Toilette der Liebenden in Bardufoss

Nördlich des Polarkreises gehört das Bekunden einer heißen Liebe neuerdings zum guten Stil. Zumindest bei den Herren der Schöpfung. Denn auf der Männertoilette des Flughafens Bardufoss, der sich gerne als Eingangstor zur Insel Senja, der zweitgrößten Insel Norwegens bezeichnet, finden sich mehr und mehr Schlösser als Liebesbeweis an Abflussrohren der Urinale. Wann dieses Phänomen angefangen hat, vermag niemand zu sagen. Ähnlich wie an der Hohenzollernbrücke in Köln sind in die Schlösser die Initialen oder Vornamen der Liebenden eingraviert, häufig auch das Datum des Kennenlernens oder des Hochzeitstages. All diese Schlösser sollen eine ewige Verbundenheit unter den jeweiligen Pärchen symbolisieren. Vielleicht liegt ein zusätzlicher Reiz auch darin, dass dem Anbringen der Schlösser eigentlich etwas Unerlaubtes, ja, etwas Illegales anhaftet. Doch die Frage nach der Rechtslage interessiert am Flughafen des 2.500-Seelen-Nestes kaum jemanden. Zumindest solange die Schlösser kein Verletzungsrisiko darstellen. Warum für die Liebesbekundung allerdings ein so charmantes Örtchen wie das stille Örtchen gewählt wurde, bleibt ein Rätsel. Vielleicht soll es auch symbolisieren, dass bei dem jeweiligen Pärchen alles im Fluss ist. Und wenn eine Beziehung den Bach runtergeht, ist das Schloss ja immer noch an der richtigen Stelle…

Literaturtipp: Ulrike Katrin Peters & Karsten-Thilo Raab: Oh, diese Norweger, Conrad Stein Verlag, ISBN 978-3-86686-803-8. Erhältlich ist der Titel, der auf augenzwinkernde Art und Weise Skurriles und Wissenswertes über die Norweger vermittelt, im Buchhandel oder direkt beim Conrad Stein Verlag.


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