Von 28. September 2014 Mehr →

Tägliches Stau-Staunen für Straßen-Lemminge

Phänomen Stau: Zu wenig Straße für zu viele Autos.

Phänomen Stau: Zu wenig Straße für zu viele Autos.

Vermutlich sind es Tausende von Autofahrern, die tagtäglich den Gott des Straßenverkehrs vergeblich anflehen. Nicht wenige beten vor dem Antritt der Fahrt ein „unsern täglichen Stau gib uns bitte nicht heute“ herunter. Und dann ist es doch wieder so weit. Hinter irgendeiner Biegung wartet dann wieder plötzlich zu wenig Straße auf zu viele Autos. Dabei gibt es eigentlich genug Straßen in unserem Land. Zehntausende von Kilometern – vor allem in ländlichen Regionen Bayerns, Niedersachsens, Schleswig-Holsteins, in Thüringen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern – sind wenig bis gar nicht befahren. Oft rollt hier stundenlang nicht ein einziges Auto entlang. Vermutlich, weil alle im Stau stehen.

Was daran liegt, dass sich scheinbar alle Autos gleichzeitig über die gleiche Straßenabschnitte bewegen wollen, während andere Straßenabschnitte komplett gemieden werden und leer sind. Zwar warnt das moderne Navigationsgerät den Fahrer vor Staus auf Autobahnen, doch meistens ist das Ausweichen auf Nebenstraßen auch keine Lösung. Denn wie die Lemminge zuckeln die Autobahnflüchtlinge dann hintereinander her durch die Dörfer und stehen in kilometerlangen Rückstaus an Ampeln.

Und so gibt der gemeine Stau den Fahrern und Wissenschaftlern gleichermaßen Rätsel auf. Warum wollen immer alle gleichzeitig von A nach B? Ist der Stau der Fluch der Natur, die sich dagegen aufbäumt, dass sie zunehmend zuasphaltiert wird? Warum stehen andere scheinbar nie im Stau, während man selber irgendwie einen Stammplatz im Schneckenrennen zu haben scheint? Wäre es nicht sinnvoll, bestimmten Bevölkerungsgruppen den Zugang zur Straße zu verweigern? Etwa jenen chronischen Langsamfahrern, Dauerbremsern, Tagträumern und Sonntagsfahrern mit Hut? Oder könnte man die nicht wenigstens zwangsweise auf einsame Landstraßen umleiten?

Thekenbrust-CoverEin Bremsverbot auf bestimmten Strecken wäre sicher auch hilfreich. Schließlich wissen nicht nur Rennfahrer, wer bremst verliert. Kommt ein Auto unvermittelt zum Halt, löst dies bekanntlich eine Kettenreaktion aus. Denn auch die Autos dahinter kommen zwangsweise zum Stopp. Entsprechend langsam setzt sich die Blechlawine wieder in Gang, sobald der Vorderste wieder einen Gang zulegt.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch der Hinweis, dass eine Reihe von Fahrzeugen, die hintereinander steht, nicht zwingend ein Stau sein muss. Findet sich diese Reihe am rechten Fahrbahnrand, könnte dies auch ein Parkstreifen sein. Wer unsicher ist, kann dies schnell an seinem Portemonnaie überprüfen. Ein Stau vornehmlich Zeit und Nerven, während auf dem Parkstreifen häufig eine Gebühr zu entrichten ist.

Buchtipp: Karsten-Thilo Raab: Thekenbrust & Zackendruse, Westflügel Verlag, ISBN 978-3-939408-11-6. Erhältlich ist das Buch für 12,50 Euro im gut sortierten Buchhandel oder direkt beim Verlag.

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