
Badeanzug an, Handtuch unter den Arm – und eintauchen in eine jahrtausendealte Kultur. Schon die Römer wussten, dass Wärme und Wasser eine heilende Kombination sind. Wer heute durch das Wallis reist, begegnet diesem Erbe auf eindrucksvolle Weise: in Leukerbad, Saillon und Martigny, drei Orten in der Schweiz, die Tradition der Bäderkultur auf ihre ganz eigene Art lebendig halten. Zwischen Gletschern und Rebhängen, zwischen jahrhundertealten Dörfern und neuen Designhotels hat sich das Wallis zu einer der wichtigsten Tourismusregionen der Schweiz entwickelt. Thermalwasser, Bergwelt und Gastfreundschaft sind hier nicht nur Kulisse, sondern Lebensgrundlage für viele Menschen.
Alpine Vielfalt auf 1.400 Metern

Leukerbad liegt auf 1.400 Metern Höhe und ist nicht nur der bekannteste, sondern auch der traditionsreichste Kurort der Schweiz. Schon die Römer badeten hier in den heißen Quellen, die täglich rund vier Millionen Liter mineralreiches Thermalwasser hervorbringen – mit Temperaturen zwischen 28 und 43 Grad Celsius. Das Wasser speist 64 Quellen, von denen nur ein Bruchteil aktiv genutzt wird, einige Hotels besitzen sogar ihre eigenen, sagt Ryan Maxwell von der Tourismusagentur My Leukerbad.
Leukerbad bietet mit drei erstklassigen Thermen für jeden Geschmack das passende Thermalerlebnis. Das Aushängeschild ist die Leukerbad Therme, Europas größte alpine Thermalbadanlage: Hier badet man unter freiem Himmel mit Blick auf die dramatische Gemmi-Felskulisse. Zehn Pools zwischen 28 und 43 Grad Celsius laden zum Entspannen ein – vom sprudelnden Vitalbad über Unterwassermassagen bis zur Poolbar im Hallenbad, ergänzt durch kinderfreundliche Bereiche.

Die Walliser Alpentherme & Spa punktet mit einem großzügigen Außenbereich: ein 36-Grad-Sprudelbecken und zwei weitere Thermalpools bei 36 und 38 Grad Celsius schaffen pure Entspannung inmitten der Bergpanorama. Rund um die Ecke lockt die Therme 51°, ein anerkanntes Schweizer Heilbad mit naturreinem Thermalwasser (36 bis 42 Grad Celsius). Dazu gehören finnische Sauna, Bio-Heusauna, Alpenkräutersdampfbad, Infrarotkabine und gemütlicher Ruheraum – ein Ort, an dem Wohlbefinden therapeutische Qualität erreicht.
Panoramablicke und Ganzjahreserlebnisse
Wer nach dem Wassererlebnis höher hinaus möchte, nimmt die historische Gemmibahn: In wenigen Minuten schwebt man auf 2.350 Meter hinauf, wo die Gemmi Lodge & Spa ein Panoramarestaurant, gemütliche Zimmer und herzhafte Rösti-Variationen serviert. Bei klarer Sicht reicht der Blick bis zum Matterhorn. Für Hotelgäste ist die An- und Abfahrt mit der Gemmibahn inklusive, sodass die Lodge mit ihrer warmen, familiären Gastfreundschaft und den eindrucksvollen Ausblicken auf die Walliser und Berner Alpen besonders bequem erreichbar ist. Der großzügigen Speisesaal bietet Platz für bis zu 200 Gäste und überzeugt mit einem hellen, einladenden Selbstbedienungskonzept, bei dem die ausgewählten Speisen heiß am Tisch serviert werden.

Wie Ryan verrät, ist Leukerbad ganzjährig gefragt: Im Winter locken 55 Pistenkilometer, im Sommer über 200 Kilometer Wanderwege und einer der längsten Klettersteige der Schweiz. Rund 80 Prozent der Gäste kommen aus der Schweiz, betont Maxwell. Dies sei auch ein Beweis für die anhaltende Authentizität des Orts und ein stabiler Rückhalt für die lokale Wirtschaft, von den Bergbahnen bis hin zu kleinen Familienbetrieben.
Kulinarik-Highlights in Leukerbad
In Leukerbad gehört das schmackhafte Essen ebenso zum Aufenthalt wie die fantastische Bergwelt und die erholsamen Thermen. Über 40 Restaurants in und um Leukerbad verwöhnen den Gaumen der Gäste. Dazu gehören das Restaurant 51° im Hotel Therme 51° Hotel Physio & Spa, wo vegetarische und vegane Gerichte, die mit Fleisch und Fisch ergänzt werden können. Darüber hinaus sorgen saisonale Zutaten aus der Region, hausgemachte Spezialitäten und passende Walliser Weine für authentischen Geschmack. Zu den Klassikern das Restaurants gehören die leckeren Süßkartoffeln-Rösti.

