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Gut für Gänsehaut – auf Geisterjagd in Louisiana

Im Herbst präsentiert sich Louisiana gerne von seiner charmant gruseligen Seite - und dies nicht nur zu Halloween. (Foto Paul Broussard)

Im Herbst präsentiert sich Louisiana gerne von seiner charmant gruseligen Seite – und dies nicht nur zu Halloween. (Foto Paul Broussard)

Unerklärliche Geräusche, geisterhafte Schatten, ein kalter Lufthauch, Gegenstände, die sich bewegen – solche oder ähnliche Phänomene finden sich in beinahe jedem historischen Gebäude, Herrenhaus oder Friedhof in Louisiana. An einigen Orten gibt es nur einen Geist, andere verfügen über eine lange Liste an übernatürlichen Erscheinungen. Gerade im Herbst, wenn es draußen dunkel ist und der Nebel sich über Straßen und Häuser legt, sorgt ein bisschen wohliges Gruseln für die passende Stimmung. Für alle Spuk-Fans nachstehend eine Übersicht über die interessantesten unheimlichen Aktivitäten in New Orleans und Louisiana:

St. Louis Cemetery No. 1, New Orleans

Prädestiniert für Spukgeschichten jeglicher Art sind zweifellos Friedhöfe. Der St. Louis Cemetery No. 1 in New Orleans bildet da keine Ausnahme – im Gegenteil. Das Grab der bekanntesten Voodoo Queen von New Orleans, Marie Laveau, das sich hier befindet, ist unschwer zu verfehlen: Zahlreiche ihrer Anhänger haben hier Gaben niedergelegt und die Gruft mit drei „X“ gekennzeichnet, ein Ritual, in der Hoffnung, ihre Wünsche erfüllt zu bekommen. Laveau ist nur eine von vielen bekannten Personen, die hier auf dem ältesten Friedhof von New Orleans ihre letzte Ruhe gefunden haben – oder auch nicht…, zumindest, wenn man den zahlreichen Geschichten Glauben schenken darf.

Vor allem die Friedhöfe in Louisiana sind Schauplatz so mancher Geistergeschichte. (Foto Chris Granger)

Entstanden ist der nahe des French Quarters gelegene Friedhof im Jahr 1789. Die Ruhestätte umfasst lediglich einen Häuserblock, dennoch sollen hier mehr als 100.000 Menschen begraben sein, von denen allerdings viele noch ihr Unwesen auf dem Friedhof treiben. Für ein wenig Gänsehaut und Insiderwissen empfiehlt sich eine geführte Friedhofs-Tour, denn ohne offizielle Führung erhalten Besucher hier keinen Zugang.

Arnaud’s Restaurant, New Orleans

Elegantere Geister als die im hochklassigen Restaurant Arnaud’s wird man nur schwer finden. Stilgerecht in einen Smoking gekleidet, ist Count Arnaud selbst häufig im Hauptspeisesaal zu Gast und erfreut sich an den Gästen und der Atmosphäre im Restaurant. Andere Besucher erzählen von einer Frau mit Hut, die durch den Saal spaziert und dann durch eine Wand verschwindet, wohl um eine Treppe nach oben zu steigen, die dort einst zu sehen war. Auch über eine Gruppe gut gekleideter Gentlemen, die sich nach Geschäftsschluss an der Bar aufhalten, wird häufiger berichtet. Aber abgesehen von kleineren Schrecken, die die geisterhaften Erscheinungen immer mal wieder unter der Belegschaft verursachen – was häufig im Sturz eines Tabletts resultiert – sind die Gespenster im Arnaud’s freundlich und komplettieren den Charme dieses historischen Betriebes.

