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Von 29. Juni 2018 Mehr →

Sognefjellvegen – Traumstraße über das Dach Norwegens

Am Lustrafjord präsentiert sich Norwegen in seiner ganzen Pracht. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Am Lustrafjord präsentiert sich Norwegen in seiner ganzen Pracht. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Fast drei Meter hoch türmen sich links und rechts der Straße die Schneeberge. Zugefrorene Seen und die weiße Pracht funkeln um die Wette in der Sonne. Und dies mitten im Hochsommer auf gerade einmal gut 1.400 Metern Höhe über dem Meeresspiegel. Was sich anhört wie ein Märchen aus 1.001 Nacht ist hier am Sognefjellvegen in Norwegen ein normales Bild.

Der Sognefjellvegen wird oft bis weit in den Sommer von Schneewänden gesäumt. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Der Sognefjellvegen wird oft bis weit in den Sommer von Schneewänden gesäumt. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Nicht von ungefähr steht die höchste Passstraße Nordeuropas in dem Ruf, eine der schönsten Panoramastrecken des Kontinents zu sein. Die Reichsstraße 55 – so der offizielle Name der Prachtstraße – erstreckt sich über 70 Kilometer von Lom in Gudbrandsdalen vorbei an der Nordwestseite des Jotunheimen Nationalparks bis nach Skjolden, wo die atemberaubende Tour mit dem Blick auf den Lustrafjord, die westlichste Verlängerung des Sognefjords, einen weiteren Höhepunkt erfährt.

Der längste Fjord der Welt

Der Lustrafjord ist Teil des längsten Fjordes der Welt. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Der Lustrafjord ist Teil des längsten Fjordes der Welt. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Denn der gewaltige Meeresarm mit seinem smaragdgrünen Wasser gilt als der längste Fjord der Welt. Er schneidet sich auf einer Länge von 205 Kilometer in das Landesinnere ein und erreicht eine Tiefe von bis zu 1380 Metern. Damit ist der Sognefjord um einiges tiefer als weite Teile der vorgelagerten Nordsee.

In Lom sorgt eine der schönsten Stabkirchen des Landes für einen besonderen Blickfang. (Foto Karsten-Thilo Raab)

In Lom sorgt eine der schönsten Stabkirchen des Landes für einen besonderen Blickfang. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Ausgangspunkt für die kurzweilige Fahrt über den Sognefjellvegen ist Lom. Mit seinen dunkelbraunen Holzhäusern wurde das charmante Gebirgsstädtchen am Ufer des Ottavatnet nicht von ungefähr im Jahre 2002 zur „norwegischen Berggemeinde des Jahres“ gekürt. Wahrzeichen von Lom ist die prächtige Stabkirche aus dem 12. Jahr-hundert. Mit seinen 20 senkrechten Holzmasten gehört das Gotteshaus zu den größten seiner Art und weist dazu im Inneren noch eine Besonderheit auf: Ornamente aus frühchristlicher Zeit zieren den Dachgiebeln.

Wüstenähnliche Regenarmut

Der Jotunheimen Nationalpark begeistert durch weitgehend unberührte Natur. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Der Jotunheimen Nationalpark begeistert durch weitgehend unberührte Natur. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Nur einen Steinwurf von der Stabkirche entfernt ist das interessante Norsk Fjellmuseum angesiedelt. Dieses arbeitet in einer naturgeographischen Ausstellung die Besonderheiten des Jotunheimen Nationalparks heraus. Lohnswert ist daneben der Besuch des kleinen, aber feinen Freilichtmuseums Presthaugen, das sich rühmen darf, das größte hölzernen Vorratshaus (Storstabbur) in Norwegen aus dem 16. Jahrhundert sein eigen zu nennen. Und noch eine Besonderheit weist Lom auf: Mit nur 300 Millimetern fällt hier im Regenschatten Jotunheimens so wenig Niederschlag pro Jahr wie in manchen Wüstenregionen.

Schneebedeckte Berge sowie wilde Flußläufe und Wasserfälle säumen die Reichsstraße 55. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Schneebedeckte Berge sowie wilde Flußläufe und Wasserfälle säumen die Reichsstraße 55. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Nächste Station entlang der seit 1938 für den Straßenverkehr geöffneten Reichsstraße 55 ist in einem langgezogenen Tal Elveseter. Hier fällt unweigerlich die markante Saga-Säule ins Auge. Ihr kunstvolles Relief zeigt einen Querschnitt durch die Geschichte Norwegens vom Jahre 872 bis zum Jahre 1814 und misst vom Sockel bis zur Königskrone 32 Meter.

