Nicht alles Käse im Kanton Fribourg

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Gruyère ist ein zauberhaftes, mittelalterliches Örtchen im Kanton Fribourg. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Nun, die erste Prise, die einem in Gruyère im Kanton Fribourg ins Näschen weht, kann viel naturverbundener sein, als man sich dies erhofft. Gruyère, weltweit bekannt für den gleichnamigen Käse, zählt unzählige muhende Vierfüßler als Bewohnern. Und zu Beginn der natürlichen Milchproduktion entsteht nicht die weiße, leckere und so vielseitige verwendbare Flüssigkeit. Nein, erst mal kann es passieren, dass Kuhmist geschnuppert wird.

Gruyère muss natürlich viele Kühe haben. Und diese fühlen sich unendlich wohl auf den saftigen, bunten Wiesen. Die Landschaft im Kanton Fribourg ist wie frisch gemalt aus dem Bilderbuch.

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Von ganz oben in Gruyère ergeben sich traumhafte Ausblicke. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Sanfte Hügel ziehen sich durch die Landschaft. Diese wetteifern in den Sommermonaten, welcher wohl das schönste Grün hervorzaubern kann. Etwas in der Ferne streben die Erhebungen höher hinauf und in der Ferne bauen sich die Berge hinauf bis fast zum Himmel.

Mittelalterliches Gruyère

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Ein „Muss“ ist der Besuch des staatlichen Schlosses. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Das schweizerische Traumlandschaft toppt der erste Blick vom Tal hinauf auf das mittelalterliche Gruyère. Stattliche Mauern ziehen sich dekorativ rundum das höher gelegen Städtchen. Ganz oben thront das Schloss Gruyère.

Die gut erhaltenen Stadtmauer lädt zum Erkunden ein. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Wer mag, spaziert hinauf ins Zentrum von Gruyère, dabei ergeben sich immer wieder neue Aussichten. Manch Autofahrer hat Glück und ergattert einen, der vor allem in den wärmeren Monaten heiß begehrten, Parkplätze am Ortseingang. Einfacher geht es mit dem Bus hinauf zur Haltestelle „Gruyère Ville“.

Bilderbuch Schweiz

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Auf dem Weg durch Gruyère in Richtung der Burg. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Wer Glück hat, wird vom fröhlichen Gebimmel der Glocken einer Schafherde empfangen. Direkt das erste Fotomotiv, auf dem weitere folgen werden. Entpuppt sich doch das 830 Meter hohe Gruyère als einzige schweizerische Bilderbuchinszenierung.

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Kleine Läden laden in zum Andenken einkaufen ein. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Die autofreien Gassen mit Kopfsteinpflaster und dem kleinen Brunnen in der Mitte lassen einen langsam in die mittelalterliche Atmosphäre eintauchen. Gruyères fühlt sich an wie ein Ort, an dem die Zeit ein wenig langsamer vergeht. Ein Ort voller Geschichte, Geschmack und Atmosphäre – und zurecht eines der „Best Tourism Villages“ der Schweiz.

Ohne Fondue geht´s gar nicht

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Das Le Chalet de Gruyère ist bekannt für sein hervorragendes Fondue. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Und was sollte in dieser Kulisse auf jeden Fall genüsslich schnabuliert werden? Ein echtes Schweizer Käsefondue. Jérémy Mettraux, der hier aus der traumhaft schönen Gegend stammt und mit Herz und Begeisterung seine Heimat den Besuchern naherbringen möchte, erzähl: „das ist nicht übertrieben, aber ich esse mindestens einmal in der Woche Fondue,“ also nichts mit reiner Inszenierung für die Touristen.

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Einfach nur lecker, ein traditionelles Fondue, am besten im Freundeskreis. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Kulinarisch zeigt sich Gruyères sowieso von seiner köstlichsten Seite: Ob Fondue, Rösti, Älplermagronen oder Meringues mit üppigem Doppelrahm – all die typischen Spezialitäten der Region warten in den einladenden Restaurants auf Genießer.

Entdeckungen hinter jeder Ecke

Teile der Stadtmauer bieten eine wunderschöne Aussicht. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Das Schloss Gruyère aus dem 13. Jahrhundert, erhebt sich majestätisch über dem Örtchen. Beim Rundgang durch die historischen Räume reist man durch acht Jahrhunderte voller Kunst, Geschichten und Mythen. Zu den Höhepunkten zählen kunstvollen Glasmalereien, reich verzierten Wanddekorationen und der beeindruckende Rittersaal.

