Von 9. April 2016 Mehr →

Naturparkweg im Land der ungezählten Seen

Dieschönsten Seiten von Mecklenburg-Vorpommern - wie hier die Feldsteinkirche in Kirchkogel - erschließt der Naturparkweg. (Foto Martin Simon)

Dieschönsten Seiten von Mecklenburg-Vorpommern – wie hier die Feldsteinkirche in Kirchkogel – erschließt der Naturparkweg. (Foto Martin Simon)

Ein erdgeschichtlich junges Land ist die deutsche Ostseeküste mit ihrem Hinterland. Vor nur rund 15.000 Jahren wurde es von einem kilometerdicken Eispanzer überdeckt. Die vorrückenden Gletscher formten mit den aus Skandinavien herangeschobenen Schuttmassen Inseln, Bodden, Haff und Nehrung. Die einzigartige Seenlandschaft entstand beim Rückzug des Eises. So spülten beispielsweise Schmelzwasser gewaltige Rinnen aus, in denen sich später Seen bildeten. Am häufigsten sind sogenannte Toteisseen oder Sölle.

Vom zurückweichenden Gletscher abgebrochene, kleinere und auch riesige Eisbrocken blieben liegen und wurden unter der Eisdecke in den Grund gedrückt. Mit Schutt überdeckt überdauerten sie vor Sonne geschützt die Zeit der Schmelzwasserflüsse, tauten dann auf und bildeten die Hohlformen für die Seen.

Traumhafte Aussichten entlang des Naturparkweges: die Landschaft bei Eickelberg. (Foto Martin Simon)

Traumhafte Aussichten entlang des Naturparkweges: die Landschaft bei Eickelberg. (Foto Martin Simon)

Mitten durch das Seenland, das sich von Brandenburg bis nach Kiel erstreckt, zieht sich ein Wanderweg, der durchaus auch zum Radfahren taugt. Einstellen müssen sich Radfahrer allerdings auf ein gemächliches, im eigentlichen Wortsinne zu verstehendes Radwandern. Insbesondere in den Kernbereichen der durchkreuzten Naturparks sind die Wege nur in Ausnahmefällen befestigt.

Konzipiert ist der Weg als Inlandsvariante zum Mecklenburg-Vorpommernschen Abschnitt des Europäischen Fernwanderwegs E9 (Küstenweg). In Farchau bei Ratzeburg (Schleswig-Holstein) zweigt der E9A als Alternative ab. Durch den Naturpark Lauenburgische Seen erreicht er das heutige Grüne Band und überquert hier die historische, innerdeutsche Grenzlinie zum Biosphärenreservat Schaalsee hin.

Das Schloss Basedow gehört zu den bedeutendsten Schlossanlagen in Mecklenburg-Vorpommern. (Foto Martin Simon)

Das Schloss Basedow gehört zu den bedeutendsten Schlossanlagen in Mecklenburg-Vorpommern. (Foto Martin Simon)

Mecklenburg-Vorpommern durchquert der Weg von West nach Ost, bis es nicht mehr weiter geht, es sei denn man nimmt das Schiff. Das Fischerdorf Altwarp, am Stettiner Haff gelegen ist Ziel des Weges. Vier weitere, großartige Naturparks durchläuft der Weg. Das hat ihm das Attribut Naturparkweg eingebracht.

Wer will kann hier rund 400 Wanderkilometer als Steckenwanderung absolvieren, sich aber auch die schönsten Abschnitte aussuchen. Die einsame Schaalseeregion beispielsweise, oder das beliebte Schweriner Seenland, die Sternberger Seen mit Goldsee und Wariner Land gelten als Geheimtipp. Bei Krakow am See kann, wer Glück hat, den Seeadler erleben. In der Mecklenburgischen Schweiz erreichen die Endmoränen Höhen von über 100 m.

