Von 5. Juli 2011 Mehr →

Vaduz – kleine Hauptstadt mit großem Flair

Liechtensteins Hauptstadt entpuppt sich als ein Dorf mit einem Hauch von Weltstadtflair. Entlang der Fußgängerzone Städtle finden sich nicht nur die wichtigsten Bauten und Museen der Kapitale, sondern auch Designerläden, Souvenirshops, Boutiquen, Restaurants, Regierungsgebäude und zahlreiche Banken. Unmittelbar vor dem Liechtenstein Center, dem Sitz von Liechtenstein Tourismus, markiert ein Stein die Stelle, von der seit 1864 alles Distanzen innerhalb des Landes vermessen wurden. Wer sich einen schnellen ersten Überblick über die Hauptstadt verschaffen möchte, der sollte die 35minütige Rundfahrt mit der Citytrain (www.citytrain.li) buchen. Diese startet stündlich am zentralen Busbahnhof hinter dem Rathaus. Ansonsten lässt sich die 5100-Seelen-Gemeinde aber auch bequem zu Fuß erkunden.

Dominiert wird das Stadtbild durch das Schloss Vaduz. Die öffentlich nicht zugängliche Festung hoch oben über der Stadt ist seit 1712 im Besitz der Fürsten von Liechtenstein und seit 183 offizieller Wohnsitz der Fürstenfamilie. Der Bergfried aus dem 12. Jahrhundert und die Bauten an der Ostseite des Schlosses bilden den ältesten Teil des Anwesens. Einen weiteren städtebaulichen Akzent setzt das am 15. Februar 2008 eingeweihte und nach Plänen des Münchner Architekten Hansjörg Göritz errichtete  Landtagsgebäude. Selbstbewusst ragt das steile Dach über dem Plenarsaal des Parlaments in die Höhe. Repräsentativ wirkt die neue Gestaltung des Regierungsviertels vor allem durch den Einsatz eines einheitlichen Baustoffes, der das 1905 nach Plänen des Wiener Architekten Gustav von Neumann im neubarocken Stil erbaute Regierungsgebäude umschließt. Architektonisch verblüffend, weil aus dem gleichen Ziegelstein wie das Mauerwerk des Landtagsgebäudes und der dahinter sich durchziehenden Hangbebauung, stellt, sich der vorgelagerte Peter-Kaiser-Platz den Besuchern entgegen.

Südlich des Platzes liegt das Rheinbergerhaus. Das Geburtshaus des Komponisten Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901) beheimatet heute die Leitung und Verwaltung sowie die Bibliothek und einige Unterrichtsräume der Liechtensteinischen Musikschule. In unmittelbarer Nachbarschaft reckt sich der Glockenturm der Kathedrale St. Florin gen Himmel. Bereits um das Jahr 1250 soll an dieser Stelle ein erstes Gotteshaus gestanden haben. 1342 wurde die Florianskapelle eine gräfliche Eigenkirche und barg zeitweilig auch die Grabstätten der Landesherren. Während der Regentschaft des Fürsten Johannes II. (1858-1929) entstand nach einem Entwurf von Friedrich von Schmidt, der auch an der Vollendung des Kölner Doms und des Wiener Rathauses mitwirkte, eine dreischiffige gotische Hallenkirche. Die Florinskapelle wurde abgerissen nach der Fertigstellung des neuen Gotteshauses im Jahr 1873 abgerissen. Mit der Erhebung von Vaduz zur Erzdiözese im Jahre 1997 wurde die Kirche dann zur Kathedrale geweiht. Zu den Besonderheiten von St. Florin gehört ein Hochaltar aus dem Jahre 1873 mit den Statuen der vier Evangelisten. Geschaffen wurde das Schmuckstück vom Wiener Künstler Josef Leimer. Beeindruckend sind auch die barocken Figuren, die die Apostel Peter und Paulus, Christus, Maria und den Evangelisten Johannes zeigen sowie eine 125 Zentimeter große gotische Madonna. Auf dem Areal der Kathedrale befindet sich auch seit 1960 die fürstliche Gruft.

