Das barocke Dresden legt sein Festkleid an

Barocker Traum an der Elbe: Dresden (Foto Dittrich)
Barocker Traum an der Elbe: Dresden (Foto Dittrich)

Pferdekutschen rumpeln über staubige Straßen. Eine bunte Szene mit Männern in Filzkappen und Damen, die beim Gehen auf ihre bodenlangen Kleider achten, -bietet sich dem Auge. Dazwischen laufen Hunde, Schweine und Hühner durch die Gassen. Ein Marktschreier hält seine Waren im Bauchladen feil. So mag es im mittelalterlichen Dresden an einem Markttag ausgesehen haben.

In dieser Zeit, im Jahr 1216, wurde im Herzen der Stadt eine Institution gegründet: der Kreuzchor. Der Knabenchor ist mittlerweile einer der renommiertesten und berühmtesten weltweit. Und noch heute gestaltet der Chor die Gottesdienste und Vespern in der Dresdner Kreuzkirche am Altmarkt mit.

Denkmal des Goldenen Reiters und die Frauenkirche. (Foto Dresden Information GmbH)
Denkmal des Goldenen Reiters und die Frauenkirche. (Foto Dresden Information GmbH)

Darüber hinaus ist der Chor ein wichtiger Botschafter für Dresden als hochkarätige Kulturmetropole in aller Welt. 2016 geben die Kruzianer rund 300 Konzerte im In- und Ausland, um ihr Jubiläum zu feiern. Japan, China, Südkorea und Italien sind nur einige der Destinationen, die auf dem Programm stehen. Seit 1997 ist der Münchener Roderich Kreile Kreuzkantor. Unter seiner Leitung entstanden bereits etliche CD-Aufnahmen mit den Kruzianern.

Klar, dass Dresden das 800-jährige Jubiläum ausgiebig würdigt: Vom 15. bis 24. April findet eine Kreuzchor-Festwoche mit mehreren musikalischen Highlights statt: Am 15. April steigt das große Jubiläumsbürgerfest im Dresdner Rathaus. Und am 23. April steht Beethovens „Missa Solemnis“ in der Kreuzkirche auf dem Programm. Das Freiburger Barockorchester unterstützt den Chor bei der weltberühmten Messe. Unter den Zuhörern wird an diesem Tag auch Bundespräsident Joachim Gauck sein.

timmgewaltiger Botschafter Dresdens seit 1216: der Kreuzchor. (Foto Matthias Krüger)
timmgewaltiger Botschafter Dresdens seit 1216: der Kreuzchor. (Foto Matthias Krüger)

Ein weiterer kurzer Abstecher ins Mittelalter: Im Januar 1216 wurde Dresden in einer Urkunde erstmals schriftlich erwähnt. Darin heißt es: „In civitate nostra Dresden“. Das Schriftstück ist das älteste heute bekannte, in dem Dresden als Ort mit eigener Stadtverwaltung und Stadtrecht anerkannt wird.

Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt und das Jubiläum des Kreuzchores sind aber nicht die einzigen großen Festivitäten, die die Dresdner 2016 feiern. Vor allem im Frühling und Sommer hüllt sich das ohnehin prächtige Elbflorenz in ein festliches (Kultur)-Gewand. Geboten werden Events unterschiedlichster Stilrichtungen. So festigt die Stadt nonchalant ihren Ruf als fortschrittliche Weltmetropole in Sachen Kunst, Kultur und Freizeit.

Dresden, Dampferparade 2011, Terrassenufer, Br¸hlsche Terrasse, Elbeschifffahrt, Dampfer,
Dresden, Dampferparade 2011, Terrassenufer, Br¸hlsche Terrasse, Elbeschifffahrt, Dampfer,

Diesen Sommer beispielsweise wird die Idee der Sächsischen Dampfschifffahrt 180 Jahre alt: Zwölf Dresdner erhielten im Juli 1836 vom damaligen König Friedrich II. von Sachsen das alleinige Privileg, eine Dampfschifffahrts-Gesellschaft für die Stadtbewohner zu gründen. Gesagt, getan. Ein Jahr später ging der erste Raddampfer in Betrieb. Die Jungfernfahrt führte nach Meißen. Die Dresdner Flotte ist mit ihren neun Raddampfern die älteste weltweit.

Immer einen Besuch wert: die Eisenbahnausstellung im Verkehrsmuseum. (Foto Dresden Information GmbH)
Immer einen Besuch wert: die Eisenbahnausstellung
im Verkehrsmuseum. (Foto Dresden Information GmbH)

Ein glanzvolles Spektaktel auf der Elbe findet jedes Jahr zum Saisonstart am ersten Mai statt: Alle historischen Raddampfer und die beiden Salonschiffe fahren dann geschmückt und mit Live-Musik an Bord in Richtung Pillnitz. Jährlich versammeln sich Tausende Menschen auf den Elbterrassen, um die Dampfer nach der Winterpause willkommen zu heißen.