Zwischenzeitlich scheint man sogar im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Holzweg - wie an dieser Brücke über die Warnow. (Foto Martin Simon)

Zwischenzeitlich scheint man sogar im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Holzweg – wie an dieser Brücke über die Warnow. (Foto Martin Simon)

Es locken aber nicht nur die ungezählten Seen. Auch die kleinen Flüsschen wie Mildenitz, Warnow und Nebel mit ihren Durchbruchstälern, die großen Waldgebiete, die Moore und Heiden, die seltene Flora und Fauna bereichern den Weg. Ebenso zahlreich wie die Seen scheinen die Dörfer mit Kirchen aus Feldstein und Ziegeln, die oft noch aus der Zeit der ersten christlichen Besiedlung stammen, zu sein.

Ein grünes Netz aus Alleewegen durchzieht das Land. Rund 2.500 Kilometer sollen es in Mecklenburg-Vorpommern sein. Viele sind bis zu 250 Jahre alt und kennzeichnen die alten Wege übers Land. Sie führen zu Gutshofanlagen, zu Schlössern und ihren Parks, als Kastanienallee aus dem Wald oder sie verbinden die Dörfer mit schattigen, grünen Tunneln.

Fraßschäden an den Bäumen in Warnowtal zeugen davon, dass hier Biber heimisch sind. (Foto Martin Simon)

Fraßschäden an den Bäumen in Warnowtal zeugen davon, dass hier Biber heimisch sind. (Foto Martin Simon)

Spannende Städte liegen am Weg. Die Landeshauptstadt Schwerin ist die älteste Stadtgründung Mecklenburgs und schon nach drei Wandertagen erreicht. Ein Abstecher könnte in die zum Welterbe zählende Altstadt der Hanse- und Hafenstadt Wismar führen. Als Herausragend ist noch die Barlachstadt Güstrow zu nennen.

Wer will ergänzt die Tour mit Ausflügen auf dem Wasser. See- und Flusslandschaften fordern dazu heraus. An vielen Orten lassen sich Boote leihen. Eine Kanutour durch eines der urwaldähnlichen Durchbruchstäler ist ein echtes Abenteuer. Beschaulicher kann man sich auf der Tollense treiben lassen und dabei den Störchen bei der Futtersuche zusehen.

Wildromantische "Waldskulpturen" im Nebel Durchbruchstal. (Foto Martin Simon)

Wildromantische „Waldskulpturen“ im Nebel Durchbruchstal. (Foto Martin Simon)

Wer am Ziel des Weges das Haff in Altwarp erreicht hat, könnte meinen, aus der Welt gefallen zu sein. „Waldmeer, Sandmeer, gar nichts mehr“, betitelt eine junge Bewohnerin den Flecken. So oft wie möglich setzt sie sich nach Berlin ab. Wer der nahen Großstadt entflohen ist, findet in dem Fischerdorf Altwarp ihr Gegenteil, verbunden mit einer ausreichenden touristischen Infrastruktur, Pensionen, Ferienwohnungen, Fischrestaurants und einen kleinen Supermarkt. Oder er zieht doch weiter und schippert über das Haff, nach Kamminke oder Swinemünde auf Usedom.

Weiter Informationen auch unter www.auf-nach-mv.de

NaturparkwegBuchtipp: Naturparkweg E9A von Ratzeburg nach Altwarp

Autor Martin Simon hat den Naturparkweg auf Schusters Rappen durchkämmt und das Ganze unter dem Titel Naturparkweg E9A von Ratzeburg nach Altwarp (978-3-86686-431-3) zu einem Wanderführer verarbeitet, der im Conrad Stein Verlag erschienen ist. Auf 192 Seiten, die mit 56 Abbildungen illustriert sind, beschreibt Simon detailliert und kenntnisreich die Inlandsvariante des Europäischen Fernwanderwegs E9 führt der Naturparkweg quer durch Mecklenburg-Vorpommern von Ratzeburg nach Altwarp.Auch Tipps für die Reiseplanung, Unterkunft und Verpflegung fehlen nicht.

Erhältlich ist Naturparkweg E9A von Ratzeburg nach Altwarp (978-3-86686-431-3)  von Martin Simon für 14,90 Euro im Buchhandel oder direkt beim Conrad Stein Verlag.