Das Kas di Pal’i Maishi in Barber ist ein lebendiges Museum, das die Seele Curaçaos offenbart – humorvoll, berührend und voller Geschichten. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Zwischen Kakteen, Passatwind und karibischer Sonne dokumentiert das Kas di Pal’i Maishi die Lebensweise der afrokaribischen Bevölkerung nach der Abschaffung der Sklaverei und vermittelt einen Einblick in das einstige Alltagsleben auf Curaçao.
Wer durch den Nordwesten von Curaçao fährt, entdeckt ein anderes Gesicht der von der Sonne verwöhnten Karibikinsel: Mehr als mannshohe Kadushi-Kakteen stehen wie stille Wächter am Wegesrand, Ziegen trotten gemächlich über staubige Pfade, und der Wind trägt den Duft von Erde und Meer zugleich. Inmitten dieser Kulisse liegt das ländlich geprägte Barber.
Und genau hier befindet sich eines der letzten erhaltenen Beispiele traditioneller Wohnarchitektur der Karibikinsel: das Kas di Pal’i Maishi. Das Gebäude steht inmitten einer Landschaft, die von niedrigen Hügeln, Trockenvegetation und weitläufigen Feldern geprägt ist. Ein Umfeld, das ganz nebenbei einen Eindruck davon vermittelt, wie das Leben auf Curaçao vor der touristischen Entwicklung ausgesehen hat.
Ein Haus, das Geschichte atmet
Nadira demonstriert, wie Zäune mit Kakteen errichtet werden. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin
Das kleine weiße Gebäude, offiziell als „Kunuku“ bekannt und von Kakteen-Zäunen umrahmt, wurde vor über 130 Jahren errichtet und gehört zu den letzten erhaltenen Beispielen jener Bauweise, die nach der Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1863 entstand. Die afro-karibische Bevölkerung Curaçaos begann damals, sich ein neues Leben aufzubauen, und tat dies mit den Materialien, die die Insel hergab: Lehm, Holz, Steine, Maispflanzen. Aus diesen einfachen Hilfsmitteln entstand eine Architektur, die nicht nur Schutz bot, sondern auch Würde, Identität und Selbstbestimmung ausdrückte.
Tierische Begegnungen mit Iguanas sind am Kas di Pal’i Maishi Alltag. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Der Name Kas di Pal’i Maishi selbst bedeutet „Haus aus Maisstängeln“ und verweist auf die charakteristische Dachkonstruktion. Die Bauweise war funktional, kostengünstig und an die klimatischen Bedingungen der Insel angepasst. Sie entstand aus der Notwendigkeit heraus, mit lokal verfügbaren Materialien stabile und zugleich gut belüftete Wohnräume zu schaffen. Das Gebäude dokumentiert damit nicht nur eine architektonische Tradition, sondern auch die soziale und wirtschaftliche Realität der damaligen Bevölkerung.
Bauen aus dem, was die Insel hergibt
Die Freilufttoilette ist nur von Kakteen umrahmt. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin
Heute dient das Kas di Pal’i Maishi als Museum, das das ländliche Leben auf Curaçao bis etwa in die Zeit um das Jahr 1950 veranschaulicht. Wer das Haus betritt, spürt sofort, dass hier nicht nur Mauern stehen, sondern Erinnerungen an längst vergangene Tage: Der Boden aus gestampfter Erde erzählt von barfüßigen Schritten, die einst den Alltag prägten. Die einfachen Möbel, die Werkzeuge, die Kochutensilien – alles wirkt, als hätte der letzte Bewohner das Haus nur kurz verlassen, um Wasser zu holen.
Einige Meter hoch sind die mächtigen Kadushi Kakteen. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Die Einrichtung zeigt ein realistisches Bild vom beschwerlichen Alltag der afrokaribischen Gemeinschaft, der von handwerklicher Arbeit, begrenzten Ressourcen und einer engen Verbindung zur Natur geprägt waren. Die Ausstellung zeigt, wie Menschen mit einfachen Mitteln funktionale Wohnräume schufen und ihre kulturellen Traditionen bewahrten.
Storytelling mit Stimme, Witz und Vibes
Nadira zeigt nicht nur wie ihre Vorfahren gearbeitet haben, sondern weiß auch spannende Geschichten zu erzählen. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin
Die bemerkenswerte Zeitreise erfolgt nicht ausschließlich über Objekte, sondern auch durch mündliche Überlieferungen, Demonstrationen und Gesang. Die charismatische Nadira, eine lebende Legende des Museums, versteht es, die Besucher mit ihren Erzählungen und ihrem Gesang mitzureißen. Mit Humor, Leidenschaft und einer Prise karibischer Gelassenheit lässt sie die Vergangenheit lebendig werden. Sie erläutert historische Zusammenhänge, beschreibt traditionelle Arbeitsabläufe und gibt Einblicke in kulturelle Praktiken, die über Generationen weitergegeben wurden.
