Von 6. Januar 2012 Mehr →

Sacacomie – ein kanadischer Wintertraum

Keine Frage, Sacacomie ist ein Stück Kanada wie aus dem Bilderbuch. Ein Stück Trapperromantik inmitten eines 500 Quadratkilometer großen Waldgebietes, in dem Elche und Karibus, jene nordamerikanischen Rentiere, aber auch Schwarzbären und Wölfe zuhause sind. Bis zu 60 Zentimeter Umfang messen die mächtigen Baumstämme, aus denen eines der wohl faszinierendsten (Holz-) Hotels in der Provinz Québec gezimmert ist. Das lodernde Feuer im offenen Kamin mit den schweren Ledersesseln davor verbreitet eine wohlig-warme Temperatur. An den Wänden hängen Bären- und Wolfsfelle sowie Geweihe von Elchen. An der Decke baumelt ein Rabaska, ein altes indisches (Kriegs-) Kanu. Im Zimmer warten ein Kamin und ein eigner Whirlpool fast schon ungeduldig darauf, mit knisternden Holzscheiden und sprudelndem Wasser die zweistelligen Minusgrade in der von zweieinhalb Metern Schnee durchzogenen Landschaft vergessen zu machen.

„Sacacomie ist ein absoluter Wintertraum. Mit Ausnahme vom Abfahrtski gibt es nichts, was man hier nicht erleben kann“, beteuert Gaspard Bourque. Der 62jährige mit dem dünnen grauen Haar arbeitet seit Anfang des Jahrtausends als Trapper in Sacacomie. Vorher bestritt er seinen Lebensunterhalt als Holzfäller sowie als Mitarbeiter in einem Holzfällermuseum. Nun bringt Gaspard den Gästen in Sacacomie das Leben in der Wildnis näher. Im Sommer paddelt er mit den Besuchern im Kanu über die sechs Seen in dem weitläufigen Areal, pirscht sich an Elche und Karibus ran, und zeigt, wie man mit Birkenrinde Feuer macht oder wie aus Mehl, Salz und Wasser das Bannique, das so genannte Trapperbrot, und aus Blättern ein schmackhafter Tee hergestellt wird.

„Ich verbringe 80 Prozent meines Lebens in der freien Natur“, so Gaspard, der auch in der kalten Jahreszeit das Leben in der Wildnis überaus schätzt. „Wenn hier zwischen Dezember und März zwei, drei Meter Schnee liegen, hat Sacacomie ein ganz anderes Gesicht, einen ganz anderen Charakter“, beteuert der kernige Bursche mit dem Bärenzahn an seiner Halskette.

„Die Kälte hier ist sehr trocken, so dass auch minus 10, 15 Grad Celsius gut zu ertragen sind“, versichert Gaspard, während er mit einer Axt und einem Eisbohrer ein Loch in die dicke Eisdecke des Lac de Atocats stemmt. Mit einer Eiskelle entfernt er die kleinen Eisstücke aus dem langsam größer werdenden Loch. So dann bringt er die Angel mit der extrem kurzen Rute auf einem kleinen Holzgestell an, um dann die dünne, eingefettete Angelschnur mit einer Made als Köder langsam herabzulassen.

„Die Fische werden vom Licht, das durch das Loch dringt, angelockt und beißen besonders gut“, erzählt Gaspard. Und tatsächlich dauert es nicht lange, bis eine stattliche Lachsforelle an der Angel zappelt. Über einem kleinen Feuer wird der Fang anschließend zubereitet. So gestärkt wartet das nächste kleine Abenteuer: Gemeinsam wird ein kleines Schneehaus, Quinzee genannt, errichtet. Und schnell wird klar, wie genial die traditionellen Inuit-Behausungen sind. Denn innerhalb der Wände aus Schnee und Eis ist es deutlich wärmer als draußen.