Nördlich des Peter-Kaiser-Platzes erstreckt sich die Vaduzer Fußgängerzone. Hier ist auch das Liechtensteinische Landesmuseum zu finden. Untergebracht ist die beeindruckende Sammlung seit 2003 in zwei historischen Gebäuden: der ehemaligen Taverne „Zum Adler“ und dem alten Landesverweserhaus, sowie in einem in den steilen Schlosshang gebauter Erweiterungsbau. Die in sechs Themenfelder gegliederte Dauerausstellung widmet sich auf 2.000 Quadratmetern in allen Facetten der Geschichte und Landeskunde des Fürstentums. Der Ausstellungsbereich „siedeln“ präsentiert Objekte aus allen geschichtlichen Epochen, wobei die archäologischen Funde vom Neolithikum bis ins Frühmittelalter belegen, dass das Gebiet des Fürstentums seit gut 8000 Jahren besiedelt ist. Essen und Trinken, Bauen und Wohnen, Kleidung und Tracht, Gebrauchsgegenstände, Schmuck und der Mensch selbst sind Themen in den einzelnen Räumen. Attraktive Exponate, Modelle, Einbauten, eine Fundpunktekarte Liechtensteins, Guckfenster und eine Grabungssituation zeigen hier die thematischen Zusammenhänge auf.

Im Ausstellungsbereich „schützen“ mit dem Schwerpunkt Mittelalter empfängt die Figur des Heiligen Luzius, des Landespatrons von Liechtenstein, den Besucher. Zu sehen sind in diesem bereich unter anderem barocke Zeugnisse des Glaubens, die berühmten Gutenberger Votivfiguren, sakrale Objekte sowie Münzschätze. Unter dem Oberbegriff „herrschen“ wirft das Museum einen Blick auf die Liechtensteiner Adelsfamilien und das bäuerliche Leben im 17. und 18. Jahrhundert. Eine Bauernstube, Rechtsinstrumente, Grenzsteine, Amtsträger, Amtsgebäude, Demokratie und Meinungsvielfalt, die Häuser Hohenems und Liechtenstein sowie das 1868 abgeschaffte Militär sind weitere Themen dieser Ausstellungsbereiches.

Derweil rückt der Bereich „feiern“ die Feste und Feiern in Liechtenstein seit dem 19. Jahrhundert in den Blickpunkt. Aber auch ein Blick auf Brauchtum, Vereine und die Freizeitkultur fehlt nicht, während unter dem Schlagwort „schaffen“ die bäuerliche, handwerkliche und industrielle Arbeitswelt des Landes beleuchtet wird. Der sechste große Themenschwerpunkt ist unter dem Oberbegriff „nutzen“ der vielfältigen Flora und Fauna des „Ländles“ gewidmet. Gezeigt werden Pflanzen und Tiere in ihren unterschiedlichen Lebensräumen von den alpinen Bergspitzen über die Waldzonen bis hinunter zum Rheinbett in der Talebene.

Die kleine, aber feine Vaduzer Museumsmeile setzt sich im nahe gelegenen Postmuseum, einer Außenstelle des Landesmuseums, fort. Seit 1930 sammelt und konserviert as auf Initiative von Konsul H. W. Sieger gegründete Museum wichtige Dokumente der liechtensteinischen Philatelie und Postgeschichte. Seit 2002 ist das kleine Museum im 1. Stock des Engländerbaus untergebracht, wo begehrte liechtensteinische Briefmarkenausgaben ab 1912 und die davon vorhandenen Entwürfe, Stichplatten und Probedrucke, eingetauschte Briefmarken der Weltpostvereinstaaten sowie zahlreiche Dokumente und historische Postgeräte zu sehen sind. Die Dauerausstellung zeigt einen repräsentativen Querschnitt durch die gesamte Liechtenstein-Philatelie. Erweitert wird sie durch Original-Briefmarkenentwürfe und Material aus der Druckvorstufe, postgeschichtliche Dokumenten und Geräte. Periodische Sonderausstellungen ergänzen das Museumsangebot.

