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Schilthorn – Bond-Fieber auf 3.000 Metern Höhe

Nicht das Dach der Welt, aber stolze 2.970 Meter hoch ist das Schilthorn, wo die Bond World 007 angesiedelt ist. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Wenn einen plötzlich Miss Moneypenny aus einem Spiegel heraus anlächelt und mit charmantem Englisch ein „nice to see you, James“ säuselt, liegt dies nicht an der Höhenluft. Und auch nicht an einer frappierenden Ähnlichkeit mit dem wohl berühmtesten Geheimagenten der Welt. Nach wenigen Sekunden ist das Konterfei von Schauspielerin Lois Maxwell auch schon wieder verschwunden.

Schon fällt den Herren der Schöpfung beim Herantreten an das Urinal ein großes Schild mit den Worten „Shake, don’t stir“ in Anlehnung an den berühmten James Bond Spruch „geschüttelt, nicht gerührt“ auf. Überhaupt gibt es vor dem Geheimagenten Ihrer Majestät auf dem 2.970 Meter hohen Schilthorn im Berner Oberland kein Entkommen. Das bekam schon Bösewicht Ernst Stavro Blofeld in dem 007-Klassiker „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ zu spüren.

Mekka der Bond-LIebhaber

Bond World 007 auf dem Schilthorn

Der echte 007 ist nicht mehr auf dem Schilthorn anzutreffen, aber zumindest George Lazemby als Pappkamerad. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Dabei gehört der Australier George Lazenby fraglos zu den am wenigsten bekannten und populären Bond-Darstellern. Das „Piz Gloria“ auf dem Schilthorn gilt unterdessen als einer der spektakulärsten 007-Drehorte überhaupt. Auf knapp 3.000 Metern Höhe hat sich eben dieser Lazenby 1969 in „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ als Ahnenforscher Sir Hillary Bray in das Hauptquartier von Blofeld eingeschlichen. Heute stimmen hier Bond-Fans aus aller Welt mit den Füßen ab. Tausende von Cineasten und Filmliebhabern pilgern auch gut fünf Jahrzehnte nach der Leinwandpremiere tagtäglich auf den spektakulären Gipfeln, um neben der Höhen-einen Hauch Agentenluft einzuatmen.

Bond World 007 auf dem Schilthorn

Mit dem Rennbob lässt sich in der Bond World 007 die Verfolgungsjagd zwischen Blofeld und Bond simulieren. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Auf den Spuren der berühmten Romanfigur aus der Feder von Ian Fleming entführt die Bond World 007 als interaktive Ausstellung in die Welt des unbezwingbaren Leinwandhelden mit der Magnetwirkung auf schöne Frauen. Dabei wird auf dem Schilthorn einiges Wissenswerte über die Entstehung des Films und die Dreharbeiten für „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ vermittelt.

Mal kurz mit M telefonieren…

Bond World 007 auf dem Schilthorn

Über das rote Telefon können Möchtegern-Bonds mit M telefonieren und sich Instruktionen holen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Wer mag, kann die eigenen Bond-Fähigkeiten austesten. Sei es bei einem virtuellen Helikopterflug im Originalgehäuse der ausgemusterten Alouette III der Air Glaciers, die ihren letzten Flug zum Schilthorn absolvierte, oder bei einer rasanten Verfolgungsjagd im Eiskanal mit einem orangefarbenen Bob. Mit einem kleinen digitalen Trick kann ein jeder sein Gesicht in Szenebilder des Bond-Abenteuers einpflegen und zum Hörer des roten Telefons greifen, um sich Instruktionen von Geheimagentenboss „M“ abzuholen. Derweil flimmern in dem kleinen Kino die Bond-Szenen, die am Schilthorn spielen, zusammen mit einigen Impressionen von der umliegenden Bergwelt in einer Endlosschleife über die Leinwand.

Bond World 007 auf dem Schilthorn

Auf der Kinoleinwand der Bond World 007 laufen die Szenen, die auf dem Schilthorn gedreht wurden, in einer Endlosschleife. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Auch sonst ist in der Bond World 007 viel Spannendes rund um den Dreh am Schilthorn zu erfahren. Etwa, dass die Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman im Bemühen, der Romanvorlage von Ian Flemming mit dem darin skizzierten Piz Gloria als Festung von Blofield möglichst detailliert zu folgen den damaligen Redaktionsmanager Hubert Fröhlich auf der Suche nach einem geeigneten Drehort in die Schweiz entsandten.

Welterstes Drehrestaurant auf dem Schilthorn

Filmklappe mit Szene aus dem Bond-Film in der Bond World 007. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Wie der Zufall es wollte, war 1965 unter schwierigsten Bedingungen mit dem Bau eines  Aussichtspunkts auf dem Gipfel des Schilthorns begonnen worden. Dieser war als rotierendes 360-Grad-Restaurant geplant. Als die Gebäudehülle stand, drohte den Erbauern das Geld auszugehen. Die Rettung hieß James Bond – oder besser gesagt, Eon Productions. Die Filmfirma übernahm unter der Auflage, dass das Piz Gloria nach ihren Vorstellungen fertig gestellt wurde, die weiteren Baukosten für das spektakuläre Gipfelgebäude. Außerdem wurden die Stationsbauten auf dem Birg  blau gestrichen sowie die Kabinen der Schilthornbahn orange umgespritzt und mit dem Blofeld-Wappen versehen.

