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Von 29. Mai 2018 Mehr →

Hannover vom Kanu aus entdecken

Niedersachsens Landeshauptstadt Hannover lässt sich - wie hier auf der Ihme - auch wunderbar vom Wasser aus entdecken. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Niedersachsens Landeshauptstadt Hannover lässt sich – wie hier auf der Ihme – auch wunderbar vom Wasser aus entdecken. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Das satte Grün der Wiese, das knallige Orange der Schwimmwesten und das Blau der Boote bilden einen farbigen Kontrast zum braunen Wasser. Mit zwei, drei beherzten Griffen wird der Kanadier an der kleinen Steintreppe unterhalb des Leine Wehrs in den Schnellen Graben gesetzt. Mit dem Fuß wird das Kanu noch leicht vom Ufer abgestoßen und schon schwimmt es im gemächlichen Tempo den Schnellen Graben hinunter. Ein perfekter Einstieg in eine faszinierende Entdeckungstour durch Niedersachsens Landeshauptstadt Hannover auf dem Wasserweg.

Viel Betrieb auf der Wasserstraße

Für die Paddeltour auf Ihme und Leine sind keine Vorkenntnisse notwendig. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Für die Paddeltour auf Ihme und Leine sind keine Vorkenntnisse notwendig. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Mit dem mehr oder weniger gleichmäßigen Einsatz der Stechpaddel entfernt sich das Boot zunehmend vom Wasserkraftwerk am Wehr und läutet zugleich den Beginn der gut dreieinhalbstündigen Rundfahrt ein. Kurz nachdem rechte Hand hinter einer Wiese die markant silberig-blaue Silhouette der Jugendherberge in den Blick fällt, geht der schmale Graben in die fast 30 Meter breite Ihme über. Und plötzlich herrscht auf der Wasserstraße jede Menge Betrieb. Ein paar Ruderer hier, ein paar Kanuten da und dazwischen ein halbes Dutzend Stand-up-Paddler.

Auf der Kanutour fällt der Blick auch immer wieder auf das schmucke Neue Rathaus im Maschpark. (Foto Karsten--Thilo Raab)

Auf der Kanutour fällt der Blick auch immer wieder auf das schmucke Neue Rathaus im Maschpark. (Foto Karsten–Thilo Raab)

Die rückwärts fahrenden Ruderer sind wenig angetan vom Slalomkurs der meisten Kanus. Doch insbesondere in den Kanadiern tummeln sich überwiegend Novizen, die zum ersten Mal paddelnd unterwegs sind und nicht gerade als Steuerfachleute einzustufen sind. Das bekommt auch der Angler zu spüren, der ein wenig mürrisch aufschreit, als er die ausgeworfene Schnur auf Kollisionskurs mit einem Paddelboot sieht.

Europas größtes Betonfundament

Entlang der Kanustrecke legt Hannover ein überraschend grünes Gesicht an den Tag. (Foto Jan Skrobotz)

Weniger später ist mit dem Ihme-Zentrum einer der wohl größten und wohl auch hässlichsten Betonklötze Europas im Stadtteil Linden-Mitte erreicht. Die Bausünde aus der ersten Hälfte der 1970er Jahre wird im Norden und Süden von 22-stöckigen Wohnhochhäusern eingerahmt. Eingekeilt dazwischen türmen sich zwei langgestreckte fünf- und sechsstöckige Blöcke mit Wohnungen auf. Eine durchgängige Ladenpassage mit einer Verkaufsfläche von 60.000 Quadratmetern durchzog die „Stadt in der Stadt“. Doch längst sind nahezu alle Ladengeschäfte verwaist.

Die Bar Strandleben am Zusammenfluss von Leine und Ihme lädt zu einer Pause ein. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Die Bar Strandleben am Zusammenfluss von Leine und Ihme lädt zu einer Pause ein. (Foto Karsten-Thilo Raab)

In der gigantischen Betonburg, die sich einst rühmen durfte, aus dem größten gegossenen Betonfundament Europas zu bestehen und Wohnraum für bis zu 3.000 Menschen zu bieten, gibt es heute mit den Stadtwerken und Teilen der Stadtverwaltung von Hannover nur zwei größere Mieter. Nur einen Steinwurf entfernt ragen die Schornsteine des Heizkraftwerks Linden in den Himmel.

Ländliche Idylle in der Landeshauptstadt

Der kleine (künstliche) Strand am Zusammenfluss von Leine und Ihme sorgt für etwas Karibikflair. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Der kleine (künstliche) Strand am Zusammenfluss von Leine und Ihme sorgt für etwas Karibikflair. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Ein paar Paddelschläge später herrscht an beiden Ufern der Ihme wieder ländliche Idylle. Nichts ist von der Hektik und dem Lärm der 530.000-Seelen-Gemeinde zu spüren. Im Gegenteil – üppiges Grün, Bäume, Wiesen und Felder soweit das Auge reicht. Und dies mitten in Hannover.

Einer der schönsten Streckenabschnitte führt durch die alenberger Neustadt. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Einer der schönsten Streckenabschnitte führt durch die alenberger Neustadt. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Auf einmal sind Lounge-Musik und Gelächter zu hören. Dort, wo die Ihme und die Leine zusammenfließen, taucht eine große Sandfläche auf. Sonnenschirme, Liegestühle und eine Bar aus rot-gestrichenem Holz bilden das „Strandleben“. Mit Cocktails in der Hand tummeln sich hier mehre Dutzend Sonnenanbeter. Einige tauchen die nackten Füße ins Wasser. Im Schatten der Uferbäume herrscht ein wenig Karibikflair – nur ohne Palmen. Der perfekte Ort, um das Paddel für einen Moment mit einem kühlen Drink zu tauschen und den Ausblick auf die beide Stadtflüsse zu genießen.

