Parkhotel im Bernepark: Nachtlager im Abflussrohr

In Bottrop schauen die Gäste des Parkhotels nicht nur in die Röhre, sie nächtigen dort auch. (Foto GFDL)
In Bottrop schauen die Gäste des Parkhotels nicht nur in die Röhre, sie nächtigen dort auch. (Foto GFDL)

Irgendwie klingt es kurios. Jeder, der hier vorbeikommt, möchte unbedingt mal in die Röhre gucken. Viele möchten sogar noch einen Schritt weitergehen, und in der Röhre gleich eine ganze Nacht verbringen. Dabei muss der alles andere als fromme Wunsch nicht der Vater des Gedankens bleiben. Während der wärmeren Jahreszeit von Mai bis Oktober stehen die Übernachtungsstätten in den Abflussrohren im Bernepark im Bottroper Stadtteil Ebel Interessierten für maximal drei Nächte offen. Vorausgesetzt, man ergattert eine der begehrten Röhren des Parkhotels, die exklusiv über das Internet reserviert werden können.

Dabei ist das Online-Buchungssystem so einfach wie die Röhrenzimmer selbst: Auf der Homepage der Parkhotels, bei dessen Namensgebung die Lage Pate stand, finden Gäste einen Kalender, der in Sekundenschnelle anzeigt, an welchen Tagen noch Zimmer, oder besser gesagt, Röhren frei sind. Anschließend erhält der Gast den Zugangscode für eine der drei Meter langen Betonröhren per SMS.

Die begrünte, ehemalige Kläranlage verleiht dem Bernepark einen besonderen Charme. (Foto N. Sythen)
Die begrünte, ehemalige Kläranlage verleiht dem Bernepark einen besonderen Charme. (Foto N. Sythen)

Für den Fall, dass bei der Ankunft der Zugangscode wider Erwarten nicht (mehr) funktioniert oder verloren gegangen ist, gibt es für Gäste auch eine Notfallnummer, unter der man unkompliziert Hilfe anfordern kann. Denn eine Rezeption wie in einem „normalen“ Hotel gibt es nicht. Auch keine festen Preise. Jeder zahlt das, was er für richtig hält und hinterlässt den Betrag beim Gehen in der mit einem Doppelbett, Bettwäsche und Lampe ausgestatteten Röhre.

Die unverbindliche Empfehlung liegt bei 20 Euro pro Nacht. Schließlich müssen die Betreiber die Röhren nach der Nutzung reinigen, die Putzkraft entlohnen und etwaige kleinere Reparaturen durchführen lassen. Viel kann in den robusten Kanalröhren allerdings nicht kaputt gehen. Dazu ist die Ausstattung zu minimalistisch, was dem nicht gerade alltäglichen Schlafabenteuer aber keinen Abbruch tut.

Die Zimmer des Parkhotels liegen zwar nebeneinander und doch sind die Röhren sichtbar getrennt. (Foto GFDL)
Die Zimmer des Parkhotels liegen zwar nebeneinander und doch sind die Röhren sichtbar getrennt. (Foto GFDL)

Denn das Parkhotel versteht sich als Zuflucht für alle Alltagsflüchtlinge auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen. Entsprechend muss der Gast auf den einen oder anderen Standard, der in „normalen“ Hotels üblich ist, verzichten. Die Zimmer verfügen weder über Dusche noch über eine eigene Toilette. Auch einen Fernseher, eine Minibar, einen Internet-Ecke, einen Pool oder einen Wellness-Bereich sucht der Gast hier vergebens. Stattdessen steht für die menschlichen Bedürfnisse ein Toiletten-Container im angrenzenden Wäldchen hinter den Röhren bereit. Und das Restaurant im benachbarten Maschinenhaus des Berneparks befriedigt die kulinarischen Wünsche.

„Der Gast kann sich hier temporär, anonym und legal für ein paar Tage wegsperren“, erläuterte Künstler Andreas Strauss das Eigenverständnis bei der Einweihung des ersten Röhrenhotels Deutschlands im Jahre 2011. Der Österreicher hatte schon einige Jahre zuvor in seiner Heimat ein ähnliches Projekt realisiert. Das Röhrenhotel im österreichischen Ottensheim, das unweit des beliebten Donauradweges liegt, verfügt mittlerweile sogar über eine eigene Sanitärröhre mit Toilette und Dusche. Das Bottroper Parkhotel liegt auch an einem Radweg, dem entlang der Emscher. Dieser ist allerdings weniger stark frequentiert. Was die Chancen für Radfahrer erhöht, tatsächlich eine Nacht in der Röhre verbringen zu können.

Im Schatten der Emscher hat sich der Brennepark zu einem prächtigen Kleinod gemausert. (Foto GFDL)
Im Schatten der Emscher hat sich der Berneeepark zu einem prächtigen Kleinod gemausert. (Foto GFDL)

Die fünf Zimmer des Parkhotels verbergen sich in umfunktionierten, rund 11,5 Tonnen schweren Abflussrohren mit einem Durchmesser von 2,40 Meter. Hoch genug also, um auch für Zweimeterkerle die volle Stehhöhe zu garantieren. Zudem bieten die Röhren genügend Stauraum für das Gepäck.
Durch ein Bullauge im Dach funkeln in klaren Nächten die Sterne. Und wenn es mal etwas kälter wird, freut sich der Gast, wenn hier morgens die ersten warmen Sonnenstrahlen durchdringen. Denn eine Heizung haben die Röhren nicht. Dafür liegen aber genügend Decken selbst für Friesepitter bereit.

Außen wie innen bestechen die Kanalrohre also durch eine einfache Gestaltung. Dafür gibt die geöffnete Tür den Blick frei auf die kreisrunden Becken einer stillgelegten Kläranlage. Diese wurde von den Landschaftskünstlern Piet Oudolf und Eelco Hooftman in einen märchenhaften Park umgestaltet. Eines der Klärbecken wurde mit Hilfe von 21.000 Stauden und Gräsern in ein grünes Amphitheater verwandelt, das andere dient als Goldfischteich. Nur das Rauschen der nahe gelegenen Autobahn A2 und das gelegentliche Rattern von Zügen stört ein wenig die Idylle in der grünen Oase an der Emscher.

Informationen: Parkhotel, Bernepark, Ebelstraße, 46242 Bottrop, www.dasparkhotel.net und www.bernepark.de