Von 17. April 2016 Mehr →

Kärnten – sonnenreicher Schatz an der Südseite der Alpen

Herrliches Badevergnügen verspricht in Kärnten wie hier der Turnersee. (Foto Daniel Zupanc)

Herrliches Badevergnügen verspricht in Kärnten wie hier der Turnersee. (Foto Daniel Zupanc)

Kerstin und ich sitzen auf einer Wiese, die mit blühendem Löwenzahn bedeckt ist. Um uns herum summt und zwitschert es. Frisch gemähtes Gras duftet mit den -ersten Sommerblumen um die Wette. Der Blick ins Tal trifft auf das fast unwirkliche Blau des 
Millstätter Sees. Meine Freundin und ich gönnen uns ein paar Tage in einer kleinen, urigen Pension nahe dem tiefstem See in Kärnten. Er wird gerahmt von den Nockbergen, die als Biosphärenpark ausgezeichnet sind.

Entlang des Alpe-Adria-Trails lässt sich wie hier bei Heiligenblut herrlich wandern. (Foto Franz Gerdl)

Entlang des Alpe-Adria-Trails lässt sich wie hier bei Heiligenblut herrlich wandern. (Foto Franz Gerdl)

Um den See herum führen ambitionierte Wanderrouten über die Alpenlandschaft, die hier terrassenförmig verläuft. Wir haben den mittelschweren Enzian-Granat-Steig gewählt. Die Tour beginnt bei der Lammersdorfer Hütte, in der sich Wanderer mit Schmankerln wie hausgemachten Mirnockaugen stärken können – einem Gebäck mit Marmeladenklecks in der Mitte.

Weiter geht es durch das größte Vorkommen des „Feuersteins der Liebe“ im europäischen Raum. Der Granat ist hier allgegenwärtig – zum Beispiel in den Pfeilern des Granattores, das hoch oben auf einer Bergkuppe thront. Hier angekommen, genießt man ein fantastisches Panorama mit grünen Almen, dem See und den schneebedeckten Gipfeln der nahen -Dreitausender. Davon gibt es in Kärnten ganze 93 Stück.

Mit 3.798 Metern ist der Großglockner auch der höchste Berg Österreichs. Wer diesen nicht zu Fuß erklimmen, aber dennoch einen atemberaubenden Ausblick genießen möchte, wählt den Weg über die Großglockner Hochalpenstraße. Sie gehört zu Österreichs beliebtesten Ausflugszielen.

Unser Weg führt uns heute nur bis hinauf auf den Lammersdorfer Berg mit 2.063 -Metern Höhe. Kerstin und ich sind ganz bezaubert von dem mediterran warmen Klima. Kärnten liegt nahe des Mittelmeeres, am Südbalkon der -Alpen. Der Alpenhauptkamm wirkt dabei für die Region im Dreiländereck Österreich, Slowenien und Italien wie ein Schutz vor Schlechtwetter-Fronten. Daher überwiegt hier ein überdurchschnittlich mildes Klima mit viel Sonne. Hungrig vom Aufstieg packen wir den Alm-käse und das frisch gebackene Brot aus, das unsere Gastgeberin uns heute früh eingepackt hat. Es schmeckt nach purem Sommer.

Traum für Sonnenhungerige: der Millstätter See. (Foto Edward Gröger)

Traum für Sonnenhungerige: der Millstätter See. (Foto Edward Gröger)

Kärntens Motto? „Genussvoll leben. Gelassen genießen.“ Und das fällt hier tatsächlich leicht. Denn die Landschaft strotzt nur so vor saftigen Wiesen, dichten Mischwäldern, weizengelben Feldern, kleinen Apfelplantagen – und einer Vielzahl an wunderschönen Badeseen. Der Millstätter See wird nicht umsonst das „Juwel Kärntens“ genannt. Daneben gibt es aber unzählige kleine Seen – und 14 ganz große.

Beliebtes Ausflugsziel in Kärnten: die Burg Hochosterwirt. (Foto Franz Gerdl)

Beliebtes Ausflugsziel in Kärnten: die Burg Hochosterwirt. (Foto Franz Gerdl)

Das Wasser des 19,39 Quadratkilometer großen Wörthersees beispielsweise wird im Sommer bis zu 27 Grad Celsius warm. Hier genießen Gäste an lauen Sommerabenden rund um den See wahlweise Partyleben und Events – oder Abgeschiedenheit und Ruhe. Am Faaker See kann man im Kanu durchs Schilf am Ufer -paddeln. Außer dem Inseltaxi sind auf diesem See keine Motorboote erlaubt.

Eine Kunstmeile und über 1.000 Kilometer bestens -gepflegte Radwege bereichern die Region Klopeiner See – Südkärnten. Und am zehn Kilometer langen Ossiacher See freuen sich -Surfer und Segelfreunde über gute Windbedingungen.

In den verträumten Orten mitten in den Bergen kann man Urlaub auf Bauernhöfen machen. Besonders für Kinder ist dies ein absolutes Paradies mit jeder Menge Abenteuer-Potenzial. Von Ponyreiten über Kletterkurse bis hin zu Geocatching-Touren gibt es viel zu erleben. Ein Extra-Schmankerl für Sport-Fans: Während man im Frühling in den Bergen noch Skifahren kann – beispielsweise im Skigebiet Großglockner Heiligenblut im Nationalpark Hohe Tauern und Mölltaler Gletscher – ist es unten im Tal schon grün, und die Temperaturen sind zum Wandern gerade richtig. Wer mag, packt also Skier und Wanderstiefel ins Reise-Gepäck.

Kerstin und ich genießen am nächsten Tag das mediterrane Flair von Klagenfurt. Bei einem Bummel durch die Altstadt gibt es viele historische Baudenkmäler zu entdecken – unter anderem das Rathaus, das Bambergerpalais und die Pestsäule.

