Vom Teufel ausgespuckt: Der Rock of Cashel

Eigentlich gelten Städte dieser Größe eher als verschlafen und sind dafür verschrieen, nicht nur nachts die sprichwörtlichen Bürgersteine hoch zu klappen. Doch davon ist im Cashel keine Spur – ganz im Gegenteil. Fast ganzjährig herrscht hier im Süden der Grünen Insel geschäftiges Treiben. Denn die 2.800-Seelen-Gemeinde nennt ein besonderes Pfund, mit dem sie wuchern kann ihr Eigen: den Rock of Cashel. Schon von weitem ragt die Silhouette der eindrucksvollen Ruine der so genannten „irischen Akropolis“ mit ihren Türmen, Zinnen und Spitzgiebeln gen Himmel. Noch heute zeugt der mächtige Felsen in der flachen Landschaft des Countys Tipperary vom Glanz und der Macht des einstigen Königssitzes und avanciert nicht von ungefähr zu einem der größten Besuchermagneten Irlands.

Der Sage nach war der Teufel gerade dabei, eine Bissen aus den nahe gelegenen Slieve Bloom Mountains zu sich zu nehmen, als er sah, wie der heilige Patrick eine Kirche im Golden Vale baute. Darauf hin spuckte er den steinigen Leckerbissen angewidert aus. Der Felsen landete in Cashel, wo er sich 60 Meter über die Ebene erhebt.

In grauer Vorzeit soll Cashel der Schlafplatz der Feen gewesen sein. Seit dem 4. Jahrhundert war der Berg der befestigte Sitz der Eóchganachta, der Könige von Munster. Im Jahre 450 soll St. Patrick höchst selbst auf dem Felsen König Aenghus getauft haben. Während der Zeremonie soll Patrick versehentlich seinen Krummstab in den Fuß des Königs gerammt haben. Dieser biß jedoch die Zähne zusammen und ließ sich nichts anmerken, da er der Überzeugung war, dies sei ein Teil der Taufzeremonie.

Als gesichert gilt hingegen, dass sich auf dem weitläufigen Hügel etwa ab dem Jahre 980 eine Festung des Hochkönigs Brian Ború befand. Im Jahre 1101 vermachte König Murtaugh O´Brien den Felsen an die Kirche, die das Areal nach und nach bebaute. Eine gotische Kathedrale bildet seit gut 700 Jahren das Herzstück des Rock of Cashel. Der Bau des monumentalen Gotteshauses begann 1235. Im Jahre 1495 steckte Gerald, Great Earl of Kildare, das Bauwerk in Brand. Als ihn König Heinrich VIII. deswegen zur Rede stellte, soll er lapidar geantwortet haben: „Ich dachte, der Bischof wäre darin.“ Worte, die dem Machthaber aus London als Entschuldigung genügten.

Im Jahre 1647 suchten mehr als 3.000 Menschen in der Kathedrale Zuflucht vor den Truppen Cromwells. Die Angreifer stapelten Torf an der Außenwand des Gotteshauses und zündeten es an. Alle Eingeschlossenen kamen dabei ums Leben. Trotz des zwischenzeitlichen Wiederaufbaus verfiel die Kathedrale ab 1750 zusehends.

Eingebettet ist die mächtige Kirche in eine Reihe noch älterer Gebäude. Der Rundturm an der Ecke des nördlichen Querschiffs stammt wahrscheinlich aus dem 12. Jahrhundert und Cormac’s Chapel, eine gut erhaltene romanische Kapelle mit ausdrucksstarken Schnitzereien von Tier und Mensch, ist circa 100 Jahre älter als die Kathedrale selbst. Über deren Nordtür befindet sich eine wunderbare Steinskulptur, die einen Kentaur mit Helm zeigt. Dieser schießt einen Pfeil auf einen grinsenden Löwen ab, der gerade zwei kleinere Tiere unter seinen Tatzen zu zerquetschen droht. Auf dem Gelände ist auch ein zwei Meter hohes St. Patrick´s Cross aus dem 12. Jahrhundert zu finden. Dessen Sockel diente vermutlich einst als Krönungsstein und lässt beim Anblick die lange, bewegte Geschichte des beeindruckenden Berges noch einmal eindrucksvoll lebendig werden.

Allgemeine Informationen: Irland Information, Gutleutstraße 32, 60329 Frankfurt, Telefon 069-66800950, www.entdeckeirland.de

Buchtipp: Karsten-Thilo Raab: Irland und Nordirland – Auf den Spuren von Heiligen, Dichtern und Denkern, Morstadt Verlag, ISBN 978-3-88571-325-8