Von 20. Januar 2014 Mehr →

Wal-Mehl macht es möglich: Schlückchenweise mit isländischem Bier zum Wikinger mutieren

Der Finnwal dient - einmal zu Mehl verarbeitet - den Isländern als Zutat für ein neues Bier. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Der Finnwal dient – einmal zu Mehl verarbeitet – den Isländern als Zutat für ein neues Bier. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Politikmuffel wissen, egal wie oft wir zur „Wal“ gebeten werden, am Ende bleibt die „Hai-Society“ obenauf. Keine Wahl hat hingegen oft der Wal – zumindest dann nicht, wenn er sich in den Gewässern rund um Island tummelt. Denn für die dortigen Nordmänner ist der Walfang ungeachtet internationaler Proteste seit dem Jahre 2006 wieder ein einträgliches Geschäft. Vor allem auch, weil sich die Meeressäuger nahezu komplett verwenden lassen. Dabei lässt sich der Meeresgigant nicht nur zur Fleisch- und Lebertrangewinnung nutzen, sondern auch zu Mehl verarbeiten. Wobei Letzteres als Nebenprodukt beim Auskochen des Walfleisches entsteht.

Gut, das Wal-Mehl ist den meisten von uns sicher im Supermarkt um die Ecke noch nicht untergekommen und dürfte auch sehr selten Verwendung beim Backen von Kuchen finden. Dafür kommt es nun ins Glas. Genauer gesagt ins Bier. Die isländische Brauerei Stedji hat nämlich ein neues Bier auf dem Markt gebracht, für dessen Herstellung neben den üblichen Zutaten wie Wasser, Hopfen und Malz auch proteinreiches und fettarmes Wal-Mehl verwendet wird. Das Bier wird speziell für das isländische Thorrablot Festival gebraut und erst einmal nur bis zum 22. Februar zum Verkauf angeboten. Die Väter des deutschen Reinheitsgebots drehen sich wohl allein bei dem Gedanken im Grabe um.

Mit Wal-Mehl gebrautes Bier klingt zunächst einmal speziell. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Mit Wal-Mehl gebrautes Bier klingt zunächst einmal speziell. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

5,2 Prozent Alkohol hat das mit Mehl vom Finnwal verfeinerte Gesöff, das, so der Werbeslogan der findigen Brauerei, aus Menschen echte Wikinger macht. Ob das Gebräu nur aus Hörnern schmeckt wie weiland der Met, ist nicht bekannt. Auch wissen wir nicht, wie es sich anfühlt, wenn man schlückchenweise zum Wikinger mutiert. Stößt man dann ein gefährliches Gebrüll aus? Setzt man mit einem Holzboot zu fernen Gestaden über, um diese zu erobern? Raubt man in fernen Gefilden Gold, Schmuck und Frauen? Und tauscht man als angetrunkener Wikinger nach ein paar Bieren die eigenen vier Wände gegen ein Langhaus mit Feuerstelle? Fakt ist, wer das Gesöff probieren möchte, sollte sich beeilen. Schließlich gibt es nach Schätzungen weltweit nur noch 70.000 Finnwale. Da könnte das Mehl schneller knapp werden, als Wikinger-Mutanten das Bierglas leeren können.

Buchtipps: Karsten-Thilo Raab: Thekenbrust & Zackendruse, Westflügel Verlag, ISBN 978-3-939408-11-6, 12,50 Euro. Erhältlich ist das Buch im Buchhandel oder direkt beim Verlag.

Karsten-Thilo Raab: San Diego Waldfried,  (ISBN: 978-84-9015-620-9). Erhältlich  im Buchhandel oder direkt beim Verlag für 20,90 Euro.


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