Von 21. Juni 2013 Mehr →

Spanische Geschäftstüchtigkeit am Tor der Sonne

Tut es für Geld: Die U-Bahnstation Sol im spanischen Madrid, die sich für drei Millionen Euro einen Vornamen gönnte. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Tut es für Geld: Die U-Bahnstation Sol im spanischen Madrid, die sich für drei Millionen Euro einen Vornamen gönnte. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Das niedersächsische Wolfsburg hatte es kurz vorgemacht. Als Marketinggag zur Einführung eines neuen Volkswagenmodells nannte sich die Stadt am Mittellandkanal im Jahre 2003 für knapp drei Monate in „Golfsburg“ um. Der Blick auf die Ortseingangsschilder mag damals dem einen oder anderen irgendwie Spanisch vorgekommen sein.

Die Spanier wiederum avancieren nun zu einer Art Trittbrettfahrer. Getreu dem Motto „Spontanität muss wohl überlegt sein“ haben die finanziell nicht gerade auf Rosen gebetteten Südeuropäer nur zehn Jahre nach den Niedersachsen eine lukrative Einnahmemöglichkeit für die öffentliche Hand erschlossen. Was bei Sport- und Veranstaltungsstätten schon seit langem Normalzustand ist, erreicht nun in Madrid auch den Öffentlichen Personennahverkehr. Denn ein international operierender Telefonanbieter erwarb für drei Millionen Euro für zwei Jahre die Namensrechte für die wohl bekannteste U-Bahnhaltestelle im Herzen von Madrid: Die Station am Puerta del Sol, dem „Tor der Sonne“, heißt nun „Vodafone Sol“.

Ein Schachzug, mit dem der Telefonriese nicht nur seinen Namen ins Gespräch bringt, sondern auch Einzug in die Geschichtsschreibung hält. Schließlich war der zentrale Platz Puerta del Sol jener Ort, an dem die Spanier 1931 die Republik ausriefen. Und hier steigt jedes Jahr am 31. Dezember die wohl größte öffentliche Silvesterparty des Landes. Natürlich finden nicht alle Gefallen an dieser Form der Kommerzialisierung. Einige tun das Aussteigen bei Vodafone sogar als symbolische Geste ab.

San Diego Waldfired CoverGleichwohl dürfte das Beispiel viele Kommunen auf den Plan rufen. Statt Steuern zu erhöhen, um die Einnahmenseite zu verbessern, könnten vielerorts lustig Namensrechte verscherbelt werden. Die Glücksspirale oder „Ein Platz an der Sonne“ wären nette Namenspatrone für die Gebäude der Agentur für Arbeit oder das Sozialamt. Die Zulassungsstelle könnte den Namen von Audi, BMW oder Mercedes tragen, das Standesamt den von Fleurop oder eines Schmuckanbieters. Die Stadtkasse und die Steuerbehörden könnten nach einem Kreditkartenanbieter benannt werden und die Baubehörden nach einer Bausparkasse. Und sogar für Knöllchen ließen sich Sponsoren finden. Ideal wären hier die Anbieter von Beruhigungspillen.

Buchtipps: Karsten-Thilo Raab: Thekenbrust & Zackendruse, Westflügel Verlag, ISBN 978-3-939408-11-6, 12,50 Euro. Erhältlich ist das Buch im Buchhandel oder direkt beim Verlag.

Karsten-Thilo Raab: San Diego Waldfried,  (ISBN: 978-84-9015-620-9). Erhältlich direkt beim Verlag oder online zum Preis von 20,90 Euro. 

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