Von 23. Juni 2016 Mehr →

Soi Cowboy – Bangkoks kleine Reeperbahn

Leicht bekleidete Animierdamen werben für den Besuch einer Bar in Soi Cowboy. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Leicht bekleidete Animierdamen werben für den Besuch einer Bar in Soi Cowboy. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Zugegeben, die Sündenmeile ist eher ein Meilchen und hat gerade einmal die Länge von zwei Fußballplätzen. Und doch hat das kleine Vergnügungsviertel mit seinen vielleicht zwei Dutzend Läden fast schon magnetische Anziehungskraft – insbesondere auf Amerikaner, Japaner und Europäer. Sie alle strömen nach Einbruch der Dunkelheit in das wohl kleinste und bekannteste Rotlichtviertel in Thailands Hauptstadt Bangkok. Soi Cowboy ist so etwas wie die Miniausgabe der Reeperbahn. Bunte Neonreklamen, laute Musik und jede Menge Animierdamen dominieren das Straßenbild.

Vor jeder Bar sitzen oder stehen rund ein Dutzend leicht bekleideter Damen. Die meisten tragen nicht mehr als einen knappen Bikini. Mit ihren körperlichen Reizen, einem mehr oder weniger charmanten Lächeln und einem langgezogenen „Helloooooo“ versuchen sie, die Touristen aus aller Herren Länder in ihre jeweilige Bar hinein zu locken. Im Inneren dröhnt meist rockige Livemusik. An den Wänden flimmern Fußballspiele über große TV-Leinwände. Ein Mischung aus Parfüm und Bierdunst liegt in der Luft. In einigen Lokalen rekeln sich halbnackte Tänzerinnen lasziv an Stangen. Derweil versuchen andere Damen, sich von den Gästen auf einen Drink einladen zu lassen.

Mehr als „One night in Bangkok“

Grelle Leuchtreklamen dominieren die Hauswände in Soi Cowboy. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Grelle Leuchtreklamen dominieren die Hauswände in Soi Cowboy. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Fast unweigerlich kommen einem die Zeilen aus Murray Heads wohl berühmtesten Hit „One night in Bangkok“ in den Sinn: „The queens we use would not excite you“, intonierte der Brite schon Mitte der 1980er Jahre. Was frei übersetzt etwa so viel bedeutet, wie „die Damen, mit denen wir uns amüsieren, würden Euch nicht erregen“.

Um den Herren zu gefallen, reheln sich einige Damen lasziv. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Um den Herren zu gefallen, reheln sich einige Damen lasziv. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Zumindest aus männlicher Sicht ist man geneigt, Murray Head nur bedingt zuzustimmen. Denn einige der holden Schönheiten können sich durchaus sehen lassen. Andere wiederum sind von den Jahren an der Nachtclubfront sichtbar gezeichnet. Und dann sind da noch die Ladyboys, jene Männer, die leicht bekleidet, kaum von Frauen zu unterscheiden sind. Entsprechend beäugen die meisten Touristen die Transsexuellen mit einer Mischung aus Faszination und Entsetzen.

„In Soi Cowboy geht es weniger um bezahlten Sex – obschon diejenigen, die danach suchen, ihn auch bekommen können“, weiß Somchai Mongkonkamonrat zu berichten. Vielmehr würden, so der engagierte Guide, der sich wegen seines unaussprechlichen Namens schlicht „Mister Tee“ nennt, weiter, die meisten Bars auf eine Art Karnevalsfeeling und Partylaune setzen. Verbunden mit der Hoffnung, dass das Bier in Strömen fließt und die feierlustigen Gäste ihre Spendierhosen anhaben.

Karnevalsfeeling und Partylaune

Bei den Gästen aus aller Welt herrscht beim Beushc von Bangkoks sündiger Meile beste Stimmung. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Bei den Gästen aus aller Welt herrscht beim Beushc von Bangkoks sündiger Meile beste Stimmung. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Schließlich geben die Animierdamen gerne vor, durstig zu sein. Die Kombination mit viel nackter Haut führt auf jeden Fall dazu, dass sie den einen oder anderen (teuren) Drink spendiert bekommen. Auch wenn die Damen meistens nur kurz daran nippen und den Rest dann stehen lassen. Schließlich geht es ums Geschäft und nicht darum, den Durst zu stillen.

Für die Thaigirls ist dies ein wichtiger Teil ihres Jobs und einige verstehen was davon: „Komm rein. Du wirst sehen, dann sprießen sogar deine Haare wieder“, ruft ein Animierdame einem beleibten Engländer zu, dessen Haupthaar sich sichtbar Richtung Nackenfalte verabschiedet hat. Dabei weiß die zarte Schönheit offenbar ganz genau, wie sie der männlichen Eitelkeit ein wenig schmeicheln kann. Denn das Werben zeigt Erfolg. Der Untertan Ihrer Majestät lässt sich nicht zweimal bitten. Ehrensache, dass er auch ein prickelndes Getränk aus der Champagne für die Frontfrau springen lässt.