Myrtles Plantation, St. Francisville

Reich geschmückte Häuser stimmen allerorten auf Halloween ein. (Foto Paul Broussard)

Es heißt, dass die übernatürlichen Erscheinungen auf dieser Plantage ihren Ursprung in der Sklavin Chloe haben, die bestraft wurde, weil sie die Hausherren belauscht hatte. Aus Rache servierte sie der Familie einen vergifteten Geburtstagskuchen, wodurch binnen weniger Stunden drei Familienmitglieder den Tod fanden. Chloes Geist soll angeblich noch heute auf der Plantage spuken. Auch die weitere Geschichte der Plantage und späterer Besitzer ist geprägt von Tod, Mord und Tragödien. Sichtungen verstorbener früherer Bewohner sind durch Fotos und Fernsehsendungen sowie durch Augenzeugenberichte von Anwohnern und Touristen dokumentiert. Eine Übernachtung auf Myrtles Plantation oder eine Mystery Tour bieten die perfekte Gelegenheit zu einer persönlichen Begegnung mit einem Geist.

Oak Alley Plantation, Vacherie

Einfach fabelhaft: die prachtvolle Oak Alley. (Foto NOPC)

Die alten Eichen, die die gleichnamige Allee zur Oak Alley Plantage säumen, sind mehr als nur eine malerische Kulisse für ein tolles Foto – ihre lange, knorrigen Äste, die sich schützend über die Allee legen, scheinen die Geheimnisse der Vergangenheit verbergen zu wollen. Geheimnisse, die dennoch von Zeit zu Zeit ans Licht kommen. Mitarbeiter berichten von geisterhaften Schatten hinter Fensterscheiben, vom Wiehern und Hufgetrappel unsichtbarer Pferde und dem Klang einer Kutsche, die die Allee entlang fährt – ohne, dass etwas zu sehen wäre. Eine ganze Reisegruppe von 35 Personen war Zeuge des bislang unheimlichsten Ereignisses auf Oak Alley: Während einer Führung flog ein Kerzenhalter vor deren Augen quer durch den Raum. Grund genug für die Fernsehsendung „Ghost Hunter“ im August 2008 einen Beitrag auf der Plantage zu filmen.

Calcasieu Courthouse, Lake Charles

Mitunter zeigt sich Halloween auch von der fast freundlichen Seite…

Den kaltblütigen Mord an einem Mann Anfang der 1940er Jahre hätte der augenscheinlich hübschen und charmanten Toni Jo Henry wohl niemand zugetraut. Nicht nur aus diesem Grund wurde sie im Laufe der drei Gerichtsverhandlungen zu einer Berühmtheit und viele zweifelten ihre Schuld an. Dennoch wurde Toni Jo Henry in letzter Instanz zum Tode verurteilt und sie war die erste Frau, die in Louisiana auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde. Henry saß einige Zeit in einer Gefängniszelle des Calcasieu Courthouse ein und die dortigen Bediensteten sind überzeugt, dass Toni Jo Henry sich auch heute noch dort aufhält, Türen verschließt und sich an elektronischen Archivierungssystemen zu schaffen macht. Nachtwächter schwören außerdem, sie reden gehört zu haben.

Louisianas Old State Capitol, Baton Rouge

Auch im Old State Capitol treiben angeblich geisterhafte Gestlten ihr Unwesen. (Foto Baton Rouge CVB)

Pierre Couvillon, Abgeordneter des Avoyelles Parish, großer Redner und Fürsprecher der einfachen Bevölkerung, erlitt während einer leidenschaftlichen Rede über korrupte Politiker in einem Zimmer des Kapitols einen Herzinfarkt. Anscheinend liebte er seine Arbeit so sehr, dass er das neugotische Old State Capitol Gebäude auch nach seinem Ableben nicht verlassen hat. Couvillons Fußspuren wurden auf dem Fußboden des Senats gesehen und ein zerwühltes Bett in der Ausstellungshalle könnte ihm als Ruheplatz gedient haben. Ein Wachmann hat von Geräuschen berichtet, die auf die Anwesenheit von Menschen hindeuten, aber niemand war zu sehen. Auch klopfte ihm eine unsichtbare Person auf die Schulter. Andere Mitarbeiter erzählen von Bewegungsdetektoren, die einen Eindringling meldeten, aber der Raum war leer und auch auf den Überwachungsvideos war niemand zu sehen…