Blick vom Schilthorn auf die umliegende Schweizer Bergwelt. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Zu erfahren ist auch, dass während der Dreharbeiten von Oktober bis Dezember 1968 die gewünschten Schneemengen zunächst ausblieben. Und so machten die Filmemacher aus der Not eine Tugend und ließen säckeweise Gletscherschnee vom nahen Petersgrat herankarren.

Falscher Kirchturm für Mürren

007-Burger im Drehrestaurant des Piz Gloria.

Etwas nachgeholfen wurde auch im knapp 1.300 Meter unter dem Schilthorn  gelegenen Kurort Mürren, wo eigens für den 007-Film zeitweilig ein (falscher) 14 Meter hoher Kirchturm aufgestellt wurde. Außerdem wurde die seit drei Jahrzehnten stillgelegte Bobbahn zwischen vom Allmendhubel durch das Blumental eigens für den Film wieder hergerichtet, um hier die spektakuläre Verfolgungsjagd von Bond und Blofeld im Eiskanal zu drehen.

Auch in der Bar im Drehrestaurant des Piz Gloria ist 007 allgegenwärtig. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Heute erinnert auf dem Schilthorn vor allem noch das markante Geländer des Treppenaufgangs zum ältesten Drehrestaurant der Welt an den Bond-Film. Hier kämpft Bonds spätere Frau Tracy (Diana Rigg) mit einem Bösewicht, der schließlich durch ein abgebrochenes Teil des Geländers getötet wird. An der Bar des 360-Grad-Restaurants, das bei seiner langsamen Rundfahrt in 45 Minuten 200 Berggipfel – darunter Eiger, Mönch und Jungfrau – passiert, sticht das 007-Logo ins Auge. Und wer einen Burger bestellt, findet dieses in die obere Brötchenhälfte eingebrannt. Auch der gereichte Cappuccino wird stilecht mit den Zahlen-Initialen des Helden verziert.

Selfie mit dem Papp-Bond

Selbst beim Toilettengang ist Bond auf dem Schilthorn ständiger Begleiter. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Auf der Aussichtsterrasse lässt sich sehr zum Bedauern vieler Möchtegern-Bonds nicht mehr wie im Film umgeben von hübschen jungen Damen Curling spielen. Stattdessen stehen lebensgroße Pappkameraden Bonds für Erinnerungsfotos vor einer faszinierenden Hochgebirgskulisse bereit. Auch der weltweit erste „007 Walk of Fame“ befindet sich auf dem Gipfel des Schilthorns. Dieser erinnert mit Fotos, Unterschriften und Handabdrücken an Mitwirkende eines Films, der bis heute Cineasten aus aller Welt auf den spektakulären Gipfel im Berner Oberland lockt.

Wissenswertes zum Schilthorn und zur Bond World 007

Auf der Herrentoilette müssen viele gleich an den Wodka-Martini und seine Zubereitungsart denken. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Informationen: Interlaken Tourismus, Höheweg 37, CH-3800 Interlaken, Schweiz, Telefon 0041-33-8265300, www.interlaken.ch

Schilthornbahn AG, Höheweg 2, CH-3800 Interlaken, Schweiz, Telefon 0041-33-8260007, www.schilthorn.ch

Seilbahn zum Schilthorn – Fahrzeit und Preise

Rund eine Stunde mit drei Umsteigen dauert die Fahrt hinauf zum Schilthorn. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Die Seilbahn verkehrt ab 7.25 Uhr alle 30 Minuten von Stechelberg mit drei Umstiegen über Gimmelwald, Mürren und Birg zum Schilthorn. Die Fahrzeit beträgt inklusive Umstieg rund eine Stunde. Die Hin- und Rückfahrt inklusive Eintritt zur Bond World kosten für Erwachsene 105 Schweizer Franken (rund 92 Euro), für Kinder von sechs bis 15 Jahren 52,50 Franken (ca. 46 Euro)

Was man auch nicht verpassen sollte…

Der Thrill Walk an der Bergstation Birg verläuft fast 1.000 Meter senkrecht über dem Abgrund. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Beim Aus- beziehungsweise Umstieg in Birg wartet auf 2.677 Meter über dem Meeresspiegel ein besonderer Nervenkitzel: der frei zugängliche, knapp 200 Meter lange Thrill Walk bietet rund 1.000 Meter senkrecht über dem Abgrund famose Panoramablicke für Schwindelfreie.

Autofrei und ganz urtümlich präsentiert sich Mürren. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Auch der Ausstieg in Mürren (1.638 Meter über dem Meeresspiegel) ist empfehlenswert. Das autofreie Dorf besticht durch charmante Holzchalets und gilt als einer der letzten urtümlichen Flecken der Schweiz.

Zum Inhalt des Bond-Films

Bösewicht Blofeld (Telly Savalas) unterhält auf dem Piz Gloria eine Forschungseinrichtung. Unter dem Deckmäntelchen einer „Allergietherapie“ macht er ein Dutzend hübscher Frauen ohne deren Wissen mittels Hypnose zu seinen Handlangern, um die Weltgemeinschaft zu erpressen. Auf ein Funksignal hin, so der perfide Plan, sollen die Damen ihm helfen, weltweit einen gefährlichen Krankheitserreger zu verbreiten. Auf der Suche nach seiner geliebten Tracy führt die Spur Bond schließlich aufs Schilthorn. Bond wird enttarnt, kann aber entkommen. Mit Hilfe der (Verbrecher-) Organisation von Tracy Vater Draco, gelingt es ihm, Tracy aus dem Piz Gloria zu befreien und das dortige Forschungslabor zu zerstören.

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