Am Herzen der Promenade in Leukerbad gelegen, ist das Restaurant Waldhaus ein alpines Juwel mit elegantem Chalet-Flair, warmer Gastfreundschaft und verfeinerter regionaler Küche. Unter der Leitung von Küchenchef Harald Beckert werden traditionelle Schweizer und Walliser Spezialitäten kreativ neu interpretiert – mit Highlights wie zartem Wild, frischem Walliser Egli-Filet und die berühmten Rösti und als süßer Abschluss ein Grappa Amarone. Die intime Atmosphäre, der aufmerksame Service und die durchdachte Weinkarte schaffen ein einladendes Ambiente – ideal für ein entspanntes Mittagessen oder ein unvergessliches Abendmahl nach einem Tag in den Thermen oder auf den umliegenden Alpen. In dem Familienbetrieb wird Tradition und Moderne elegant vereint, sagt Beckert.
Die Grand Dame von Leukerbad
Das Hôtel Les Sources des Alpes thront leicht erhöht über Leukerbad und blickt seit fast zwei Jahrhunderten auf den Ort und seine Badekultur hinab. Das Hotel gilt als Grand Dame von Leukerbad – und man spürt an vielen Ecken des Hauses, dass es in die Jahre gekommen ist. Eröffnet wurde das Haus bereits 1834, zu einer Zeit, als der Kur- und Badetourismus im Wallis gerade erst Fahrt aufnahm. Über Generationen hinweg logierten hier Kurgäste, Intellektuelle und Wohlhabende, die in Leukerbad Linderung suchten und das mondäne Flair eines klassischen Kurhotels genossen.

Mehrere Besitzer- und Betreiberwechsel, Renovierungsphasen und Konzeptanpassungen haben das Bild des Hauses immer wieder verändert – doch der Kern ist geblieben: die direkte Anbindung an das eigene Thermalwasser, das bis heute Innen- und Außenpools speist. Heute erzählt Les Sources des Alpes von einer wechselvollen Vergangenheit zwischen Glanzzeiten und sanfter Patina – ein Traditionshaus, das seine besten Tage nicht verleugnet, sondern selbstbewusst weiterschreibt.
Entspannung im Herzen des Rhonetals
Von Leukerbad geht es per Zug und Bus in die sonnenverwöhnte Gemeinde Saillon-des-Bains. Hier liegt das Hôtel des Bains de Saillon, das eng mit der Geschichte des Thermaltourismus im Wallis verbunden ist. Schon im 19. Jahrhundert reisten Erholungssuchende aus Genf und Lausanne hierher, um im heißen Quellwasser zu baden. Heute präsentiert sich das Haus als stattlicher 4 Sterne Resortkomplex mit rund 145 Zimmern, von denen viele einen freien Blick auf die Walliser Alpen und das weitläufige Thermalgelände bieten. Familienzimmer, moderne Suiten und auf Spa-Gäste zugeschnittene Deluxe-Zimmer knüpfen an die Tradition des Hauses als Kur- und Erholungsadresse an und machen es zugleich zu einem zeitgemäßen Wellnesshotel.

Das Hotel ist direkt mit den Thermalanlagen verbunden, die sich seit ihrer Entstehung vom klassischen Kurzentrum zu einem ganzjährig beliebten Freizeit- und Wellnesspark entwickelt haben. Mehrere Becken mit unterschiedlichen Temperaturen, ein Thermalfluss, Ruhezonen sowie ein nur Erwachsenen vorbehaltener Bereich verbinden den gesundheitlichen Ansatz der ursprünglichen Bäder mit einem spielerischen, familienfreundlichen Angebot.
Symbol für den Wandel
Kulinarischer Dreh- und Angelpunkt ist die Brasserie des Hauses, in der Hotelgäste und Tagesbesucher zusammenkommen. Hier werden unkomplizierte, regionale Gerichte serviert in einer Atmosphäre, die den Charakter des Resorts als lässigen, aber komfortablen Rückzugsort unterstreicht. Neben der Brasserie werden die Gäste noch im Salle Pierre Avoi (Frühstück), in der Less Swiss Burger Bar und im Les Baigneurs mit Speisen verwöhnt.

Saillon steht exemplarisch für den Wandel der Walliser Thermalbäder: vom medizinischen Kurzentrum zum Lifestyle-Retreat, das Wellness, Gastronomie und nachhaltigen Tourismus verbindet – und damit Arbeitsplätze in einer Region sichert, in der die Alternativen zu Tourismus und Weinbau begrenzt sind.
Design trifft Geschichte
Die Reise endet in Martigny, der kulturellen Hauptstadt des Unterwallis. Nur eine Stunde von Chamonix entfernt, überrascht das Städtchen mit Avantgarde und historischem Charme zugleich. Das neu eröffnete Hôtel Borsari – A Member of Design Hotels – gilt als Aushängeschild dieser Entwicklung. Das Gebäude, ein Projekt des italienischen Ingenieurs Giuseppe Borsari, steht für eine neue Generation von Walliser Hotels: klare Linien, handgefärbter Beton, warme Farbtöne und ein Fokus auf Design und Qualität. Mit nur 50 Zimmern, darunter zwölf Deluxe-Räume und drei Suiten, strahlt das Haus Boutique-Charakter aus, eklärt Sophie Donnet, Sales Manager des Hauses. Die Zimmer wirken ruhig und kontemplativ, ihre Fenster rahmen die Alpenlandschaft wie lebendige Fresken.