Geschickt verwickeln die thailändischen Animierdamen die Besucher in ein Gespräch und hoffen auf eine Einladung zum Drink. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Geschickt verwickeln die thailändischen Animierdamen die Besucher in ein Gespräch und hoffen auf eine Einladung zum Drink. (Foto Karsten-Thilo Raab)

So gesehen unterscheidet sich Soi Cowboy sicher wenig von anderen berühmten Sündenmeilen wie der Reeperbahn in Hamburg oder Soho in London. Die meisten Gäste amüsieren sich bei der zwanglosen Art der Fleischbeschauung, genießen die Livemusik und das eine oder andere Bier. Und dies seit den frühen 1970er Jahren. Damals nämlich eröffnete ein gewisser T. G. Edwards hier unweit der geschäftigen Einkaufsmeile Sukhumvit eine erste Gogo-Bar. Markenzeichen des ehemaligen amerikanischen Fliegers war sein Cowboyhut. Und so erhielt die kleine Vergnügungsmeile in Anlehnung an den „Erfinder“ den Namen Soi Cowboy. Wobei „Soi“ das thailändische Wort für „Nebenstraße“ ist.

Hollywood lässt grüßen

Livemusik und Stimmungsmacher sind in vielen Bars von Soi Cowboy zu finden. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Livemusik und Stimmungsmacher sind in vielen Bars von Soi Cowboy zu finden. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Längst ist der „Nebenstraße“ auch ein filmisches Denkmal gesetzt worden. In Soi Cowboy wurden im Jahre 2011 zahlreiche Szene für den Hollywood-Blockbuster „Hangover 2” in Szene gesetzt. Als Kulisse für die im Kinofilm präsentierte Rotlichtbar „Siam Sam’s“ diente die Fassade der Cactus Bar, während die Innenaufnahmen in der Tilac Gogo Bar abgedreht wurden.

„Auch ohne Hollywood läuft hier jeden Abend voll der Film“, flachst Somchai Mongkonkamonrat. Auf jeden Fall, so Mister Tee weiter, ist kein Bangkok-Besuch ohne einen Abstecher nach Soi Cowboy perfekt. Selbst wer wenig für diese Art von Amüsiermeile übrig hat, sollte wenigstens einmal die knapp 200 Meter lange Strecke zwischen der Soi 21 und der Soi 23 abgelaufen sein. Denn in der Tat läuft hier allabendlich ein ganz besonderer Film – noch dazu live und in Farbe.

Ein filmreifes Amüsierviertel

Vor den Bars und Tanzclubs sitzen zumeist leicht bekleidete Animierdamen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Vor den Bars und Tanzclubs sitzen zumeist leicht bekleidete Animierdamen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Allgemeine Informationen: www.thailandtourismus.de

Anreise: Thai Airways bietet täglich Direktflüge ab Frankfurt nach Bangkok (Suvarnabhumi) an. Die Flugzeit beträgt rund zehneinhalb Stunden. Preise für Hin- und Rückflug beginnen bei etwa 650 Euro.

Einreise: Für die Einreise genügt ein mindestens noch sechs Monate gültiger Reisepass. Ein Visum wird direkt am Flughafen ausgestellt.

Geld: Landeswährung ist der Baht. Ein Baht entspricht etwa 2,46 Euro.

Einige der Damen in Soi Cowboy sind sichtbar von der "Arbeit" an der Nachstchichtfront gezeichnet. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Einige der Damen in Soi Cowboy sind sichtbar von der „Arbeit“ an der Nachstchichtfront gezeichnet. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Lage: Soi Cowboy liegt im Herzen von Bangkok zwischen der Soi 21 (Asoke) und der Soi 23 parallel zur geschäftigen Thanon Sukhumvit nur wenige Meter von der Skytrain-Haltestelle Asok und von der Mall Terminal 21 entfernt.

Führungen: Individuelle Touren bietet der lizenzierte Tour Guide Somchai Mongkonkamonrat. Weitere Informationen unter Telefon 0066-80-1259410 oder per Mail unter teesomachai8099@gmail.com.

Essen & Trinken: Balee Laos, Soi Sukhumvit 16, Khlong Toei, Bangkok 10100, Thailand, Telefon 0066-2-6631558. Das Restaurant bietet exzellente thailändische Küche vom Satay-Spieß bis hin zum Thai-Curry.

Übernachten: Mövenpick Hotel Sukhumvit 15 Bangkok, 47 Sukhumvit 15, Klongtoey Nua, Wattana, Bangkok, 10110, Telefon 0066-2-1193000, www.moevenpick-hotels.com/bangkoksukhumvit. Das 2015 eröffnete, zentral gelegene Hotel bietet Doppelzimmer mit Frühstück ab 4.400 Baht beziehungsweise umgerechnet etwa 98 Euro an.

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