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Von 27. März 2018 Mehr →

Heimat der Fluss-Pferde an Amazonas + Orinoko

Mitunter gibt es in Brasilien noch Panoramen aus tiefer Vergangenheit wie hier in Cotijuba. (Foto Roland Hanewald)

Olé, o cangaceiro – wir reiten durch die Nacht…„, so lautete einst in den fünfziger Jahren ein hierzulande populärer Schlager, der das freie Banditentum im fernen Brasilien verherrlichte, das seinerzeit mangels Motorisierung zu Pferde stattfinden musste.

Sechs Millionen Pferde in Brasilien

Fluss-Pferde

Die Wildpferde im Canaima leben in völliger Freiheit und sind entsprechend scheu. (Foto Roland Hanewald)

Von den cangaceiros ist in dem seither aufstrebenden Land wenig übrig geblieben, von ihren Pferden auch nicht. Zwar hat der Pferdesport in Brasilien einen hohen Stellenwert und ist von einer über die Grenzen des Landes hinaus bekannten Qualität. Auf den Großfarmen Brasiliens hat das Pferd jedoch der Mechanisierung weichen müssen. Nur in kleineren Siedlungen nimmt seine Zahl wegen der Rodung und Urbarmachung von Dschungelgebieten eher wieder zu. Für ganz Brasilien rechnet man mit etwa sechs Millionen Pferden; es ist halt ein Riesenland. Manche von ihnen sind jedoch nur in speziellen Nischen zu Hause, wo sie ihrem Umfeld angepasste Aufgaben erfüllen. Zu dieser Minderheit gehören die Fluss-Pferde.

Pferde in speziellen Funktionen

Ein Bad tut gut bei der Hitze, aber ein Wächter ist wünschenswert. (Foto Roland Hanewald)

Im Bereich des Amazonas und nach Venezuela hinein in Richtung Orinoko wird man, was Pferde mit besonderen Funktionen angeht, am ehesten fündig. Die riesigen von diesen Flüssen erfassten Gebiete weisen häufig Topografien auf, in denen schwere Maschinen nach Martin Luthers Motto „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ im Matsch versinken würden. Der Spiegel des gewaltigen Amazonas, der sechzig Mal so viel Wasser wie der Nil führt, wächst in der Regenzeit (bei Manaus, 1.700 Kilometer mitten im Land) um 15 Meter an und überschwemmt ganze Provinzen. Wer wollte da noch Ackerbau betreiben? So wird das Pferd dort unter anderem dazu herangezogen, Touristen auf seinem Rücken zu befördern, malerische Kaleschen zu ziehen, oder auch nur, um seinen Besitzer zu erfreuen, sozusagen als Haustier.

Frühe Anfänge

Ein Sonnenschirm kann beim Ausritt am Amazonas nie schaden. (Foto Roland Hanewald)

Die Metropole Belém an der Mündung des Amazonas hat sogar ein Pferd im Stadtwappen, darauf hindeutend, dass man sich früher, Belém gibt es immerhin schon seit 1515, intensiv mit der Züchtung befasste. Das ist gar nicht so „normal“, wie es den zeitgemäßen Anschein hat, denn im Bereich des Riesenstroms bewegte sich, damals wie heute, fast alles nur per Schiff. Ein Pferd ist in der allgegenwärtigen urbanen Betonwüste zwar nicht mehr zu sehen. Aber schon ein Stückchen gegenüber, auf dem autofreien Ferien-Eiland Cotijuba mit schönen Stränden, ziehen Pferde urige Karossen und werden zur Futtersuche halbwild sich selbst überlassen. Und auf der riesengroßen Flussinsel Marajao, zur Gänze naturgeschützt, reiten Touristen mit ihnen in die prächtige Natur des Deltas.

Nach Norden immer abenteuerlicher

Überall im Bereich der Tepuis (im Hintergrund) rauscht Wasser. (Foto Roland Hanewald)

Überall entlang des Amazonas und seiner an die zehntausend zählenden Nebenflüssen, auch diese von gewaltigen Dimensionen, führen die Rösser eine fast amphibische Existenz, man kann sie deshalb getrost „Fluss-Pferde“ nennen. Das Wasser ist immer da und immer nah. Als Getränk geht es nie aus, und bei den knalligen äquatorialen Temperaturen mit oft über 40 Grad Celsius nimmt man auch gern mal ein Bad, jemand wird schon aufpassen, dass keine Piranhas, Kaimane oder Anakondas zugegen sind. Immerhin gibt es ja Cowboys.

Die Ebenen Nordbrasiliens sind ein Paradies für Pferde. (Roland Hanewald)

Im Bundesstaat Roraima sind sie auf dem Gestüt Cunha Pucâ sogar bei diversen touristischen Programmen zugegen. Liebhaber urwüchsiger Rösser werden sich dort allerdings auch recht fehl am Platze fühlen. Da ist man jenseits der Grenze im venezolanischen Canaima-Nationalpark, viertgrößter der Erde, schon besser aufgehoben. Die dortigen bis zu 3.000 Meter hohen Tafelberge („Tepuis“) zählen zu den ältesten der Erdgeschichte, und sie stehen in einer archaischen Umwelt, wie sie faszinierender nicht sein könnte.

Gesattelte Fluss-Pferde

Der Stolz ist dem Eigentümer anzusehen. (Foto Roland Hanewald)

Hier bieten Veranstalter (in Boavista/Brasilien und Santa Elena/Venezuela) abenteuerliche Satteltouren an, die, wie anders, mal wieder auf „Fluss-Pferden“ stattfinden. Denn das Einzugsgebiet des Orinoko, das hier bereits beginnt, ist ein einziges Netzwerk großer und kleiner Flüsse. Mit Glück bekommt man auf solchen Expeditionen auch Wildpferde zu sehen, die in den Ebenen zwischen den Bergen völlige Freiheit genießen und wunderschön anzuschauen sind – wenn die scheuen Tiere denn mal ins Blickfeld geraten, was selten genug vorkommt.

Quo vadis, equus? Am Amazonas stehen viele Schiffe zur Wahl. (Foto Roland Hanewald)

Also alles voller Pferde zwischen Belém und dem Orinoko? Eher weniger, man muss schon scharf nach ihnen Ausschau halten, denn das filzige Gelände gewährt kaum Einblicke. Oder man fragt sich halt zu ihnen durch. Das sollte aber in einigermaßen flüssigem (brasilianischem) Portugiesisch geschehen, denn kaum jemand dortzulande spricht auch nur ein Wort einer anderen Sprache.

Die Insel Cotijuba ist autofrei, das Pferd dominiert die Szene. (Foto Roland Hanewald)

Archiviert unter Topthema, Amerika, Brasilien, Venezuela