Sakura und Samurai in Yamaguchi

Yamaguchi
Die fünfstöckigen Pagode des Rurikō-ji-Tempels gilt als eine der schönsten in ganz Japan. – Foto: Setouchi DMO

Kirschblüten und Samurai – kaum zwei Symbole prägen das Japanbild der Welt stärker. In der Präfektur Yamaguchi, im Westen der Setouchi-Region, lässt sich beides eindrücklich erleben. Hier erwarten Besucher neben dem Erbe des alten Kriegeradels und der saisonalen Kirschblütenpracht einige der berühmtesten Wahrzeichen des Landes, feinste Keramikkunst und Fugu – der Inbegriff kulinarischer Abenteuerlust.

Kirschblüten in voller Pracht

Yamaguchi
Die Kintai-Brücke gilt als eine der “Nihon Sanmeikyō” – Japans schönsten drei Brücken. – Foto: Setouchi DMO

Die beste Reisezeit nach Yamaguchi ist im Frühling, wenn Japans Kirschbäume erblühen und das Land in Weiß und Rosa tauchen. Besonders stimmungsvoll erlebt man Hanami – die traditionelle Blütenschau – rund um die ikonische Kintai-Brücke in Iwakuni, wo sich die geschwungenen Holzarkaden über den Fluss Nishiki spannen. Rund 450 Kirschbäume blühen im Frühling am Hōfu Tenman-gū, dem ältesten Tenjin-Schrein Japans, und schaffen eine idyllische Szenerie in ruhiger Tempelatmosphäre

Ein weiteres Highlight ist der buddhistische Rurikō-ji-Tempel in Yamaguchi-Stadt, der in Japan offiziell als nationaler Kulturschatz geführt wird. Seine fünfstöckige Pagode gilt als eine der schönsten des Landes und zeigt sich inmitten blühender Kirschbäume besonders malerisch. Viele dieser Orte offenbaren die Symbolik der Sakura, die die Samurai als Ausdruck von Vergänglichkeit sahen.

Auf den Spuren der Samurai

Die imposante Akiyoshidō-Höhle im Norden Yamaguchis zählt zu den längsten Tropfsteinhöhlen Japans. – Foto: Toshiko Sakurai

Yamaguchi gilt auch als Hüterin des Samurai-Erbes, vor allem Hagi, die historische Burgstadt am Japanischen Meer. Die gut erhaltenen Samurai-Residenzen, weißen Lehmmauern und gepflasterten Gassen wirken wie ein Freiluftmuseum und wurden 2015 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Hier wandelte man nicht nur auf dem „Pfad der Krieger“, sondern legte mit der Shōka-Sonjuku-Schule auch den Grundstein für die sogenannte Meiji-Restauration – dem Wandel hin zur Modernisierung des Landes.

Töpferkunst mit Seele

Wunderbar wandelbar Hagi Yaki. – Foto: Hagi Tourism Association

Hagi ist nicht nur die Wiege des soziopolitischen Umbruchs, sondern auch berühmt für Keramikkunst: Hagi-yaki. Das Teegeschirr mit Craquelé-Glasur zählt zu den edelsten, wenn auch nicht günstigsten feinhandwerklichen Souvenirs, die man hier erstehen kann. Jedes Stück ist ein Unikat, das mit jedem Aufguss sein Erscheinungsbild ändert. Gerbstoffe des Tees setzen sich in den Rissen ab und färben sie nach. Dieser “Reife”-Prozess, Nanabake („sieben Verwandlungen“), steht sinnbildlich für die Philosophie des Wabi-Sabi, die die Schönheit des Unvollkommenen und Vergänglichen feiert.

Fugu: Mut zum Genuss

Berüchtigt-legendärer Fisch: Shimonoseki im Westen Yamaguchis ist Japans Fugu Capital. – Foto: Setouchi DMO

Shimonoseki im Westen Yamaguchis gilt als Japans Fugu-Hauptstadt, jenes legendären Kugelfisches, der ebenso berühmt wie berüchtigt ist. Nur lizenzierte Köche dürfen den König der japanischen Küche zubereiten – mit äußerster Präzision, denn ein falscher Schnitt ist unverzeihlich. Doch Kenner schwärmen vom zarten, fast süßlichen Aroma des Fisches, der in Form von Sashimi, Hotpot oder frittiert serviert wird.

Wer Fugu lieber auf andere Weise “genießen” mag, besucht das das 2025 renovierte Shimonoseki City Aquarium Kaikyōkan. Es beheimatet über 100 Kugelfischarten – die größte Sammlung dieser Art weltweit. Hier begegnet man Spezien aus allen Teilen der Erde, vom seltenen Tiger-Kugelfisch bis zum Mondfisch, der ebenfalls zur Familie der Kugelfische zählt.

Paradies für Outdoorfans

Am Motonosumi-Schrein treffen Glaube und Natur aufeinander: 123 leuchtend rote Torii-Tore führen zur rauen Küste von Nagato. – Foto: Toshiko Sakurai

Abseits von Kultur und Kulinarik ist Yamaguchi ein echter Geheimtipp für Naturfreunde. Der Akiyoshidai Quasi-National Park umfasst Japans größte Karstlandschaft und wirkt mit ihren Hügeln, Kalksteinformationen und unterirdischen Höhlen wie von einem anderen Stern. Die darunterliegende Akiyoshidō-Höhle zählt zu den längsten Tropfsteinhöhlen des Landes und lässt sich auf ausgebauten Pfaden durchwandern.

Auch lohnt ein Besuch der Insel Tsunoshima, die über eine imposante Brücke mit dem Festland verbunden ist. Mit einer Gesamtlänge von 1.780 Metern ist die Tsunoshima Bridge einer der längsten mautfreien Verkehrswege des Landes und eine von vielen spektakulären, teils rekordverdächtigen Brücken in der Setouchi-Region. Das Zusammenspiel aus türkisblauem Wasser, weißen Sandstränden und dem markanten Tsunoshima-Leuchtturm verleiht der Insel ein Südseeflair. Sie ist ein beliebtes Ausflugsziel – besonders bei Radfahrern.

Ein Stück authentisches Japan

Wer auf der Suche nach spiritueller Erfüllung ist oder nur nach beeindruckenden Insta-Kulissen, wird nahe der Küstenstadt Nagato fündig. Genauer gesagt am Motonosumi-Schrein. Hier führen 123 leuchtend rote Torii-Tore den Hang hinab zum Meer und bilden einen fotogenen Kontrast zur wilden Brandung des Japanischen Meeres. Der Shintō-Schrein soll 1955 von einem örtlichen Fischer gegründet worden sein, der in einem Traum eine göttliche Botschaft erhielt und gilt heute als Ort für Wünsche in Sachen Glück, Gesundheit und Liebe – vorausgesetzt, man trifft mit einer Münze das Opferkästchen auf dem obersten Torii.

Yamaguchi vereint eindrucksvolle Naturlandschaften und weltberühmte Wahrzeichen mit einer reichen Geschichte und lebendigen lokalen Kultur. Ein Frühling im Westen Setouchis ist weit mehr als nur ein Fest für die Augen – er ist eine stille, nachhaltige Begegnung mit dem authentischen Japan, fernab seiner hyperurbanen Seite. Weitere Informationen unter www.setouchitourism.or.jp

Mortimer

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