Ganz traditionell wird am Kas di Pal’i Maishi der Kaffee über offenem Feuer zubereitet. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Dazu gehören auch traditionelle Arbeitslieder, die einst bei der Feldarbeit gesungen wurden und heute als bedeutendes Element des immateriellen Kulturerbes gelten. Diese musikalischen Ausdrucksformen verdeutlichen die soziale Struktur und den Gemeinschaftssinn der damaligen Zeit. Die Lieder sind rhythmisch, kraftvoll und voller Energie. Wer sie hört, versteht sofort, warum sie einst halfen, schwere Arbeit leichter zu machen und zu ertragen.
Traditionelles Handwerk zum Mitmachen
Aus Palmenblättern werden kleine Unterstände gebaut. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Das Museum beschränkt sich jedoch nicht auf das Erzählen. Es lädt dazu ein, selbst aktiv zu werden. Workshops vermitteln traditionelle Techniken, die bis heute auf der Insel genutzt werden. Beim Brotbacken über offenem Feuer duftet der Garten nach frisch geröstetem Maismehl. Beim Verarbeiten von Aloe Vera zeigt sich, wie vielseitig diese Pflanze ist, die auf Curaçao fast überall wächst. Und beim Herstellen von Kokosöl wird deutlich, wie viel Handarbeit in einem Produkt steckt, das heute oft selbstverständlich im Supermarktregal steht.
Das Umland ist wild und dicht bewachsen. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin
Obwohl das Kas di Pal’i Maishi nicht zum UNESCO-Welterbe zählt, steht es in engem Zusammenhang mit dem kulturellen Erbe Curaçaos. Die historische Altstadt von Willemstad, die den Welterbestatus trägt, repräsentiert die koloniale Architektur der Insel. Das Kas di Pal’i Maishi hingegen dokumentiert die Lebenswelt der afrokaribischen Bevölkerung, deren Geschichte und kulturelle Identität lange Zeit weniger sichtbar waren.
Informationen und Tipps
Curaçao gehört nicht von ungefähr zu den Traumzielen für alle Sonnenanbeter, Taucher und Wassersportler. – Foto: Karsten-Thilo Raab
Anreise: Ab Amsterdam mit KLM, wobei die niederländische Airline Zubringerflüge von fast allen größeren deutschen Flughäfen, von Wien und Zürich anbietet.
Eine wirklich tolle Tuk Tuk Fahrt kann auch über das Curaçao Tourist Board gebucht werden. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Ausflüge können auch direkt über das Curaçao Tourist Board gebucht werden. Besonders empfehlenswert ist, neben der Tour in den Westen, eine spaßige und spannende Tuk Tuk Fahrt durch Willemstad. Weitere Informationen unter www.curacaotouristboard.com.
Essen & Trinken
Definitiv einen Versuch wert ist das Keshi Yená im Grand Café ‘Gouverneur de Rouville’. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Grand Café ‘Gouverneur de Rouville’ in Willemstad De Rouvilleweg 9F, 2nd Floor. Großartiger Ausblick auf die bunten Häuser von Willemstad. Lokale und internationale Küche, besonders empfehlenswert ist Karni Stobá mit Rindfleisch, Keshi Yená gefüllter Käse mit Hühnchen, aber auch die Fettuccine mit Trüffel. Weitere Informationen unter www.de-gouverneur.com.
Kultura Kòrsou im Hòfi Mango Park, Santa Cruz 23. Das Restaurant bietet eine frische und gehobene Interpretation der kreolischen Küche und verbindet tief verwurzelte Traditionen mit erstklassigen Kochkünsten in traumhafter Umgebung. Nur Kartenzahlung möglich. Weitere Informationen unter www.hofimango.com.
Die Top-Adresse auf Curaçao, das Sandals Royal . – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Übernachtung: Fünf-Sterne All-Inklusive Adults only Resort Sandals Royal Curaçao in Santa Barbara. Das All-Inclusive-Paket beinhaltet neben Restaurants, Bars, Minibar auch Wassersport wie Tauchen und alle Trinkgelder. Circa 45 Minuten Fahrtzeit vom Flughafen entfernt. Weitere Informationen unter www.sandals.com/royal-curacao.
Die Recherche fand auf Einladung / mit Unterstützung der Sandals Resorts, dem Curaçao Tourist Board in Zusammenarbeit mit uschi liebl pr statt.
Karsten-Thilo Raab
berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.
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