Magnolia Plantation, Natchitoches

Einige Häuser im French Quarter werdenh eigens für Halloween mächtig rausgeputzt. (Foto Paul Broussard)

Die übernatürlichen Erscheinungen auf der Magnolia Plantation verursachten sogar bei der erfahrenen Crew der Fernsehsendung „Ghost Adventures“ eine Gänsehaut. Während der Dreharbeiten in einer früheren Sklavenunterkunft im Jahr 2009 hörten die Geisterforscher Voodoo-Gesänge und Klopfgeräusche. Auf dem Filmmaterial waren hinterher unerklärliche Lichter zu sehen, die die Gegenwart ruheloser Seelen nahelegen. Die Geschichte besagt, dass ein Aufseher von einem Soldaten der Unionsarmee ermordet wurde, als diese das Haus übernahmen. Die genauen Todesumstände sind jedoch unklar. Der Geist jenes Aufsehers soll in einem der Schlafzimmer des oberen Stockwerks spuken. Auch die Seelen früherer Sklaven sollen noch auf der Krankenstation der Plantage zugegen sein und in einer Sklavenunterkunft haben Anthropologen Hinweise auf Voodoopraktiken gefunden. Das Gebäude ist heutzutage in Privatbesitz, aber ein Teil des Grundstücks gehört dem National Park Service. Touren sind möglich.

Loyd Hall Plantation, Cheneyville

Der Besitzer der Loyd Hall Plantation wanderte im Jahr 1820 von London in die USA aus, wohl auch, um seinem Ruf als schwarzes Schaf der Familie aus dem Weg zu gehen. Der Plan ging auf, bis ihm dann schließlich im Amerikanischen Bürgerkrieg seine Position als Spitzel für beide Seiten zum Verhängnis wurde – der erste einer Reihe von tragischen Todesfällen auf der Plantage. Auch ein desertierter Soldat der Unionstruppen, der sich auf dem Dachboden versteckt hatte, sowie eine Sklavin, die als Kindermädchen tätig war, fanden hier den Tod. Ihre Seelen haben das Anwesen nicht verlassen und können dabei beobachtet werden, wie sie an der Türklingel läuten, Geschirr bewegen oder Violine spielen – vornehmlich während des Vollmonds. Die Tourguides haben sich mittlerweile an die Besucher aus dem Jenseits gewöhnt, aber für die Gäste des Bed & Breakfasts dürften die übernatürlichen Begegnungen eine recht ungewöhnliche Erfahrung sein.
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LaLaurie Mansion, New Orleans

rofessionelle Geisterjäger sind der Überzeugung, dass es sich beim LaLaurie Mansion um das Haus mit den meisten Heimsuchungen im French Quarter handelt (Foto Paul Broussard)

Geheimnisse, Intrigen und Angst einflößende Legenden ranken seit dem frühen 19. Jahrhundert um dieses Haus. Die einflussreiche französisch-Kreolin Delphine LaLaurie war ein hochangesehenes Mitglied der Gesellschaft und bekannt für ihre rauschenden Partys. Die Wahrheit über Madame LaLauries dunkle Seite kam erst ans Licht, als das Anwesen einem Feuer zum Opfer fiel. Feuerwehrmänner entdeckten in einem Zimmer des Herrenhauses Überreste von angeketteten, gequälten Sklaven. LaLaurie und ihre Familie flohen zwar aus Louisiana, aber es scheint, als würden die geschundenen Seelen noch immer nach Vergeltung suchen. Es heißt, dass spätere Besitzer des Hauses von Geistern heimgesucht wurden – zumindest hat es keiner von ihnen lang ausgehalten und das Haus bald nach Einzug schon wieder verlassen. Da bildet vermutlich auch Schauspieler Nicholas Cage keine Ausnahme, der das Herrenhaus Anfang der 2000er Jahre eine Zeitlang sein Eigen nannte. Ob er tatsächlich je eine Nacht dort verbracht hat, ist nicht bekannt. Professionelle Geisterjäger sind der Überzeugung, dass es sich beim LaLaurie Mansion um das Haus mit den meisten Heimsuchungen im French Quarter handelt, aber Historiker bezeichnen diese Behauptung als unwahr. Besucher überzeugen sich bei ihrer nächsten Reise am besten selbst und nehmen an einer Haunted History Tour mit Besuch im LaLaurie Mansion teil.