Kaum mehr als einen Steinwurf vom Postmuseum entfernt liegt das beeindruckende Kunstmuseum. Namen von Weltrang führen die Künstlerliste der staatlichen Sammlung an: Gustave Courbet, Marcel Duchamps, Meret Oppenheim, Kurt Schwitters, Dalí, Pablo Picasso, Arnold Schönberg, Joseph Beuys, Jean Tinguely – um nur Einige zu nennen. Präsentiert werden die Werke in Wechselausstellungen auf 1750 Quadratmetern. Eröffnet im November des Jahres 2000, spielt das Kunstmuseum spätestens seit der spektakulären Andy-Warhol-Ausstellung im Jahr 2004 in der oberen Liga europäischer Kunsthallen.

Das aus privaten Geldern finanzierte Museum erweist sich als architektonische Besonderheit: Die fugenlose Fassade des Gebäudes besteht aus schwarz eingefärbtem Zement, gebrochenem Basaltstein und Flusskies. Je nach Lichteinfall schimmert die Außenwand in den verschiedensten Farben. Entworfen für das markante Gebäude von den Schweizer Morger, Degelo und Kerez.

Am nördlichen Ende der Fußgängerzone bildet das Vaduzer Rathaus einen besonderen Blickfang. 1932 wurde der Baunach Pläne des Architekten Franz Roeckle fertig gestellt. Bemerkenswert ist vor allem die Südfassade mit ihren reichhaltigen Verzierungen an den Fenstern sowie das Balkonfresko von Künstler Johannes Troyer. Es zeigt den Heiligen Urban, den Patron der Weinbauern. Direkt neben dem Rathaus liegt der Rathausplatz mit seiner überdachten Bühne. Hier finden regelmäßig Konzerte und eine Reihe von Veranstaltungen wie das Winzerfest oder der „Städtlesommer“ statt.

Geprägt wird der Charakter von Vaduz aber nicht allein durch die vielen Geldinstitute, die Regierungsgebäude und die vielfältige Museumslandschaft, sondern vor allem durch die Weinberge im Mitteldorf. Überall fallen Weinberge ins Auge. Vor neben, hinter und zwischen den überwiegend historischen (Bauern-) Häusern werden Reben angebaut und verwandeln weite Teile des „Dörflis“, wie Vaduz von den Einheimischen genannt wird, in ein ungewöhnliches Weinanbaugebiet. Der größte Weinberg der Hauptstadt ist der Herawingert, der zur Fürstlichen Hofkellerei gehört. Auf dem knapp vier Hektar großen Areal wird seit dem 13. Jahrhundert Weinbau betrieben. Von hier stammt der „Pinot Noir“, der im Volksmund liebevoll als „Vaduzer Beerli“ bezeichnet wird. Auf dem kleinen Weinpfad können Besucher alles über das Rebjahr erfahren. Zwölf Tafeln informieren hier in Wort und Bild über den Weg von der Rebe bis zum Wein. Insgesamt gedeihen in dem Sortengarten der Hofkellerei nicht weniger als 50 Rebsorten.

Überaus sehenswert ist das an einem Weinberg, dem Abtswingert, im Oberdorf gelegene Rote Haus. Das spätmittelalterliche Treppengiebelhaus mit seinem weithin sichtbaren Turm stammt in Teilen aus dem 13. Jahrhundert. 1910 wurde das Haus unter Federführung des Architekten Ego Rheinberger erweitert und umgebaut. Aus dieser Zeit stammt auch der markante Turm.