„Wenn draußen minus 20 Grad Celsius herrschen, haben wir hier drin zwischen null und zehn Grad Celsius“, weiß Gaspard. Und schon geht es nach einem wärmenden Tee auf Schneeschuhen zurück zum Hotel, wo weitere mögliche Winterabenteuer warten. Langlauf und Eislaufen gehören ebenso dazu wie winterliche Ausritte auf Pferden, Schlittenfahrten oder das Heruntersausen von Bergen in Schlauchbooten. Natürlich lässt sich die prächtige Seenlandschaft des Lac Sacacomie auch mit dem Snowmobil im wahrsten Sinne des Wortes erfahren. Wer es gemächlicher mag, kann zu einer Schlittenhundetour aufbrechen. Schließlich warten rund 170 Huskys im größten Schlittenhundezentrum der Region darauf, wild rennend durch die schneebedeckte Landschaft zu pflügen. Wer dies lieber mit der ganzen Familie oder ein paar Freunden machen würde, auf den wartet sogar mit der einzigartiger Hundeschlitten-Limousine ein eigens konstruierter Spezialschlitten, der Platz für vier Personen bietet. „Allerdings wird das Ganze dann nicht nur von 24 Pfoten in Bewegung gesetzt, sondern von doppelt so vielen“, verrät Gaspard.

Wer dann durchgefroren, aber glücklich in das Holzhotel zurückkehrt, kann sich und seinem Körper noch eine besondere Wohltat gönnen. Denn seit Weihnachten 2008 verfügt Sacacomie über das weltweit erste Geo-Spa. Die Wärme wird aus 150 Metern Tiefe an die Oberfläche gefördert und beheizt den 1.400 Quadratmeter großen Wellnessbereich mit seinen Solarien, Massage- und Ruheräume, Sprudel- und Dampfbädern sowie der spektakulären Panorama-Sauna an den Hängen des Lac Sacacomie. Und spätestens beim Gang über die beheizten Gehwege des schneebedeckten Spas mit einem herrlichen Blick auf das weitläufige Areal ist der erholsame Wintertraum perfekt.

Allgemeine Informationen: Destination Québec, c/o Lange Touristik-Dienst, Postfach 200247, 63469 Maintal, Telefon: 01805-526232, Fax: 06181-497558, www.bonjourquebec.com/de

Allgemeines: Die Provinz Québec liegt im Nordosten des amerikanischen Kontinents und misst rund 1,6 Millionen Quadratkilometer Fläche. Etwa 83 Prozent der Bevölkerung sprechen Französisch. Aber auch Englisch ist weit verbreitet. Die Zeitdifferenz zur Mitteleuropäischen Zeit beträgt minus sechs Stunden. Für die Einreise wird ein mindestens noch sechs Monate gültiger Reisepass benötigt.

Anreise: Air Canada bietet täglich einen, von Juni bis Oktober zwei Direktflüge ab Frankfurt nach Montreal an. Informationen unter www.aircanada.com.

Bus und Bahn: In der Provinz Québec gibt es gut ausgebautes Bus- und Bahnnetz. Informationen über Strecken, Fahrpreise und Abfahrtszeiten erteilen Via Rail Canada (www.viarail.ca) und Orléans Express (www.orleansexpress.com).

Hotel Sacacomie, 4000, chemin Yvon-Plante, St-Alexis-des-Monts, Québec, Kanada JOK 1VO, Telefon: 00819-265-4444, Fax: 0819-265-4445, www.sacacomie.com. Das 1998 eröffnete Vier-Sterne-Holzhotel bietet je nach Größe und Ausstattung Zimmer mit Frühstück ab 118 Kanadische Dollar beziehungsweise mit Vollpension ab 140 Kanadische Dollar an. Im hoteleigenen Maison du Lac Restaurant kommt eine hervorragende regionale Küche mit einer Portion Pfiff auf den Tisch.

Lage: Sacacomie liegt inmitten eines 500 Quadratkilometer großen Areals am gleichnamigen See. Die nächstgelegene Stadt, Saint-Alexis-des-Monts, ist rund 14 Kilometer entfernt.

Anfahrt: Von Montreal ist Sacacomie über den Highway 40 East in Richtung Trois-Riviéres, dann von der Ausfahrt 166 Richtung Louisville und von dort weiter über Route 349 in nördlicher Richtung via Saint-Paulin und Saint-Alexis-des-Monts zu erreichen.

Wissenswert: Sacacomie verfügt über 109 Zimmer sowie 16 Veranstaltungsräume für bis zu 350 Personen. Das prächtige Holzhotel diente bislang in mehr als drei Dutzend Kinofilmen als Kulisse. Der Bogen spannt sich von Harry Potter und der Gefangene von Askaban und Dr. Doolittle über Babel mit Brad Pitt, Walk the line mit Reese Witherspoon und Der Aviator mit Leonardo DiCaprio bis hin zu My big fat Greek wedding und A midsummer nights dream mit Michelle Pfeiffer und Kevin Kline.

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