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Von 13. September 2016 Mehr →

Guernsey – Insel im permanenten Hugo-Fieber

Am Hafen von St. Peter Port auf Guernsey pflegte Victor Hugo gerne in den Abendstunden zu flanieren. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Am Hafen von St. Peter Port auf Guernsey pflegte Victor Hugo gerne in den Abendstunden zu flanieren. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Ja, der Hugo. Da steht er mitten im Park. Gekrümmt, auf einen Stock gestützt und mit Hut in der Hand. Den Blick stur gen Frankreich gerichtet. Keine Frage, auf Guernsey kann sich niemand seiner Faszination entziehen. Im Gegenteil. Schriftsteller Victor Hugo scheint auch weit mehr als ein Jahrhundert nach seinem Tode im Jahre 1885 fast schon magnetische Wirkung auszuüben. Denn seine Spuren und Fußabdrücke hat er überall auf der Kanalinsel hinterlassen.

Kein Wunder, dass Guernsey seinem berühmtesten Sohn in den Candie Gardens im wahrsten Sinne des Wortes ein Denkmal gesetzt hat. Dabei ist der geistige Vater von weltberühmten Werken wie der „Glöckner von Notre Dame“ und „Die Elenden (Les Misérables)“ weder auf der Insel geboren, noch hat er hier das Zeitliche gesegnet. Victor Hugo verbrachte lediglich 15 Jahre im Exil auf Guernsey – und doch wurde er zu einer Art Adoptivsohn für das gerade einmal knapp 63 Quadratkilometer große Eiland im Golf von St. Malo.

Hanghuhn mit steilen Gassen

Die Inselhauptstadt St. Peter Port liegt an einem steilen Bergrücken. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Die Inselhauptstadt St. Peter Port liegt an einem steilen Bergrücken. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Saint Peter Port, die Hauptstadt des 60.000-Seelen-Islands, ist ein „Hanghuhn“ mit steilen Gassen und Stiegen. An einer eben solchen, stark abschüssigen Straße namens Hauteville fand Victor Hugo schließlich im Haus Nummer 38 für anderthalb Jahrzehnte eine Heimat. Die untere Etage von Hauteville House, das heute als Museum dient und nur im Rahmen von Führungen besichtigt werden kann, erinnert fast an eine Dunkelkammer. Die Räume werden dominiert von dunklem, fast schwarzem Holz.

Hauteville House zieht nicht nur Literaturliebhaber in seinen Bann. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Hauteville House zieht nicht nur Literaturliebhaber in seinen Bann. (Foto Karsten-Thilo Raab)

„Hugo war ein Romantiker. Für ihn war es wichtig, das Licht im Leben zu finden – und dies galt auch für sein Haus“, so Laurent, der mehrmals täglich Besuchergruppen durch das dreistöckige Hauteville House führt. Viele der Zimmer wurden tatsächlich von Hugo selber entworfen und nach seinen Vorstellungen mit viel Liebe zum Detail sowie zum Teil auch eigenwilligen Dekorationen eingerichtet. Im Wandteppichzimmer beispielsweise ließ Hugo die Stuckarbeiten und Verkleidungen aus alten Holztruhen herstellen.

Gemahnt fast an eine Dunkelkammer: die Bibliothek von Victor Hugo im Hauteville House. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Gemahnt fast an eine Dunkelkammer: die Bibliothek von Victor Hugo im Hauteville House. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Überall im Haus sind die Initialen VH zu finden: auf den Holzvertäfelungen, den Delfter Kacheln des Esszimmer-Kamins, im Blauen und Roten Salon, im Schlafzimmer und auch in der Bibliothek. Ungewöhnlich ist sein Bett, dass er aus 25 Möbelstücken zimmern ließ. Allerdings soll er nur höchst selten hier genächtigt haben. Viel lieber bettete er sich angeblich auf einer einfachen Matratze in einer kleinen Dachkammer.