Etwas außerhalb des Zentrums liegt das Skimuseum. Hier präsentiert  der ehemalige Skirennfahrer Noldi Beck eine wohl einzigartige Sammlung zur Entwicklung des Skisports in den Alpen. Über 1.000 Exponate hat er zusammengetragen – vom Holzski aus Fassdauben bis zum modernsten Top-Ski der Weltelite. Zudem dokumentiert das Skimuseum nahezu lückenlos die Entwicklung des liechtensteinischen Skisports. Der Bogen spannt sich von einer abenteuerlichen Fahrt des fürstlichen Oberjägers Josef Negele aus Triesenberg über die Gründung des Skiclubs Liechtenstein im Jahre 1926 und des Liechtensteiner Skiverbandes im Jahre 1936 bis hin zu erfolgreichen Teilnahmen an Olympischen Winterspielen.

Als eine der grünen Lungen von Vaduz gilt der Naturpark Haberfeld. Mit seinen Weihern, Sumpf- und Tümpelflächen, Bäumen und Sträuchern erweist sich das Areal als ein naturlandschaftliches Kleinod zwischen der Stadt und dem Rheinufer. Zugleich ist das Haberfeld der Lebensrum seltener Kleinlebewesen, Vögel und Amphibien. Sogar Bekassinen, Rohrdommel und Weißstörche können hier angetroffen werden.

Allgemeine Informationen: Liechtenstein Tourismus, Städtle 37, 9490 Vaduz, Telefon 00423-2396300, www.tourismus.li

Informationen: Gemeindeverwaltung Vaduz, Rathaus, Städtle 6, 9490 Vaduz, Telefon 00423-2377878, www.vaduz.li

Lage: Das Fürstentum Liechtenstein, nach dem Vatikanstaat, San Marino und Monaco das vierkleinste Land Europas, liegt südlich des Bodensees in der Alpenregion. Nach Westen bildet der Rhein eine natürliche Grenze zur Schweiz. Die südliche sowie östliche Staatsgrenze ist geprägt vom Alpen-Hochgebirge, dem Rätikon. Nach Osten grenzt Liechtenstein an Österreich.

Flughäfen: Liechtenstein verfügt über keinen eigenen Flughafen, allerdings gibt es in Balzers einen privaten Hubschrauberlandeplatz. Die nächst gelegenen Flughäfen sind der 50 Kilometer entfernte Altenrhein Airport im schweizerischen St. Gallen (www.airport-stgallen.com), der 85 Kilometer entfernte Flughafen in Friedrichshafen (www.fly-away.de) am Bodensee sowie der 115 Kilometer entfernte Flughafen Zürich-Kloten (www.flughafen-zuerich.ch).

Busverkehr: Liechtenstein verfügt über ein gut ausgebautes Busnetz, das im Linienverkehr auch  Anschlüsse nach Sargans und Buchs in der Schweiz und nach Feldkirch in Österreich umfasst. Die modernen Busse decken ein dichtes Streckennetz mit 314 Haltestellen auf gut 105 Kilometern Fahrstrecke ab. Informationen: Liechtenstein Bus Anstalt, Städtle 38, 9490 Vaduz, Telefon 00423-2356310, www.lba.li

Währung: Offizielles Zahlungsmittel ist der Schweizer Franken, CHF abgekürzt. Vielfach werden aber auch Dollar und Euro akzeptiert.

Sehenswürdigkeiten: Liechtensteinisches Landesmuseum, Städtle 43, 9490 Vaduz, Telefon 00423-2396820, www.landesmuseum.li

Postmuseum, Städtle 37, 9490 Vaduz, Telefon 00423-2396846, www.landesmuseum.li

Kunstmuseum, Städtle 32, 9490 Vaduz, Telefon 00423-2350300, www.kunstmuseum.li

Skimuseum, Fabrikstraße 5, 9490 Vaduz, Telefon 00423-2321502, www.skimuseum.li

Hofkellerei des Fürsten von Liechtenstein, Fürstliche Domäne, 9490 Vaduz, Telefon 00423-2321018, www.hofkellerei.li

Buchtipp: Ulrike Katrin Peters, Karsten-Thilo Raab: Liechtenstein – Reisehandbuch, Westflügel Verlag, ISBN 978-3-939408-05-5, bestellen

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