Ein baulicher Neuzugang für Kreativität und Kunst ist das Kraftwerk Mitte. Denn die Stadt investiert seit geraumer Zeit in neue bauliche Projekte, um die Kunst zu unterstützen. Auf dem Gelände des ehemaligen Heizkraftwerkes entsteht derzeit der neue Gebäudekomplex – eine Komposition aus denkmalgeschützten Häusern und Neubauten.

Im August 2016 soll das Zentrum fertig sein. Es wird der Staatsoperette Dresden und dem tjg. theater junge generation ein neues Zuhause bieten.

Die beiden Kultureinrichtungen hatten bisher ihre Spielorte am Stadtrand in unzureichend ausgestatteten Räumlichkeiten. Mit dem Bau des Kraftwerk Mitte heißt die Stadtverwaltung eine weitere Facette der Kultur nun in der Altstadt willkommen. Im Dezember 2016 werden dort die ersten Premieren zu sehen sein. Proberäume, Ateliers, Galerien, Büros und Cafés runden das Kultur-Angebot ab.

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Prächtig anzusehen: Skulpturen Im Zwinger. (Foto Dresden Information GmbH)

Ein weiteres großes Bauprojekt wird 2017 fertiggestellt: Dann öffnet der komplett umgebaute Kulturpalast an der Elbe als neuer Philharmonie-Konzertsaal seine Pforten.

Wer nicht so lange auf hochkarätige Konzerte verzichten möchte, findet in Dresden trotzdem eine riesige Auswahl. Quasi das gesamte Jahr über finden in der sächsischen Landeshauptstadt Festivals für jeden Musikgeschmack statt. Vom 5. Mai bis 5. Juni sind bei den Dresdner Musikfeststpielen Orchester, Solo-Künstler und Ensembles aus dem Bereich der Klassik zu Gast. Die Konzerte finden in ganz Dresden statt. Frauenkirche, Schloss Pillnitz und Schloss Wackerbarth sind nur drei der Spielstätten.

Dresdens berühmter Musentempel: die Semperoper. (Foto Dresden Information GmbH)
Dresdens berühmter Musentempel: die Semperoper. (Foto Dresden Information GmbH)

Und beim internationalen Dixieland-Festival vom 15. bis 22. Mai verwandeln sich unter anderem die Straßen-bahn, der Zoo und Teile der Altstadt in eine riesige Dixie-Bühne mit Combos aus aller Welt.

Das extravaganteste unter den Events ist wahrscheinlich die „Bunte Republik Neustadt“ vom 17. bis 19. Juni. Das schillernde Stadtteilfest im Szene-viertel bietet einen Mix aus Kunst, Musik, Life-style und Gastronomie.

Eines der stimmungsvollsten Open-Airs ist das Elbhangfest „Come together“ vom 24. bis 26. Juni. Währenddessen öffnen Villenbesitzer an der Elbe ihre Gärten und Ateliers für Besucher, um zusammen mit öffentlichen -Bühnen am Elbufer eine über sieben Kilometer lange Bühne zu erschaffen. Der Mix aus privater Gastfreundschaft und öffentlichem Raum macht dieses Fest zu etwas ganz Besonderem .

Beliebter Treffpunkt: der Biergarten am Blauen Wunder am Ufer der Elbe. (Foto Dresden Information GmbH)

Einen Jubilar gibt es noch zu feiern – im Jahr 2016 – den jüngsten in Dresden. Die Felsenbühne Rathen vor den Toren Dresdens in der Sächsischen Schweiz wird 80. Zu erleben sind hier Werke wie Carl Orffs Carmina Burana, aber auch Romantisches – wie das Märchen Aschenbrödel.

Informationen: www.dresden.de

Dresden, Neustadt, Milit‰rhistorisches Museum, Armeemuseum, Bundeswehr, Libeskindbau, Daniel Libeskind,
Dresden, Neustadt, Milit‰rhistorisches Museum, Armeemuseum, Bundeswehr, Libeskindbau, Daniel Libeskind,

Sehenswert: 
Eine „Geschichtsstunde“ im Sophienkeller im Taschenberg­palais mit August dem Starken und Gräfin Cosel in Originalkostümen. Dazu gibt es leckere Dresdner Spezialitäten; Pfunds Milchladen („der schönste Milchladen der Welt“) mit Restaurant und Shop in der Bautzner Straße. Das Barockschloss Moritzburg vor den Toren Dresdens ansehen.

Essen & Trinken: 
Ein beliebtes Gericht ist deftiger, sächsischer Speckkuchen.
Nachmittags isst man Quark­gäulsche (Quarkgebäck) mit Pflaumensauce oder Eierschecke mit Vanillecreme.