Stehpult mit Aussicht

Blick aus Hugos Arbeitszimmer auf den Hafen von St. Peter Port und Castle Cornet. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Blick aus Hugos Arbeitszimmer auf den Hafen von St. Peter Port und Castle Cornet. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Der unumstrittene Lieblingsraum des Schriftstellers, der 1852 von Kaiser Napoleon III in die Verbannung geschickt wurde, war das verglaste Dachstudio, wo auf einmal auch das zitierte (und gesuchte) Licht von allen Seiten einströmt. Mit Blick auf den Hafen sowie Castle Cornet – und bei klarer Sicht bis zum 50 Kilometer entfernten Frankreich – verfasste Victor Hugo in seinem, wie er es nannte, „Kristallpalast“ an seinem Stehpult unter anderem den Roman „Les Misérables“ und die auf Guernsey angesiedelte Erzählung „Les Travailleurs de la Mer“ („Die Arbeiter des Meeres“).

Vom Farten des Hauteville House bieten sich herrliche Ausblicke auf den Golf von St. Malo. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Vom Farten des Hauteville House bieten sich herrliche Ausblicke auf den Golf von St. Malo. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Ein Kleinod ist auch der liebevoll angelegte Garten von Hauteville House. Am 14. Juli 1870, dem Jahrestag des Sturmes auf die Bastille und Vorabend des deutsch-französischen Krieges, pflanzte er  in seinem Garten dann die so genannte Europa-Eiche und prophezeite, dass es in hundert Jahren keine Kriege und keinen Papst mehr, dafür aber die Vereinigten Staaten von Europa geben würde.

Die Klippenwege an der Küste vonf Guernsey nutzte Hugo gerne für ausgedehnte Märsche. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Die Klippenwege an der Küste vonf Guernsey nutzte Hugo gerne für ausgedehnte Märsche. (Foto Karsten-Thilo Raab)

„Mit den Kriegen und den Päpsten hatte Hugo leider nicht recht, aber die Vision des vereinten Europas ist ja schon lange Wirklichkeit geworden“, würdigt Laurent die Weitsicht der Inselberühmtheit, die während ihres Exils nicht nur Bücher verfasste. Gerne brach Hugo dereinst zu ausgiebigen Wanderungen entlang der spektakulären Klippenpfade von Guernsey auf. Dabei genoss er nach eigenen Worten insbesondere „das Atmen des Meeres“ und „das Atmen der Blumen“. Und den Abschnitt oberhalb der Fermain Bay, wo sich zahllose Vogelarten tummeln, adelte Hugo sogar als „a show full of magic“.

Erfrischendes Nass

Am Pleimont Headland fand Hugo auch Inspiration für seine Arbeiten. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Am Pleimont Headland fand Hugo auch Inspiration für seine Arbeiten. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Nicht minder gerne sprang der Schriftsteller, wenn es die Wassertemperaturen im Golf von St. Malo denn zuließen, in der Havelet Bay, der Fermain Bay oder der Moulain Huet Bay ins Meer, um ein wenig zu schwimmen. Und dies, obwohl das feuchte Nass selbst an warmen Tagen kaum mehr als 17, 18 Grad Celsius aufweist.

Auch im zum Teil dicht besiedelten Inland von Guernsey ist die Insel nicht ohne Reiz. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Auch im zum Teil dicht besiedelten Inland von Guernsey ist die Insel nicht ohne Reiz. (Foto Karsten-Thilo Raab)

An der Südwestküste, speziell in Pleimont, wo zahlreiche Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg als Hinterlassenschaft der deutschen Besatzer Teile des Landschaftsbilds bestimmen, fand Hugo dann auch ein wenig Inspiration. Inmitten der von gelb blühendem Ginster übersäten Klippen, liegen nämlich die Reste eines Hauses, die als „Haunted Haus“, als Geisterhaus, in „Die Arbeiter des Meeres“ eingebunden wurden.

