Von 13. Juli 2017 Mehr →

Stonehaven – die Hauptstadt der Frittierkönige

Preisegrkrönte Fish and Chips aus dem Bay Fish and Chips Shop in Stonehaven. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Obwohl Stonehaven noch nicht einmal 12.000 Einwohner zählt, verfügt das Hafenstädtchen an der schottischen Ostküste gleich über zwei Pilgerstätten. Da ist zum einen etwas außerhalb die Burgruine von Dunnattor Castle. Die Festung, deren Geschichte bis in das 9. Jahrhundert zurückgeht, liegt spektakulär über dem Meer auf einem 50 Meter hohen Felsplateau.

Gleich tütenweise werden Schellfisch und Pommes aus dem Bay Fish and Chips Shop geschleppt. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Nicht weniger Anziehungskraft besitzt am nördlichen Ende der Strandpromenade der Bay Fish & Chip Shop. Nicht selten bilden sich vor dem im wahrsten Sinne des Wortes (mehrfach) ausgezeichneten Winzgeschäft mit der ganz in Hellblau gehaltenen Holzfassade ellenlange Schlangen. Aus aller Herren Länder kommen Genussfreudige hierher, um die vermeintlich besten Fish & Chips des Landes zu kosten. Kein Wunder, das jährlich mehr als 200.000 Portionen für je 7,30 Britische Pfund (ca. 8.30 Euro) über die Ladentheke wandern.

Bester Fish & Chips Shop im Vereinigten Königreich

Klein, aber oho: der Bay Fish & Chips Shop in Stonehaven. (Foto Karsten-Thilo Raab)

„Alle denken, Fish & Chips seien fettig, öltriefend und ungesund – ich wollte beweisen, dass es auch anders geht“, erläutert Inhaber Calum Richardson. Aus den bescheidenen Anfängen im Jahre 2006 hat der 44-jährige seinen Schnellimbiss längst zu einem florierendem Unternehmen mit mittlerweile 20 Angestellten ausgebaut. Und spätestens seit der Bay Fish & Chip Shop im Jahre 2013 zum Besten seiner Zunft in ganz Großbritannien gekürt wurde, rennen die Kunden dem vierfachen Familienvater förmlich die Bude ein.

Calum Richardson entwickelte ein spezielle Panade nach geheimer Rezeptur. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Das Geheimnis des großen Erfolges des kleinen Schotten liegt im Wesentlichen in den frischen Zutaten und der Panade. Verwendet wird ausschließlich fangfrischer Fisch, der vor der Küste Schottlands ins Netz gegangen ist. Ewig junger Klassiker ist dabei Schellfisch. Diese wird in einem von Calum Richardson entwickelten Mehl-und Butter-Mantel frittiert und zusammen mit Chips (Pommes Frites) aus frischen Kartoffeln sowie Mushy Peas (grünen, gestampften Erbsen) serviert.

Das Geheimnis liegt in der Panade

Kompostiebare Verpackung im Bay Fish and Chips Shop. (Foto Karsten-Thilo Raab)

„Wir verwenden weder Additive, noch Konservierungsstoffe und ganz, ganz wenig Salz“, verrät Calum Richardson mit Blick auf die ansonsten geheime Rezeptur. Zudem beteuert der 44-jährige, der neun Jahre lang als Ingenieur bei der Marine arbeitete und selber lieber Steaks als Fisch isst, großen Wert auf Nachhaltigkeit zu legen. Dies zeigt sich auch in der Tatsache, dass das ausgegebene Einwegbesteck aus rein pflanzlichen Komponenten besteht und die Verpackung für die Fish & Chips komplett kompostierbar ist.

Ein Bild mit Seltenheitswert: keine Schlange vor dem Bay Fish and Chips Shop. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Dazu passt auch, dass sich Calum Richardson für die Kampagne „fish for environment” stark macht. Dabei geht es darum, dass die Fischer, das, was sie an Müll aus dem Meer fischen, nicht zurück ins Wasser werfen, sondern den Müll mit an Land bringen und dort ordnungsgemäß entsorgen.

Nachhaltigkeit wird groß geschrieben

Zum Nachhaltigkeitskonzept gehöret auch die komplett abbaubare Verpackung. (Foto Karsten-Thilo Raab)

„Das ist ein absolutes Muss, wenn wir auch morgen noch genießbaren Fisch fangen wollen“, ist Calum Richardson davon überzeugt, dass ein jeder seinen Teil dazu beitragen muss, um die Weltmeere sauber zu halten.

Gerne nimmt sich Calum Richardson auch Zeit für einen Plausch und ein Selfie mit Gästen. (Foto Calum Richardson)

„Es geht auch darum, zu verhindern, dass giftige Stoffe ins Wasser gelangen und von den Fischen aufgenommen werden“, so der Geschäftsmann aus Stonehaven weiter, wohl wissend, dass diese Giftstoffe dann über die Nahrungskette wieder beim Menschen landen würden.

Frittierte Mars-Riegel sind längst über die Landesgrenzen hinaus ein Begriff. (Foto Karsten-Thilo Raab)

„Meine Beitrag ist nur winzig klein, aber wenn jeder sich so verhält, ist allen geholfen“, unterstreicht Calum Richardson, dessen Panade längst auch im fernen Japan zu einem Verkaufsschlager geworden ist. Sogar die britische Armee und große Teile der schottischen Verwaltung gehören zu seinen Stammkunden.

Heimat der frittierten Mars-Riegel

Das andere „Frittier-Mekka“ in Stonehaven: die Carron Fish Bar.

So sehr seine Fish & Chips auch reißenden Absatz finden, muss sich Calum Richardson die Aufmerksamkeit noch mit einem anderen Schnellimbiss in Stonehaven teilen. Die Carron Fish Bar, die bis 2012 den Namen „Haven Fish Bar“ trug, gibt vor, der Erfinder der frittierten Mars-Riegel zu sein. Einer süßen Kalorienbombe in einer süßen Panade, die auf jeden Fall eine Sünde wert ist. Vielleicht als Nachtisch, nachdem zuvor die preisgekrönten Fish & Chips von Calum Richardson genossen wurden…

Als absolute Kalorienbombe nicht jedermanns Sache: frittierte Mars-Riegel. (Foto Xian)

Allgemeine Informationen: www.visitscotland.com

Informationen: Bay Fish & Chip Shop, Beach Promenade Stonehaven AB39 2RD, Schottland, Telefon 0044-1569-762000, www.thebayfishandchips.co.uk. Täglich von 12 bis 22 Uhr geöffnet.

Carron Fish Bar, 1 Allardice Street, Stonehaven AB39 2BN, Schottland, Telefon 0044-1569-765377. Geöffnet montags bis donnerstags von 12 bis 14 Uhr und von 16.15 bis 21 Uhr, freitags und samstags von 12 bis 21 Uhr sowie sonntags von 14 bis 21 Uhr. LINK-NAME

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