Vorbei an zwei Gletschern

Auch tierische Begegnungen sind am Sognefjellvegen an der Tagesordnung. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Auch tierische Begegnungen sind am Sognefjellvegen fast schon an der Tagesordnung. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Zum Ende des Tals hin wird die Vegetation entlang des Sognefjellvegen deutlich karger. Schroffe, grün bemooste Felswände und riesige, hausgroße Steinblöcke prägen das Landschaftsbild ebenso wie unzählige kleine Wasserfälle. Über enge Straßen führt der Weg die scheinbar endlosen Serpentinen hinauf. Mit jedem Höhenmeter wird die Landschaft rauer und unwirklicher.

Der Sohnefjellsvegen besticht durch ein famoses Landschaftskino. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Die R55 besticht durch ein famoses Landschaftskino. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Die markantesten Blickfänge entlang der R55 sind die zwei großen Gletscher Smørstabbreen und Fannaråkbreen. Insgesamt überziehen mehr als 60 kleine Gletscher die Region mit einem Teppich aus ewigem Eis. Der herrliche Panoramablick lässt keinen Zweifel daran, dass Jotunheimen, das „Heim der Riesen“, seinen Namen zu Recht trägt. Hier befinden sich die 27 höchsten Berge des Landes, darunter der 2.469 Meter hohe Galdhøpingen. Weitere 250 Gipfel messen über 1900 Meter Höhe.

Schnee teilweise bis in den August hinein

Bis weit in den Sommer hinein ist die weiße Pracht am Straßenrand zu bewundern. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Oft bis weit in den Sommer hinein ist die weiße Pracht am Straßenrand zu bewundern. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Kein Wunder also, dass das Sognefjell als ein hervorragendes Sommerskigebiet bekannt ist, in dem bis Juli, teilweise sogar bis August exzellente Schneeverhältnisse herrschen. Nicht selten begegnen einem bei herrlichem Sonnenschein unweit des mit 1.434 Metern höchsten Punkt der Prachtstraße halbnackte Skifahrer. Wer bei einem kurzen Stopp ihnen nacheifern will, kann die gesamte Ausrüstung direkt vor Ort an der Sognefjell-Hytte gegen Gebühr ausleihen. Das Sognefjell ist aber auch ein idealer Ausgangspunkt für (Tages-) Wanderungen im angrenzenden Nationalpark.

Der Jotunheimen Nationalpark ist wunderbar wanderbar und ein besonderes Naturerlebnis. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Der Jotunheimen Nationalpark ist wunderbar wanderbar und ein besonderes Naturerlebnis. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Schon in vorangegangenen Jahrhunderten führte ein wichtiger Handelsweg über die schneebedeckten Berge. Allerdings war die Reise zwischen Lom und Skjolden alles andere als ein Vergnügen. Sie nahm mehrere Tage in Anspruch und das Wetter konnte hoch oben binnen weniger Minuten umschlagen. Doch dies war beileibe nicht die einzige Gefahr, die hier lauerte. Denn das Areal war ein beliebter Tummelplatz für Straßenräuber.

Einst Treffpunkt von Straßenräubern

Wie überall in Norwegen dienen Steinmännchen der Orientierung. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Wie überall in Norwegen dienen Steinmännchen der Orientierung. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Darf man alten Überlieferungen Glauben schenken, so sollen die Raubüberfälle zwischenzeitlich derart zugenommen haben, dass die Einwohner von Lom und Luster beschlossen, das Gebirge von dem Gesindel zu säubern. Bis zu den Zähnen bewaffnet, begannen die Bewohner beider Städte zeitgleich auf einer Seite des Fjells die Berge auf der Suche nach den Dieben zu durchkämmen, bis sich die Bürgerwehren am Fannaråken trafen. Tatsächlich gingen ihnen zwei Übeltäter in die Falle. Mit ihnen wurde an Ort und Stelle kurzer Prozess gemacht. Sie wurden ohne große Federlesen an eisernen Haken, die in den Fels geschlagen wurden, aufgeknüpft.

Norwegens Prachtstraße garantiert ein ganz ungewöhnliches Sommererlebnis. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Norwegens Prachtstraße garantiert ein ganz ungewöhnliches Sommererlebnis. (Foto Karsten-Thilo Raab)

In Erinnerung an diesen Vorfall trägt das Fleckchen noch heute den Namen „Galgeberg“. Derartige Kapitel aus finsterer Zeit gehören der Vergangenheit an. Diebisch ist heute lediglich noch die Freude, die die Besucher beim Anblick der Naturschönheiten an den Tag legen. Denn entlang der 70 Kilometer über den Sognefjellvegen zeigt Norwegen all das, was den Charme des dünn besiedelten Landes ausmacht. Weitere Informationen unter www.visitnorway.com.

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