Herrliche An- und Aussichten garantiert der Pyramidenkogel. (Foto Tine Steinthaler)

Herrliche An- und Aussichten garantiert der Pyramidenkogel. (Foto Tine Steinthaler)

Die kulturellen Einflüsse Sloweniens und Italiens schwingen in Kärntens Hauptstadt nicht nur in der Architektur und im Lebensgefühl mit – sondern auch in der Kulinarik. Und so bestellen wir uns im altehrwürdigen Restaurant Oscar ein hervorragendes Weißweinrisotto – und danach hausgemachte Palatschinken mit Marillenmarmelade.

Um die regionale Kulinarik erfahrbar zu machen, ist in Kärnten derzeit eine neue Bewegung auf dem Vormarsch: Slow Food. -Gäste sollen sehen, riechen, schmecken und fühlen können, dass regionale Speisen einen unschätzbaren Wert darstellen. Vorreiter sind dabei das Gailtal und das Lesachtal.

Unter dem Motto „Slow Food Travel Alpe Adria“ zeigen Bauernhöfe, Imkereien, Restaurants und andere Betriebe, wie saubere und fair produzierte Lebensmittel hergestellt werden. Dabei können Besucher beispielsweise  an Brotback-Kursen auf den Bauernhöfen im Lesachtal teilnehmen.

In Millstatt findet sich einer der schönsten Golfplätze in Kärnten. (Foto Tine Steinthaler)

In Millstatt findet sich einer der schönsten Golfplätze in Kärnten. (Foto Tine Steinthaler)

Oder bei einer Führung über Sepp Brandstätters Hof. Der Landwirt pflanzt in Würmlach weißen Gailtaler Landmais an – eine alte Maissorte, die hervorragend ohne Gentechnik gedeiht. Kochworkshops mit weißem Landmais werden bei den von Slow Food ausgezeichneten Restaurants von Haubenköchin Sissi Sonnleitner in Mauthen und von Gudrun Daberer im Gasthof Grünwald in St. Daniel angeboten.

„Es geht um die Sehnsucht nach dem Ursprünglichen, die wir stillen können. Wir freuen uns, mit dieser Region die weltweit erste Slow Food Travel Destination zu sein“, so Christian Kresse, Geschäftsführer der Kärnten Werbung.

Regionales Essen hat in Kärnten seit Urzeiten einen besonderen Stellenwert. Dies zeigt auch der Verband der „Seminarbäuerinnen“. Die Bäuerinnen geben in Schulen und auf Anfrage Koch- und Back-Kurse. Da gibt es beispielsweise Wildkräuterseminare oder einen Kurs für traditionelle Backrezepte.

Türkisblau und einladend: der Klopeinersee. (Foto Daniel Zupanc)

Türkisblau und einladend: der Klopeinersee. (Foto Daniel Zupanc)

Ingrid Hartl ist schon lange bei den „Seminarbäuerinnen“ dabei und erzählt, wie begeistert besonders Kinder von den Kursen sind: „Ich glaube, dass Kinder eine große Sehnsucht nach Natur, Freiheit und echtem Leben haben. Diese Werte können wir als Bäuerinnen sehr gut vermitteln“.

An unserem letzten Abend sitzen -Kerstin und ich bei einem Glas Riesling auf den Hügeln wieder über dem Millstätter See. Das Wasser schimmert geheimnisvoll und friedlich in der Dämmerung. Unser Resumee: Kärnten birgt nicht nur etliche positive Überraschungen. Die Harmonie zwischen den freundlichen, authentischen Menschen und der Natur mit ihrer ursprünglichen Schönheit ist der größte Schatz dieses Stückchens Erde.

Beliebt am Wörthersee: Stand-up-Paddling.

Beliebt am Wörthersee: Stand-up-Paddling. (Foto Kärnten Werbung)

Informationen: 
www.kaernten.at

Beste Reisezeit: 
April bis September (zum 
Wandern, Mountainbiken etc.) 
und Dezember bis April (zum Skifahren, Snowboarden etc.).

Anreise: 
Direktflüge mit der Germanwings nach Klagenfurt am Wörthersee von Berlin, Hamburg und Köln.

Tipp: 
Mit der Kärnten Card haben Gäste freien Eintritt zu 100 Ausflugszielen, ermäßigten Eintritt bei rund 
60 Freizeit-Attraktionen sowie 
50 Prozent Rabatt für Bus und Bahn. 
Mehr Infos unter www.kaerntencard.at.

Kärntense Küche besticht durch eine enorme kulinarische Bandbreite. Dabei dürfen Kasnudeln nicht fehlen. (Foto Franz Gerdl)

Kärntense Küche besticht durch eine enorme kulinarische Bandbreite. Dabei dürfen Kasnudeln nicht fehlen. (Foto Franz Gerdl)

Essen & Trinken: 
Traditionelle Gerichte sind Kasnudeln, Reindling (Hefe-
kuchen gefüllt mit Zimt und Rosinen), Fisch aus heimischer Zucht (z. B. Kärntner Laxn)

Sehenswert: 
Landeshauptstadt Klagenfurt; Aussichtsturm Pyramidenkogel; Erlebniswelt Granatium in Radenthein; Biosphärenpark Nockberge; Obir-Tropfsteinhöhlen in Bad Eisenkappel; Großglockner Hochalpenstraße; Goldeck Panoramastraße; Wassererlebnispark Fallbach.

Unbedingt machen: 
Die Walderlebniswelt in 
St. Kanzian besuchen. Beim mittelalterlichen Burgbau in Friesach zusehen. Wassersport, 
beispielsweise auf dem Millstätter-, 
Faaker- oder Wörthersee.


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