Ein charmantes Kleinod: Fort Grey.

Ein charmantes Kleinod: Fort Grey.

Das markante Fort Grey, ein Martello Turm im Nordwesten von Guernsey, wurde ebenfalls literarisch von Hugo verarbeitet. Die bei Flut kaum sichtbaren Felsen im Wasser, die manchem Seemann zum Verhängnis wurden, titulierte Hugo als „midnight murderers“, als Mittnachtsmörder.

Inspiration für literarische Werke

In „Die Arbeiter des Meeres“ spielt auch das markante Vale Castle im Nordosten der Insel eine gewisse Rolle. In seiner Nachbarschaft wohnt in dem Roman Protagonist Gilliatt. Zudem erinnert Hugo daran, dass Guernsey hier noch im 19. Jahrhundert durch einen natürlichen Kanal zwischen St. Sampson und Grand Havre in zwei Teile getrennt war.

Im Norden von Guernsey besaß Hugo sogar eine eigene kleine Insel, die er im Jahre 1868 käuflich erwarb. Die so genannte Ile de Victor Hugo ist allerdings nur bei Ebbe zu Fuß erreichbar. Das Mini-Eiland begeisterte den Schriftsteller dabei vor allem ob der üppigen Flora und der Möglichkeit, hier allein umherzuwandern.

Charmante Häuserzeilen am Marktplatz von St. Peter Port. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Charmante Häuserzeilen am Marktplatz von St. Peter Port. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Weniger häufig besuchte er die Gemeindekirche am Marktplatz von St. Peter Port. Gleichwohl fand diese auch Eingang in den Roman „Die Arbeiter des Meeres“. Hier soll Hugo auch den viel zu frühen Tod seines ersten Enkels, des gerade einmal einjährigen George, betrauert haben.

In der Gemeindekirche am Marktplatz von St. Peter Port betrauerte Hugo den Tod seines Enkels. (Foto Karsten-Thilo Raab)

In der Gemeindekirche am Marktplatz von St. Peter Port betrauerte Hugo den Tod seines Enkels. (Foto Karsten-Thilo Raab)

In den Abendstunden soll Hugo dann gerne am Hafen in Sichtweite des Castle Cornet flaniert sein. In der alt-ehrwürdigen Burg, die heute als Museum dient, finden sich auch einen Gurt und eine Boje, die Hugo im Jahre 1870 dem Hafenmeister aus Sicherheitsgründen geschenkt haben soll.

Suche nach Französischsprachigen

Einer der Lieblingsorte von Hugo auf Guernsey: die Priaulx Library. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Einer der Lieblingsorte von Hugo auf Guernsey: die Priaulx Library. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Einer der Lieblingsorte von Hugo war zudem die an die Candie Gardens grenzende Priaulx Library. Hugo behauptete von sich, er könne nur ein einziges Wort Englisch und das sei „Christmas“. Was auch ein Grund dafür gewesen sein soll, warum er der Priaulx Library regelmäßig einen Besuch abstattete. Denn in der Bücherei fand er viele, die Französisch sprachen. Und dies schien Balsam für die Seele von Hugo, der immer eine gewisse Sehnsucht nach Frankreich verspürte und über seine „vorübergehende Heimat“ einmal sagte: „Die Kanalinseln sind ein Stück Frankreich, das ins Meer gefallen ist und von England aufgesammelt wurde.“

Der Hafen von St. Peter Port und Castle Cornet in der Abenddämmerung. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Der Hafen von St. Peter Port und Castle Cornet in der Abenddämmerung. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Denn Guernsey besticht durch eine Mischung aus französischer Lebensart und britischen Lifestyle. Ebenso, wie es schon Victor Hugo liebte und schätzte.

