Palma – mediterran, modern, magisch

Palma
Die Kathedrale La Seu ist das Wahrzeichen von Palma de Mallorca. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Palma de Mallorca wirkt wie ein Mosaik aus Epochen, Stilen und Atmosphären. Eine Stadt voller Kontraste und Harmonie zwischen gotische Kathedrale, maurischem Bad, königlichem Palast, modernistischen Fassaden und lebendigen Märkten.

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Die gotische Llotja de Palma wurde im Jahr 1426 als Sitz der Seehandelsbörse auf Mallorca errichtet. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die Luft trägt eine salzige Brise vom Meer herüber, während das Licht der Baleareninsel die Fassaden der Altstadt in ein warmes Gold taucht. Zwischen engen Gassen und großzügigen Boulevards, die von Palmen gesäumt sind, zwischen prachtvollen Fassaden und geschichtsträchtigen Plätzen, die von einem wohl klingenden Stimmengewirr erfasst sind, scheint die überaus prachtvolle Inselkapitale ein „¡Bienvenidos!“ – ein „Herzlich willkommen!“ auszurufen. Gleichzeitig lädt sie dazu ein, auf den Spuren von Königen, Künstlern, Händlern und Visionären ihre Plätze, Paläste und

Besonderes Licht

Zahlreiche Prachtbauten unterschiedlicher Art prägen das Bild der Stadt. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Palma de Mallorca, Hauptstadt der Balearen und Heimat von rund 420.000 Menschen, blickt auf eine über 2.000-jährige Geschichte zurück. Bereits die Römer gründeten hier die Siedlung Palmaria Palmensis, später prägten die Mauren die Stadt fast 300 Jahre lang, bevor sie 1229 von König Jaume I. von Aragón erobert wurde. Diese historischen Schichten sind bis heute sichtbar und verleihen Palma eine Tiefe, die weit über die Rolle einer modernen Inselmetropole hinausgeht. Die Atmosphäre der Stadt wird von einem mediterranen Licht bestimmt, das die Fassaden der Altstadt in warmen Sandsteinfarben leuchten lässt und die engen Gassen wie ein lebendiges Labyrinth erscheinen lässt.

Gotische Größe

Die Kathedrale ist das wohl am meisten fotografierte Motiv in Palma de Mallorca. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die weithin sichtbare Kathedrale La Seu, deren Bau bereits im Jahre 1306 begann und sich über fast 400 Jahre erstreckte, gilt als eines der bedeutendsten gotischen Bauwerke des Mittelmeerraums. Mit einer Höhe von 44 Metern besitzt sie eines der höchsten gotischen Mittelschiffe Europas. Die berühmte Rosette mit einem Durchmesser von 12,55 Metern zählt zu den größten der Welt. Im frühen 20. Jahrhundert nahm Antoni Gaudí Eingriffe am Innenraum vor, darunter die Umgestaltung des Chorraums und die Installation neuer Beleuchtungselemente. Die Kathedrale steht auf den Fundamenten einer ehemaligen Moschee – ein architektonisches Symbol für Palmas kulturelle Übergänge.

Königliche Residenz mit maurischem Kern

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Der Palacio de la Almudaina ist der offizielle Amtssitz des spanischen Königs auf Mallorca. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Direkt neben La Seu erhebt sich der Königspalast La Almudaina, dessen Ursprünge im 10. Jahrhundert liegen. Ursprünglich als maurische Festung errichtet, wurde er nach der Rückeroberung durch die Krone von Aragón zu einer königlichen Residenz umgebaut. Bis heute dient er als offizieller Sitz des spanischen Königshauses auf Mallorca. Die Mischung aus islamischer Architektur, gotischen Erweiterungen und späteren Anpassungen macht den Palast zu einem lebendigen Zeugnis der politischen und kulturellen Geschichte der Insel.

Seltenes Relikt der maurischen Epoche

Die Baños Árabes erinnern an die maurische Zeit auf Mallorca. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

In einem versteckten Garten der Altstadt liegen die Baños Árabes, ein Relikt aus der Zeit der maurischen Herrschaft aus dem 10. oder 11. Jahrhundert. Die charakteristische Kuppel mit sternförmigen Lichtöffnungen, die Säulen aus wiederverwendeten römischen und frühmittelalterlichen Bauteilen sowie die Reste des Warm- und Heißbades vermitteln ein authentisches Bild der islamischen Badekultur. Der umgebende Garten verstärkt die stille, fast zeitlose Atmosphäre dieses Ortes.

Katalanischer Jugendstil

Immer wieder öffnet sich der Blick auf stolze wie prachtvolle Fassaden. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

So oder so ist Palma de Mallorca eine Stadt, die ihre historischen Wurzeln nicht versteckt, sondern selbstbewusst und voller Stolz präsentiert. Gotische Monumente, maurische Relikte, modernistische Fassaden und zeitgenössische Kunst bilden ein Gefüge, das sich ständig weiterentwickelt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erreichte der katalanische Jugendstil – der Modernisme – Palma. Architekten wie Lluís Domènech i Montaner und Gaspar Bennàssar prägten das Stadtbild mit Gebäuden, die florale Ornamente, geschwungene Linien und farbige Keramik vereinen. Besonders markant sind das Gran Hotel (1903), heute Sitz der Fundación La Caixa, und das Can Forteza Rey nahe der Plaça Major. Diese Bauten verleihen Palma eine elegante, verspielte Note, die an Barcelona erinnert, jedoch stets mit mallorquinischer Zurückhaltung.