Shreveport Municipal Auditorium, Shreveport

Um anderen as Fürchten zu lernen, mangelt es einigen nicht an Phantasie.

Aufgepasst, meine Damen! Eine kleine Warnung an alle Frauen, die das Shreveport Municipal Auditorium besuchen: „Sarge“ hat eine Vorliebe für die Haare der weiblichen Besucher. Die Haarlänge spielt hierbei keine Rolle – Kurzhaarfrisuren zersaust er gerne, während er lange Haare bevorzugt streichelt. Aber „Sarge“ ist nicht der einzige, etwas spitzbübische Geist, der in diesem National Landmark sein Unwesen treibt. In der Halle des Auditoriums läuft ein kleines Mädchen umher, das die Türen öffnet und schließt – dieses Ereignis wurde von einer Besuchergruppe sogar auf Video festgehalten. „Mary“ hingegen hält sich gerne auf der Bühne auf, während andere übernatürliche Gäste auf den Stühlen der Arena gesichtet wurden. Möglicherweise handelt es sich hierbei um Besucher des benachbarten Oakland Cemetery. Oder es sind die Seelen derer, die aus der Zeit der Louisiana Hayride Country Music Show, die hier abgehalten wurde, noch immer im Auditorium geblieben sind. Vielleicht warten sie auf die Rückkehr vom „King“ Elvis Presley, der beim Louisiana Hayride 1954 einen seiner ersten Radioauftritte hatte und bis 1956 regelmäßig hier auftrat.

Dauphine Orleans Hotel, New Orleans

An Blickfängen mangelt es in New Orleans rund um Halloween absolut nicht. (Foto Pazul Broussard)

Schicksalhafte Begebenheiten ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Dauphine Orleans Hotel und der dortigen Bar, May Baily’s Place. Anhand von Sichtungen, paranormalen Untersuchungen und dokumentierten Briefen, scheint es hier einige Seelen zu geben, die auch nach ihrem Tode im Hotel verblieben sind. Einer dieser Besucher aus dem Jenseits ist die „verlorene Braut“, vermutlich der Geist einer jungen Frau namens Millie, die in der Bar als Kurtisane gearbeitet hat. Ihr zukünftiger Ehemann wurde am Morgen der Hochzeit auf Grund eines Streits beim Glücksspiel erschossen. Es heißt, dass Millie nach diesem tragischen Ereignis immer wieder in ihrem Hochzeitskleid in May Baily’s Place gesehen wurde – vor und nach ihrem Tod. Auch nach ihrem Ableben wandert sie noch durch die Räumlichkeiten, auf der hoffnungslosen Suche nach ihrem Verlobten. Weiterhin ist im Ballsaal die Wahrscheinlichkeit hoch, einer Erscheinung zu begegnen: Jewel, das „tanzende Mädchen“ wird von Augenzeugen als junger Teenager beschrieben. Gelegentlich berichten Gäste, die nach einer durchfeierten Nacht das Hotel betreten, von einem jungen Mädchen, dass ihnen in ihrem nicht immer ganz nüchternen Zustand dabei hilft, den Weg zu ihrem Zimmer zu finden. Das Mädchen tanzt dabei neben ihnen her – ohne den Boden zu berühren…

Grund genug für die Crew der Fernsehserie „Ghost Adventures“ gleich zweimal hier eine Nacht zu verbringen, um mit den Geistern auf Tuchfühlung zu gehen. Weitere Informationen unter www.louisianatravel.de und www.neworleans.de.

Archiviert unter Topthema, Amerika, Louisiana, USA
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