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In Gruyère ist auch das H. R.-Giger-Museum zu finden. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Nur ein paar Schritte weiter unten im Ort betritt man eine völlig neue Dimension: Im H. R.-Giger-Museum gleitet man hinein in die geheimnisvollen, surrealen Welten des „Alien“-Künstlers – ein eindrucksvoller Gegenpol zur friedlichen Postkartenkulisse.

Käse in seiner schönsten Form

Ein Besuch in Moléson-sur-Gruyères bei der Käserei von François Kolly lohnt allemal. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Quasi um die Ecke liegt in Moléson-sur-Gruyères die Käserei von François Kolly. Und hier wird die hohe Kunst der Käserei zelebriert wie vor Hunderten von Jahren. Schon von weitem zeigen die hellgrauen Rauchwölkchen, die aus dem uralten, traditionellen Holzhaus aufsteigen, den richtigen Weg.

Echte Schwerarbeit für den köstlichen Käse. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Ein kurzes Stückchen bergauf, um wenigstens ein bisschen Alp-Feeling zu bekommen und rein geht es in die Käserei. Würziger Geruch nach frischem, knisterndem Feuer und zart schmelzendem Käse vermischt sich zu einem ganz ungewöhnlichem Geruchserlebnis, und dies schon seit 1684.

Käsige Schwerstarbeit

Nur selten gewährt François Kolly einen Blick in sein Käselager. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Beeindruckend wie François Kolly sein Tagewerk hochkonzentriert vollbringt. Muss doch Tag für Tag die Milch seiner 50 Kühe sofort verarbeitet werden. Sprich: je nach Milchmenge seiner Kühe zwei von den riesigen Kupferkesseln. Um genauer zu sein zweimal 350 Liter Milch für je 35 kg Käse. Schnell wird klar, François Kolly braucht kein Fitnessstudio.

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Appetitanregender Duft liegt in der Luft im vollen Lagerraum. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

François erzählt mit Stolz, „mein Käse ist so außergewöhnlich gut, weil es hier so viele leckere Blumen auf den Wiesen gibt, die meine Kühe zum fressen gernhaben. Denn der Geschmack von Käse kommt von dem was die Kühe gegessen haben.“

Feurige Tradition

Damit der Käse gelingt, muss François Kolly schnell arbeiten. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Echter Alpkäse ist es eben, was dann aus der vollmundigen Milch gezaubert wird. Heißt, nur wenn der Käse mit echtem Holzfeuer produziert wird, darf er dieses Qualitätsmerkmal tragen. Nur natürliche Zutaten garantieren den hervorragenden Geschmack. Auch das wichtige Lab ist reinen, natürlichen Ursprungs.

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Auch die traditionelle Alplerkleidung ist in der Käserei zu bewundern. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Selbst beim Zuschauen der knochenharten Arbeit fängt irgendwann einmal der Magen an, sich knurrend zu melden. Kein Problem, das kleine, schnuckelige Restaurant lädt zur Verkostung ein. Oder der Käse wird für eine spätere deftige Brotzeit gekauft. Und nur zum Sessionsende kann es vielleicht sein, dass François einen Blick in seine persönliche Schatzkammer gestattet: der Keller in denen das runde, wohlriechende gelbe Gold, sein Käse lagert.

Nicht ganz bis zur Milchstraße

Bequemer „Aufstieg“ zum Moléson mit der Bahn. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Fußläufig vom Käser François Koll lockt eine Verführung der anderen Art. In nur wenigen Minuten befördert die Bergbahn Wanderer, Skifahrer und Fernblicker zum Gipfel des Moléson und dies ganz ohne Schaffner. Elegant gleitet die Bahn durch die schweizerische Landschaft.

Augen auf: nette Details in der Bahngondel. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Ganz oben – wenn die Sicht nicht aussieht wie eine Milchsuppe – eröffnet sich ein grandioser 360 Grad Panoramablick über die gesamte französischsprachige Region der Schweiz und sogar über die Berner Alpen und den Mont Blanc.

