„Hernetisch“ abgeriegelt – Kassel ist Deutschlands Unfallhochburg Nummer eins

Bundesweit ereignen sich auf Kassels Straßen die meisten Unfälle mit Personenschaden  - in Herne hingegen die wenigsten
Bundesweit ereignen sich auf Kassels Straßen die meisten Unfälle mit Personenschaden – in Herne hingegen die wenigsten.

Na, das ist mal eine abgefahrene Neuigkeit, die jetzt ein Lifestylemagazin für Männer verbreitet, das sich in seinem englischen Namen der Gesundheit des Mannes verschrieben hat. Und um diese geht es indirekt auch. Nach Auswertung von Daten der Statistischen Landesämter zeigte die Postille, die mit ihren 40 nationalen Ausgaben nach eigenen Angaben 25 Millionen Leser erreicht, auf, in welchen deutschen Großstädten die größten Gefahren auf den Straßen lauern. Dabei konzentrierte sich das Zahlenwerk ausschließlich auf die 50 größten Metropolen des Landes und auf Unfälle mit Personenschäden. Und siehe da, das gefährlichste Pflaster im Land des amtierenden Formel-Eins-Weltmeisters ist Kassel. Mit 6,73 Unfällen je 1000 Einwohner ist die hessische Kommune das traurige Schlusslicht im Ranking.

Über die Ursachen kann natürlich nur spekuliert werden. Zum einen liegt der Verdacht nahe, dass alle Menschen, die sich zufällig in die 192.000-Seelen-Gemeinde in Nordhessen verirrt haben, gar nicht schnell genug dort wieder weg kommen können. Das ändert sich nur alle fünf Jahre, wenn Kassel im Rahmen der documenta für jeweils 100 Tage die weltweit bedeutendste Reihe von Ausstellungen für zeitgenössische Kunst abhält. Dann strömen vermutlich so viele Besucher nach Kassel, das es auf den Straßen einfach knallen muss. Vielleicht liegt es auch daran, dass in Kassel niemand richtig Autofahren kann – einen Flughafen betreiben können die Menschen dort ja schließlich auch nicht.

Umso erstaunlicher mutet hingegen an, dass Herne mit 3,16 Unfällen je 1000 Einwohner vor Rostock (3,60) und Bochum (3,61) die mit Abstand sicherste Großstadt in Deutschland ist. Für den Bielefelder Verkehrssoziologen Christian Lasse Mevert legen die Zahlen nahe, „dass die Verkehrsteilnehmer in Herne mit Umsicht agieren“. Gleichzeitig betont der Experte aber auch, „dass das Herner Straßennetz mit weniger Bundesstraßen als in Kassel für das gute Ergebnis verantwortlich ist“. Womit also klar sein dürfte, dass Bundesstraßen in Wirklichkeit die Bösen sind und nicht etwa unachtsame Autofahrer. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass viele gar nicht genau wissen, wo Herne überhaupt liegt, geschweige denn, was sie dort überhaupt sollten. Vielleicht wird die Stadt aber auch „hernetisch“ abgeriegelt, um wenigstens in einem bundesweit Spitze zu sein.