
Zauberstäbe gezückt! Diese Reise durch Schottland ist kein gewöhnlicher Trip, sondern ein Ausflug hinein in die Welt von Harry Potter. Zwischen dampfenden Zügen, mystischen Wasserfällen und verwunschenen Gassen wird selbst der skeptischste Muggel zum Zauberlehrling.

Wer glaubt, Schottland sei nur etwas für Whisky-Liebhaber und Highland-Romantiker, der hat wohl noch nie mit einem Butterbier in der Hand auf das Glenfinnan-Viadukt gestarrt. Denn hier, zwischen nebligen Tälern und mystischen Seen, beginnt eine Reise, die nicht nur ausgewiesene „Potterheads“ in Verzückung versetzt.
Edinburgh – wo Magie auf Marmor trifft

Die Reise beginnt in Edinburgh, jener Stadt, in der J.K. Rowling einst mit Blick auf das mächtige Castle ihre Feder zückte und fortan mit ihren Büchern über „Harry Potter“ eine ganze Generation verzauberte. Die Victoria Street, mit ihren bunten Fassaden und verwinkelten Läden, erinnert frappierend an die Winkelgasse – man möchte fast nach einem Zauberstabgeschäft Ausschau halten.

Ein paar Schritte weiter lockt das Café „The Elephant House“, das sich selbst als Geburtsstätte von Harry Potter bezeichnet. Hier schrieb Rowling Teile der Saga – zwischen dampfenden Teetassen und Elefantenfiguren. Wer dann noch den Greyfriars Kirkyard besucht, entdeckt Grabsteine mit Namen wie „Thomas Riddell“ – ein Schelm, wer da an Lord Voldemort denkt. Auch ein gewisser William McGonagall fand hier seine letzte Ruhestätte. Dessen Nachname wurde an die Gryffindor-Hausleiterin Minerva McGonagall „vererbt“.
Wo der Hogwarts-Express vorbeischnauft

Weiter geht es Richtung Westen, wo das berühmte wie markante Glenfinnan Viadukt majestätisch die Landschaft durchschneidet. Hier fährt der Hogwarts-Express – oder besser gesagt: der Jacobite Steam Train – über die ikonische Brücke. Unabhängig davon das die Bahn im Kinoabenteuer das Viadukt regelmäßig auf dem Weg nach Hogwarts passiert, ist Harry Potter unter anderem auch in der „Kammer des Schreckens“ zusammen mit Ron im „fliegenden Auto“ über das Bauwerk gesaust und dabei fast vom Zug erwischt worden. Wer zur richtigen Zeit kommt, sieht den fahrplanmäßig verkehrenden Jacobite Steam Train übrigens tatsächlich vorbeidampfen.
Loch Shiel – der Schwarze See

Direkt unterhalb des Viadukts liegt Loch Shiel, ein See so still und geheimnisvoll, dass man sich fragt, ob gleich ein Hippogreif aus dem Wasser steigt. In den Filmen diente er als Kulisse für den Schwarzen See – jener Ort, an dem Harry gegen Wassermenschen und eigene Ängste kämpfte. In der Realität ist er ein Ort der Ruhe, perfekt für magische Gedanken und Picknick mit Blick auf die Berge.
Steall Falls – wo Drachen gejagt werden

Ein Abstecher nach Glen Nevis führt zu den Steall Falls – einem Wasserfall, der in „Harry Potter und der Feuerkelch“ während der Drachenprüfung zu sehen ist. Der Weg dorthin ist abenteuerlich, aber lohnend: Der Wasserfall stürzt dramatisch in die Tiefe, umgeben von saftigem Grün und Felsen, die wie Kulissen wirken. Wer hier steht, hört förmlich das Fauchen des Ungarischen Hornschwanzes.
Mallaig – Fisch, Flair und Finale

Endstation der kleinen magischen Reise ist Mallaig, eine charmante Küstenstadt und Endpunkt des Jacobite Steam Train. Hier gibt’s frische Meeresfrüchte, salzige Luft und den perfekten Ort, um die Reise Revue passieren zu lassen. Vielleicht mit einem Teller Muscheln und einem Blick aufs Meer – wer weiß, ob nicht irgendwo ein Hauself auftaucht und fragt, ob alles geschmeckt hat?
Magie zum Anfassen

Diese Reise durch Schottland ist mehr als ein Trip für Potter-Fans – sie ist ein Streifzug durch Fantasie, Filmgeschichte und die wilde Schönheit der Highlands. Zwischen historischen Gassen und dampfenden Zügen verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Zauberwelt. Darauf ein Butterbier.
Buchtipp für Schottland-Liebhaber
Schotten sind angeblich geizig. Die Männer tragen Röcke, blasen auf dem Dudelsack und wirbeln Baumstämme durch die Lüfte. Sie lieben den Genuss von Whisky, frittierten Mars-Riegeln und von mit Innereien gefüllten Schafsmägen. Zu den Hobbys vieler Schotten zählt das Sammeln von Bergen. Keine Frage, mit ihren liebenswerten Eigenarten und Schrulligkeiten wissen die gerade einmal 5,2 Millionen Schotten große Sympathien für ihr kleines Land zu wecken. Als liebevolle Hommage an die raubeinigen Nordeuropäer verrät Das andere Schottland von Mortimer-Reisemagazin-Redakteur Karsten-Thilo Raab viel Interessantes, Kurioses und Unterhaltsames über Schottland, seine Bewohner und ihre Lebensgewohnheiten. Ein Buch, das mit Klischees über Schotten geizt, aber sonst kaum etwas Wissenswertes und Amüsantes ausspart.
Das amüsante wie informative Brevier über die Schotten widmet sich launig wichtigen Aspekten rund um das Wetter. Schließlich lassen sich in Schottland nicht selten alle vier Jahreszeiten an einem Tag erleben. Und so wird die Erfindung des Regelmantels ebenso beleuchtet wie das Phänomen der witterungsbedingten Schrumpfungsprozesse bei Schafen. Dann wiederum ist zu erfahren, wie man ohne große Aufwand einen Adelstitel in Schottland erhalten kann, wie der trostloseste Ort einen Gleichgesinnten gefunden hat und wo die Pilgerstätte für Liebende liegt. Auch die berühmteste und wohl kurioseste Bushaltestellen der Welt fand Eingang in die etwas andere Liebeserklärung an das kleine Land im Norden von Großbritannien.
Erhältlich ist Das andere Schottland (ISBN 978-3-7115-2982-4) von Karsten-Thilo Raab für 18 Euro im Buchhandel oder online etwa bei Thalia oder Amazon.
Karsten-Thilo Raab
berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.