Milch in seiner süßesten Form

Essbare Göttergeschenke in der Maison Cailler in Broc. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Unten im Tal, genauer in Broc findet sich ein ganz anderes Gewerk, das eine Leckerei aus dem weißen Quell der zufriedenen Kühe im Kanton Fribourg zaubert. Das Maison Cailler fühlt sich an wie ein kleines Schokoladenabenteuer für Groß und Klein: Während einer etwa einstündigen Tour wandert man von den alten Kakaozeremonien der Azteken bis hin zur heutigen Herstellungstechnik. Mit Düften, Klängen und interaktiven Stationen wird die Geschichte der Schokolade so lebendig, dass man förmlich darin versinkt.

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Nicht nur zum Naschen verführt, gerne werden Mitbringsel eingekauft. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Das Maison Cailler hat seit ihrer Gründung im Jahre 1819 so einige Höhen und Tiefen durchstanden. Immerhin gab es immer den süßen Seelentröster. Vielleicht ist auch dies der Grund, warum es noch heute die verschiedenen, köstlichen Sorten auf dem Markt gibt. Und der Höhepunkt? Am Ende lädt eine üppige Degustation dazu ein, sich durch die verschiedenen Cailler‑Kreationen zu kosten. Ein Museum, das man nicht nur erlebt, sondern genussvoll verkostet. Weitere Informationen unter www.myswitzerland.com, www.help.myswitzerland.com und www.fribourg.ch

Tipps und Informationen

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Mit dem Swiss Travel Pass entspannt durch die ganze Schweiz reisen. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Tipps für die Anreise

Entspanntes Anreisen mit dem Swiss Travel Pass des Swiss Travel System (STS) für unbegrenztes Reisen mit Bahn, Bus und Schiff durch die Schweiz plus Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel in 90 Städten. Zusätzlich noch freier Eintritt in über 500 Museen, Bergausflüge: Rigi, Stanserhorn und Stoos sowie bis zu 50 Prozent Rabatt auf weitere Bergausflüge. Weitere Informationen unter www.sbb.ch.

Mit SWISS gut ankommen. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Swiss International Air Lines (SWISS) bindet die Schweiz mit Direktverbindungen ab den Landesflughäfen Zürich und Genf an Europa und die Welt an. Dafür setzt die Fluggesellschaft eine der modernsten und CO2-effizientesten Flotten Europas ein. Weitere Informationen unter www.swiss.com  

Restauranttipps

Das Le Chalet de Gruyère ist berühmt für sein traditionelles Käsefondue. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

In Gruyère lässt es sich vorzüglich und richtig traditionell ein leckeres Käsefondue genießen. Weit über die Grenzen hinaus ist das Restaurant Le Chalet de Gruyère bekannt. Weitere Informationen unter www.gruyereshotels.ch     

Das Restaurant L´Aigle Noir überzeugt mit hervorragendem Essen und einer spektakulären Aussicht. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

In Fribourg befindet sich das Restaurant L´Aigle Noir. Mit sagenhaftem Blick auf das alte Fribourg und sehr leckerem Essen auf Sterneniveau, aber mit richtigen Älplerportionen, den Tag ausklingen lassen. 

Eine tolle Kombination: Schweinefilets mit Sesam kurz angebraten, Kokosmilch-Koriander-Sauce, frische Tagliatelle mit Olivenöl, gedünsteter Spaghettikürbis mit Ingwer und als Extra Büscheli-Biire im Restaurant L´Aigle Noir. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Alle Gerichte haben ihren individuellen Charme und da fällt die Auswahl durchaus schwer. Reservierung unbedingt empfohlen, vor allem für den Wintergartenbereich. Weitere Informationen unter www.aiglenoir.ch  

Eine Versuchung wert sind die Rösti im Café des Arcades. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin

Für die kleine oder große Stärkung zwischendurch bietet sich im Zentrum von Fribourg das ungezwungene Café des Arcades an. Die Rösti und auch die anderen Gerichte sind auf jeden Fall sehr zu empfehlen. Weitere Informationen unter www.cafedesarcades.ch 


Die Recherchereise fand – ohne Einfluss auf die journalistische Ausarbeitung – auf Einladung / mit Unterstützung von Schweiz Tourismus und Fribourg Tourismus statt.

Susanne Timmann

lebt im Rheinland, ist aber in der Welt zuhause. Seit 2022 fungiert sie als stellvertretende Chefredakteurin des Mortimer Reisemagazins, für das sie Beiträge in Wort und (Bewegt-) Bild über Destinationen weltweit verfasst.