Malerische Calenberger Neustadt

Nanas von Niki de Saint Phalle zoeren die vom Boot aus sichtbare Skulpturenmeile. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Nanas von Niki de Saint Phalle zoeren die vom Boot aus sichtbare Skulpturenmeile. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Nach dem Stranderlebnis geht es flussaufwärts durch die Calenberger Neustadt in Richtung Innenstadt. Die für motorisierte Wasserfahrzeuge gesperrte Leine schlängelt sich vorbei an schmucken alten Häusern, unter zahlreichen Brücken und schattenspendenden Bäumen hindurch. Weiden lassen ihre dicht bewachsenen Äste in den Flussarm baumeln, kleine Holzboote sind an hölzernen Stegen vertäut. Und es herrscht fast atemlose Stille. Ein paar Vögel zwitschern – ansonsten ist nur das Geräusch der Paddel zu vernehmen.

Auf der Leine geht es gemächlich Richtung innenstadt. (Foto Ulrike Katrin Peters)

Auf der Leine geht es gemächlich Richtung innenstadt. (Foto Ulrike Katrin Peters)

Nach einigen Kurven geht es fast schnurgerade am Leibnizufer entlang. Über die Grasböschung dringen die Motorengeräusche des achtspurigen Innenstadtrings, während drei Nanas von Niki de Saint Phalle auf der so genannten Skulpturenmeile für poppige Blickfänge sorgen.

Schiebung pur am Landtag

Vor dem Beginenturm am Historischen Museum müssen die Boote aus dem Wasser geholt werden. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Vor dem Beginenturm am Historischen Museum müssen die Boote aus dem Wasser geholt werden. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Wenig später ist mit dem gut erhaltenen Beginenturm am Historischen Museum ein Rest der mittelalterlichen Verteidigungsanlage erreicht. An dem kleinen Steg am gegenüberliegenden Ufer muss die Fahrt unterbrochen werden. Der Kanadier wird aus dem Wasser gehievt und auf ein kleines Klappwägelchen, das im Boot unter den Sitzen schlummerte, geladen.

Der Beginenturm am Historischen Museum gehört zu den markanten Blickfängen auf der Kanutour. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Der Beginenturm am Historischen Museum gehört zu den markanten Blickfängen auf der Kanutour. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Nun wird die Paddeltour zum Duathlon. Denn es gilt, eine Staustufe zu umgehen. Daher muss das Boot über das Hohe Ufer vorbei am Landtag und unter einer Unterführung am Friedrichswall hindurch geschoben werden, ehe es wieder über einen Holzsteg gewässert werden kann.

Schlossähnlicher Prachtbau im Maschpark

Zu Fuß mit dem Boot auf einem Wägelchen geht es am Landtag vorbe. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Zu Fuß mit dem Boot auf einem Wägelchen geht es am Landtag vorbe. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Der Endspurt beginnt mit einem Blick auf das prächtige Neue Rathaus. Der schlossähnliche Prachtbau inmitten des Maschparks wurde zwischen 1901 und 1913 im eklektizistischen Stil errichtet. Ein paar Kurven und ein paar Paddelschläge später wartet noch einmal ein jäher Kontrast unter einer Brücke, wo sich einige Obdachlose mit Hilfe blauer Planen eine Behelfsunterkunft als Schlafplatz eingerichtet haben. Mit Dosenbier in der Hand kauern sie um eine Feuerstelle und erwidern die neugierigen Blicke mit freundlichem Winken.

An einer kleinen Treppe wird das Boot wieder in die Leine umgesetzt. (Foto Karsten-Thilo Raab)

An einer kleinen Treppe wird das Boot wieder in die Leine umgesetzt. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Parallel zum Maschsee, dem innerstädtischen Naherholungsgebiet in Hannover, geht es nach gut neun Kilometern auf Ihme und Leine zurück Richtung Startpunkt am Wehr unterhalb des Ferdinand-Wilhelm-Fricke-Wegs.Ein Entenfamilie kreuzt aufgeregt schnatternd die Fahrroute, ehe sich die faszinierende Stadttour aus der Enten-Perspektive dem Ende nähert.

Wissenswertes auf einen Blick

Auch für Nacwuchs-Entdecker ist die Kanutour geeignet. (Foto Ulrike Katrin Peters)

Auch für Nacwuchs-Entdecker ist die Kanutour geeignet. (Foto Ulrike Katrin Peters)

Allgemeine Informationen: www.hannover.de/Tourismus

Kanuverleih: Bootsverleih am Allerhorn. Sowohl Einer- und Zweier-Kajaks als auch Kanadier können für 18 Euro für Erwachsene bzw. 12 Euro für Kinder und Jugendliche geliehen werden. (Kajaks mit Aufschlag von 5 Euro pro Boot). Die Bootsausgabe erfolgt täglich zwischen 10.30 und 15 Uhr auf der großen Wiese am Ferdinand-Wilhelm-Fricke-Weg, 30169 Hannover, die Rückgabe bis 18.30 Uhr oder nach Absprache

Am Ferdinand-Wilhelm-Fricke-Weg stehen die Boote nach Absprache bereit. (Foto karsten-Thilo Raab)

Am Ferdinand-Wilhelm-Fricke-Weg stehen die Boote nach Absprache bereit. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Weser-Erlebnis. Kanadier werden für 20 Euro pro Person, Kinde bis zwölf Jahren für 12 Euro, angeboten. Treffpunkt ist ebenfalls am Ferdinand-Wilhelm-Fricke-Weg.

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