Von 28. Januar 2020 Mehr →

Unhygienische Hotel-Unsitte: Klopapier zu falten

Klopapier

Liebe verpacktes Klopapier, als zuvor gefaltetes. Foto Karsten-Thilo Raab

So unterschiedlich wie Hotels selber sind auch deren Toilettenausstattung. Wie die Zimmer sind auch die meist gekachelten Nasszellen mit ihren WCs und Waschbecken ganz verschieden ausgestaltet. Zum Standard vieler Hotels – insbesondere in den gehobeneren Kategorien – gehören bereitgestellte Shampoos, Duschgels und zahlreiche anderer Toilettenartikel. Nicht selten werden auch Badelatschen und Bademäntel vorgehalten. Nette Annehmlichkeiten, die von den meisten Gästen überaus geschätzt werden. Mitunter sogar so sehr, dass Shampoos, Nagelfeilen und Nähzeug gerne vor der Abreise schnell noch in den Koffer gestopft werden. Kleine Andenken zu vermeintlichen Nulltarif. Dabei haben die Hotelbetreiber dies durchaus im Preis mit einkalkuliert.

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Das an der Spitze gefaltete Klopapier sieht weder hübsch uas, noch ist es sonderlich hygienisch. – Foto Karsten-Thilo Raab

Für weniger Begeisterung sorgt unterdessen das Toilettenpapier. Dabei geht es weniger um die Zahl der einzelnen Lagen oder die Oberflächenbeschaffenheit, die bekanntlich variieren können. Vielmehr geht es um die Tatsache, dass sich das Reinigungspersonal in vielen Hotels dazu berufen fühlt, in das Ende der Klorolle mehr oder weniger symmetrische Ecken zu falten. Bleibt allein die Frage: warum? Garantiert so eine Kunstspitze mehr Wischkomfort? Ermöglicht das Dreieck Gesäßteile zu säubern, die sonst nicht erreicht werden können? Dient die gefaltete Spitze als eine Art verstärkter Griff? Oder will das Personal dem Gast dezent sagen: „Ich bin spitz auf Dich!“ oder „Ich finde eigentlich alle Gäste spitze“?

Bei der optischen gestaöltung von Urinalen sind die Hoteliers deutlich kreativer. – Foto Karsten-Thilo Raab

Fest steht, alter Falter, die Papiermasche kommt nur bedingt an. Zumindest bei mir. Ich möchte, ganz ehrlich, meinen Gluteus maximus nicht mit einem Stück Papier reinigen, dass jemand vorher genüsslich gefaltet hat. Womöglich noch, ohne die Hände zu waschen, nachdem vorher schnell das Klo geputzt wurde. Es käme ja auch niemand auf die Idee, ein gebrauchtes Taschentuch zu benutzen, um die Nase zu säubern.

Mancherorts wird das Toilettenthema mit einer Spur Humor angegangen. – Foto Karsten-Thilo Raab

Oder ist das gefaltete Papier vielleicht nur ein Signal für das Personal? Ist die Spitze unversehrt, wurde die Toilette zumindest für ein größeres Geschäft nicht benutzt und muss gar nicht erst gereinigt werden. Ist die Spitze weg, könnte jemand das Papier genutzt haben, um sich abzuschminken, etwas aufzuwischen oder die Brille zu putzen. Schlimmer noch, der Gäste könnte sich tatsächlich über der Keramikschüssel erleichtert haben. Dann würde der putzige Zimmerservice umgehend zur Tat schreiten, feudeln, wischen, reinigen, um anschließend sofort wieder das Klopapier fein säuberlich zu falten.

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Warum die Papierspitze gefaltet wird, erschließt sich kaum. – Foto Karsten-Thilo Raab

Wie also macht man dem Personal, dessen Sprache der geneigte Gast je nach Destination kaum mächtig ist, begreiflich, dass man lieber jungfräulich unbenutztes Klopapier hätte? Oder kommt es noch so weit, dass – wie auf einigen Campingplätzen – jeder Gast mit einer eigenen Rolle Toilettenpapier im Handgepäck anreist? Und warum werden die Enden des Klopapiers immer nur mit Dreiecken versehen? Wird in den Hotelfachschulen nichts anderes gelehrt? Müsste der Lehrplan in punkto Falttechnik eventuell erweitert werden? Oder hat das Reinigungspersonal künstlerisch einfach nicht mehr drauf? Da muss doch mehr gehen. Wenn Handtücher auf dem Bett drapiert werden, gelingt es doch auch Schwäne, Herzchen oder andere Formen aus dem Frottee zu zaubern. Und wenn das Papier schon begrabscht werden muss, dann bitte richtig. Eine Papierrose kann doch nicht so schwer sein.

Buchtipp: Karsten-Thilo Raab, Ulrike Katrin Peters: How to shit in the woods (ISBN 978-3-86686-476-4). Erhältlich ist der launige Ratgeber im Buchhandel oder direkt beim Conrad Stein Verlag.

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