Wissenswertes für die Reise nach Guernsey

So stellt sich ein Schüler im Kunsunterricht das Aussehen von Victor Hugo vor. (Foto Karsten-Thilo Raab)

So stellt sich ein Schüler im Kunsunterricht das Aussehen von Victor Hugo vor. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Allgemeine Informationen: www.visitguernsey.com/deutsch

Information zu Victor Hugo auf Guernsey: www.victorhugo.gg

Allgemeines: Guernsey ist seit dem Jahre 1204 unabhängig und als Kronbesitz der britische Königin unterstellt. Es ist nicht Mitglied der Europäischen Union. Guernsey verfügt über ein eigenes Parlament, erhebt eigene Steuern, erlässt eigene Gesetze und besitzt mit dem Guernsey Pound eine eigene Währung, die aber an das Britische Pfund angelehnt ist.

Anreise: Von Mai bis Oktober bietet Airberlin Direktflüge von Düsseldorf und Stuttgart nach Guernsey an. Alternativ empfiehlt sich die Anreise mit British Airways nach London Gatwick oder London City Airport und von dort weiter mit Aurigny.

Währung: Ein Guernsey Pfund entspricht etwa 1,26 Euro, ein Euro etwa 0,78 Guernsey Pfund.

Hauteville House, 38 Hauteville, St. Peter Port, Guernsey GY1 1DG, Telefon 0044-(0)1481-721911, http://maisonsvictorhugo.paris.fr/en. Das Museum ist von April bis Ende September täglich außer mittwochs von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Pfund für Erwachsene, ermäßigt 6 Pfund. Unter 18 Jahren ist der Eintritt frei.

Restaurant- und Übernachtungstipps

Der Hafen von St. Peter Port und Castle Cornet. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Der Hafen von St. Peter Port und Castle Cornet. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Essen & Trinken: Le Nautique, Quay Steps, Saint Peter Port, Guernsey GY1 2LE, Telefon 0044-1481-721714, www.lenautiquerestaurant.co.uk. Erstklassiges Fischrestaurant direkt am Hafen – betrieben vom deutschen Koch Günter Botzenhart; täglich geöffnet außer sonntags.

The Cornerstone, 2 La Tour Beauregard, St Peter Port, Guernsey GY1 1LQ, Telefon 0044-(0)1481-713832, www.thecornerstone.gg. Beliebter Pub mit kleiner Speisekarte und den auf Guernsey gebrauten Bieren der White Rock Brewery im Ausschank.

The Swan Inn, St. Julian’s Ave, Guernsey, GY1 1WA, Telefon 0044-(0)1481-728969, http://theswaninn.gg. Gastro-Pub mit moderner Küche.

Von Mai bis Oktober bietet Airberlin Direktflüge von Düsseldorf und Stuttgart nach Guernsey an. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Von Mai bis Oktober bietet Airberlin Direktflüge von Düsseldorf und Stuttgart nach Guernsey an. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Übernachten: Ziggurat, No. 5 Constitution Steps, St Peter Port, Guernsey GY1 2PN, Telefon 0044-(0)1481-723008, stay@hotelziggurat.com, www.hotelziggurat.com. Das moderne Boutique-Hotel bietet Doppelzimmer mit Frühstück ab 100 Pfund pro Nacht an.

Duke of Normandie, Lefebvre Street, St. Peter Port, Guernsey GY1 2JP, Telefon 0044-(0)1481-721431, www.dukeofnormandie.com. Das nur einen Steinwurf von der Fußgängerzone entfernt liegende Drei-Sterne-Haus bietet Doppelzimmer mit Frühstück ab 55 Pfund pro Person und Nacht an.

Tipp: Von St. Peter Port lässt sich mit den Buslinien 91 oder 92 wahlweise im oder gegen den Uhrzeigersinn die Insel mit all ihren Besonderheiten in rund eineinhalb Stunden umrunden. Informationen zu Abfahrtszeiten und Preisen unter http://buses.gg.

Archiviert unter Topthema, Europa, Guernsey
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