Räumlich eingebunden ist das Hotel ist das Quartier Lô Dzè, ein kulturelles Zentrum mitten in der Stadt. Hier treffen sich Gäste und Einheimische, um moderne Gastronomie und Wellness mit außergewöhnlichem Ambiente zu genießen. Neben der römischen Therme befindet sich in diesem Hotelkomplex noch ein Restaurant, eine Weinbar und ein Café mit lokalen Spezialitäten.
Baden im Hauch der Geschichte
Highlight des Hotels ist das Les Bains Publics, ein römisches Bad das aus den Überresten römischer Thermen in Martigny erbaut wurde und damit Jahrhunderte von Badekultur in die Gegenwart zurückholt. Die Architektur ist zurückhaltend und doch markant, mit minimalistischen Linien, die durch Struktur, Materialität und ein klares Gefühl für den Ort geerdet werden. Im Inneren greifen Stein, Holz und warmes Licht die elementare Kraft des ursprünglichen Thermalstandorts auf, während der Spa-Bereich die antiken Rituale von Eintauchen, Wärme und Stille neu interpretiert.

Im Borsari wird Vergangenheit nicht museal bewahrt – sie wird zeitgemäß neu gedacht. Frau Donnet empfiehlt den Gästen eine klassische Kur, um den Körper schrittweise aufheizen: 15 Minuten in der 35-Grad-Piscine, dann Temperatur steigern in den 40-Grad-Bädern, abschließend ein erfrischender Sprung in das 28-Grad-Becken. Pause einlegen und den Zyklus wiederholen. Den stilvollen Abschluss des Aufenthalts bietet ein Dinner im Restaurant Le Cercle, das mit ambitionierter Küche und ausgewählten Walliser Zutaten punktet – ein kulinarischer Spiegel der neuen Leichtigkeit, die Martigny derzeit prägt.
Ein Herz für den Schweizer Nationalhund
Martigny ist nicht nur bekannt für ihre beeindruckende römische Geschichte, sondern auch für renommierte Museen und ein lebendiges kulturelles Angebot. Neben dem Museum Fondation Pierre Gianadda ist die Stadt vor allem für das im Jahr 2025 eröffnete interaktive Museum Barryland bekannt. Der Themenpark, der von der Fondation Barry getragen wird, steht ganz im Zeichen der legendären Bernhardinern vom Großen St. Bernhard, die in der Schweiz als Naturgut gelten. Jeden Tag strömen Hunderte von Besuchern in dieses außergewöhnliche Museum. Diese Hunde live erleben zu können, zieht nicht nur Kinder in ihren Bann, sondern auch Erwachsene. In vielen Vorführungen können Gäste diese Hunderasse bestaunen und die Geschichte dieser Ikonen der Alpenregion nachvollziehen. Im dazugehörigen Café de Barry lässt sich das Erlebnis bei einem Mittagessen charmant abrunden.

Neben dem im März 2025 eröffneten Hôtel Borsari, wurde im April noch eine Jugendherberge und im Juni das Barryland eröffnet. Diese drei Neuigkeiten waren für die Kleinstadt im Wallis ein Gamechanger, sagt Fabian Claivaz, Direktor of Martigny Tourisme und der Martigny-Region. Er hofft, dass sich diese drei Attraktion positiv auf den Tourismus in Martigny in den kommenden Jahren auswirken werden.
Warum der Tourismus das Wallis prägt
Der Tourismus ist für das Wallis weit mehr als schöne Kulisse: Er gehört zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des Kantons, schafft direkt und indirekt viele Arbeitsplätze in Hotellerie, Gastronomie, Seilbahnen, Transport und Handel. Thermalorte wie Leukerbad und Saillon verteilen die Nachfrage über das ganze Jahr – vom Wellness Wochenende im Herbst über den Skiurlaub im Winter bis zur Wander- und Bike Saison im Sommer. Indem die Region auf Qualität, Gesundheitstourismus und charaktervolle Hotels setzt, stärkt sie ihre Position als alpines Rückzugsgebiet und schafft Perspektiven für die Menschen, die hier leben.

Die Recherche fand – ohne Einfluss auf die journalistische Ausarbeitung – auf Einladung / mit Unterstützung von Wallis Tourismus und den genannten Hotels statt.
Karl-Heinz Goedeckemeyer
lebt in Frankfurt am Main und ist seit 2023 für das Mortimer Reisemagazin als Autor tätig. Er verfasst Beiträge zu Destinationen, wo auch Restaurants und Hotels nicht zu kurz kommen.