Kunst und urbanes Leben

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Die rechteckige Plaça Major (Plaza Mayor) wird von Arkaden umgebenen.- Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Der Plaça Mayor entstand im 19. Jahrhundert auf dem Gelände der ehemaligen Inquisition und wurde im Stil großer spanischer Marktplätze angelegt. Heute ist er ein Zentrum des städtischen Lebens, umgeben von Arkaden, Cafés und kleinen Geschäften. Nur wenige Schritte entfernt befindet sich die bereits erwähnte Fundación Juan March, ein Kulturzentrum in einem Herrenhaus aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die Stiftung zeigt Werke bedeutender spanischer Künstler wie Miró, Dalí und Picasso und bietet regelmäßig Konzerte und Vorträge.

Bedeutungsvoller Platz

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Die malerische Altstadt gibt sich zu jeder Tageszeit betont stimmungsvoll.- Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Der Plaça de Cort ist Sitz des Rathauses von Palma, dessen barocke Fassade aus dem 17. Jahrhundert stammt. Vor dem Gebäude steht ein Olivenbaum, der auf ein Alter von über 600 Jahren geschätzt wird und aus dem Dorf Pollensa hierher versetzt wurde. Er gilt als Symbol für Frieden, Beständigkeit und die tiefe Verbindung Mallorcas zur Natur. Der Platz selbst bildet einen wichtigen Knotenpunkt zwischen den historischen Vierteln der Altstadt.

Ein sakrales Netzwerk

Einige der Kirchenbauten stehen sogar auf dem Kopf. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die Altstadt beherbergt gut drei Dutzend Kirchen, viele davon aus dem 13. bis 18. Jahrhundert. Sant Francesc mit ihrem beeindruckenden gotischen Kreuzgang, Santa Eulàlia als eine der ältesten Pfarrkirchen der Stadt oder die barocke Kirche Monti-Sion der Jesuiten – sie alle bilden ein dichtes Netz sakraler Architektur, das die religiöse und soziale Entwicklung Palmas widerspiegelt.

Kulinarisches Zentrum

Beim Gang durch die Altstadt eröffnen sich immer wieder schöne Blickachsen. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Nicht zu vergessen ist der Mercat de l’Olivar. Der überdachte Markt wurde im Jahre 1951 eröffnet und ist bis heute der wichtigste Lebensmittelmarkt der Stadt. Auf über 10.000 Quadratmetern bieten Händler frischen Fisch aus der Bucht, mallorquinische Wurstwaren wie sobrassada, Käse aus der Region, Obst, Gemüse und lokale Spezialitäten an. Derweil avanciert die Passeig del Born zu Palmas mit ihren Platanen, historischen Gebäuden und Boutiquen zu wohl elegantesten Flaniermeile der Inselkapitale. Angelegt wurde die Prachtstraße im 19. Jahrhundert auf dem ehemaligen Flussbett des Riera-Bachs, der nach einer verheerenden Überschwemmung umgeleitet wurde.

Dialog mit der Stadtgeschichte

Die augenfällige Skulptur „Bou“ von Santiago Calatrava befindet sich an der alten Stadtmauer unweit des Es Baluard Museums. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Nicht unerwähnt bleiben sollte ein museales Kleinod: Das Es Baluard Museum für moderne und zeitgenössische Kunst wurde 2004 eröffnet und in die historischen Festungsmauern der Renaissance integriert. Die Bastion stammt aus dem 16. Jahrhundert und war Teil der Stadtbefestigung. Heute beherbergt das Museum Werke von Joan Miró, Pablo Picasso, Miquel Barceló und anderen Künstlern des Mittelmeerraums. Die Architektur des Museums verbindet moderne Linien mit dem historischen Stein der Festung und bietet von seinen Terrassen aus einen der schönsten Ausblicke über die Bucht von Palma.

Mallorquinische Gaumenfreuden

Am Genuss von Tapas führt eigentlich kein Weg vorbei. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Darüber hinaus entfaltet sich in Palma de Mallorca eine kulinarische Welt, die weit über das Klischee von Sonne und Sangría hinausreicht. In kleinen Backstuben ziehen Bäcker früh am Morgen die ersten warmen Ensaimadas aus dem Ofen, deren buttrige Süße man am besten noch im Stehen genießt. Später locken in den Markthallen der Stadt frisch gefangene Rotbarben und duftende Käse aus der Serra de Tramuntana, und wer sich treiben lässt, landet schnell an einer improvisierten Bar, an der ein Glas kühler Verdejo zu gegrillten Gambas gereicht wird.

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Eine Sphinx-Statue auf dem Paseo del Born (Passeig des Born). – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Abends öffnen sich die Türen moderner Restaurants, die mallorquinische Klassiker wie Tumbet oder Frito Mariner neu interpretieren und dabei den Geschmack der Insel mit überraschender Leichtigkeit auf den Teller bringen. So wird jeder Bissen in Palma zu einer kleinen Reise durch Tradition, Meer und mediterrane Lebensfreude.

Informationen: www.visitpalma.com

Beliebter Fotospot ist der Palma-Schriftzug. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Karsten-Thilo Raab

berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.