfach umgebaut und erweitert, zu den ältesten seiner Art weltweit.

Unablässig und vom Wind gepeitscht brechen sich die Wellen an den felsigen Gestaden der Copper Coast unterhalb von Dunabrattin Head. – Foto: Udo Haafke / Mortimer Reisemagazin

Noch älter aber ist der Reginald´s Tower von Waterford. Er wurde um 914 von den Wikingern erbaut, die ihrer strategisch günstig gelegenen Siedlung den Namen Vadrarfjordr (windiger Fjord) gaben. Der Turm, Fixpunkt des sog. Viking Triangle, wurde später ausgebaut und mehrmals erhöht und beherbergt eine spannende Ausstellung zu seiner ureigenen Historie. Nun umgeben von Straßen und jüngerer Wohnbebauung bildet er noch immer das Wahrzeichen der einstigen mittelalterlichen Stadtbefestigung.

Wissenswertes in Kurzform

Wahrzeichen von Waterford ist der Reginald’s Tower. – Foto: Udo Haafke / Mortimer Reisemagazin

Information: www.ireland.com und www.visitwaterford.com

Sehenswertes: In Waterford der Reginald´s Tower, das virtuelle Erlebnis King of the Vikings im rekonstruierten Wikingerhaus in der Abteiruine aus dem 13. Jahrhundert,  sowie das Medieval Museum, das sich intensiv mit der Stadtgeschichte und den Wikingern beschäftigt. Einen Besuch lohnt auch die Christ Church Cathedral, die wie gleich mehrere Gebäude im näheren Umfeld aus georgianischer Zeit und vom gleichen Architekten stammt. Tolle Aussichten verspricht der Besuch des Leuchtturms Hook Head.

Besondere Blickfänge in Form von Murals warten an der Rose Lane in Waterford. – Foto: Udo Haafke / Mortimer Reisemagazin

Aktivitäten: Der Rad- und Wanderweg durch die zauberhafte, sanft gewellte Landschaft des County Waterford Waterford Greenway kann mit eigenen oder geliehenen Rädern auf einer ehemaligen Bahntrasse ohne größere Steigungen bewältigt werden. Der erste Teil von Waterford aus verläuft neben der Bahntrasse der Waterford Suir Valley Railway auf der seit 2003 wieder zwischen April und September touristische Züge unterwegs sind, . An der Strecke liegt der Mount Congreve Estate Landschaftspark, www.mountcongreve.com.

Essen und Trinken: Aus der Vielzahl von Bars und Pubs seien hier das Everetts Restaurant an der High Street, sowie die Union Wine Bar & Kitchen erwähnt. Letztere kredenzt Traditionelles auf moderne Art und trotz des Namens auch Bier. Ebenso der Merrys Gastro Pub in Dungarvan.

Kleine Boutique im Herzen des Städtchens Dungarvan an der Copper Coast. – Foto: Udo Haafke / Mortimer Reisemagazin

Unterkunft: Unmittelbar gegenüber des historischen Reginald´s Tower und direkt am Ufer des Flusses Suir liegt das Tower Hotel mit großem Restaurant und eigenem Pool (Badekappenpflicht!). Nur kurz ist der Weg zum Viking Triangle und den diversen Sehenswürdigkeiten.

Blick vom Hook Head Lighthouse. – Foto: Udo Haafke / Mortimer Reisemagazin

Die Recherche fand – ohne Einfluss auf die journalistische Ausarbeitung – auf Einladung / mit Unterstützung des Irischen Fremdenverkehrsamtes statt.

Udo Haafke

arbeitet als freier Fotograf und Bildjournalist mit eigenem Redaktionsbüro. Neben zahlreichen Fotoausstellungen im In- und Ausland hat er sich als Autor von Reiseführern und Bildbänden zu regionalen, nationalen und internationalen Themen einen Namen gemacht.