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Von 26. Februar 2018 Mehr →

Grenzenloses Wandererlebnis auf La Gomera

Mit dem Fortaleza de Chipude befindet sich auf La Gomera ein beeindruckender Tafelberg. (Fotos Michael Will)

Ein besonderes Naturphänomen, und abwechslungsreiches Erlebnis zugleich, sind aufgrund der Höhen Stufung  von La Gomera die verschiedenen Vegetationsstufen der spanischen Kanaren Insel. So liegt man beispielsweise bei 25 Grad am Strand im Valle Gran Rey, das ganze bei strahlend blauem Himmel, fährt dann aber nur sechs Kilometer mit dem Auto in das zentrale Hochgebirge und trifft dort einen 15 Grad kühlen und feuchten Nebelwald an. Mit dem Nordost Passat angewehte Nebelwolken werden vom zentralen Hochgebirge an der Nordseite der Insel gestaut. Ihnen wird die Feuchtigkeit entzogen, um so die wunderbare Existenz des mysteriösen Nebelwaldes, einem der eigenartigsten und bedeutungsvollsten Wälder Spaniens zu gewährleisten. Keine andere Kanareninsel präsentiert sich auf engsten Raum so verschieden, wild und zerklüftet, wie La Gomera.

Valle Gran Rey – das Tal des großen Königs

Blick auf das von hohen Bergen gesäumte Valle Gran Rey.

Auf eine Länge von vier Kilometern erstreckt sich das Valle Gran Ray, umgeben von einer beeindruckenden Gebirgslandschaft und einer überwältigenden Vielzahl von Palmen. Das Tal ist dank vieler und wasserreicher Quellen sehr fruchtbar und gilt als Zentrum der landwirtschaftlichen Produktion. Auf den Terrassenfeldern gedeihen vor allem Bananen, Avocados, Papaya, Orangen, Mangos und Datteln. Die verstreut liegenden Häuser bieten einen fast exotischen Anblick. 1970 begann der Tourismus und seitdem ist die wilde Ursprünglichkeit der vergangenen Tage vorbei. Im unteren Talabschnitt liegen die von den Touristen bevorzugten Ortskerne La Claera, Vueltas und Playa de la Calera, die jeweils ihren eigenen Charakter bewahrt haben. Playa de la Calera hat sich seit 1980 mit vielen neuen Gebäuden, Apartmenthäusern und Hotels als touristisches Zentrum der Insel etabliert. Besonders Badeurlauber zieht es an die sonnigen Strände.

Hermigua – die Zugänge zum Meer

Relikt aus längst vergangenen Tagen: die Betonfeiler der ehemaligen Verladestation in der Bucht von Hermigua.

Die Bucht bei Hermigua ist charakterisiert durch starken Wellengang, unberechenbaren Strömungen und seinem türkischen Sandbänken. So war die Anlandung an diesem Strandabschnitt nahezu unmöglich. Aber Anfang des 19. Jahrhunderts boomte die Nachfrage nach Bananen und das Tal von Hermigua bietet ideale Bildbedingungen, die geförderten Stückzahlen zu liefern. Es musste eine Lösung gefunden werden, die Güter abzutransportieren. So begann 1907 der Bau einer Verladestation bei den heutigen Meeresschwimmbecken von Hermigua. Die Verladestation bestand aus einem Geschäft, einer Krananlage, einem lokalen Büro und einen dampfbetriebenem Förderband. Der neue Zugang zum Meer hatte einen bedeutenden Einfluss auf das wirtschaftliche und soziale Leben der Gemeinde. Die Verladestation von Hermigua war zu damaliger Zeit die einzige Verbindung von Hermigua zur Außenwelt – bis zur Fertigstellung der Carretera General de Norte im Jahr 1943 – der Schnellstraße GM-1 von Hermigua nach San Sebastián. Schnell geriet die Verladestation in Hermigua in Vergessenheit. Die vier Betonpfeiler der ehemaligen Verladestation sind die einzig verbliebenen Zeitzeugen.

Nationalpark Garajonay – UNESCO-Weltnaturerbe

La Gomera

Einfach märchenhaft: der Nebelwald mit der durchbrechenden Sonne.

Der Nationalpark befindet sich in den höher gelegenen Regionen der Insel zwischen 800 und 1487 m. Mehr als die Hälfte des Parks ist von dichten immergrünen Wäldern bedeckt. Die oberen Regionen von La Gomera entstanden aufgrund eines besonderen Klimas in dieser Zone, das von häufiger Nebelbildung und einer hohen Luftfeuchtigkeit geprägt ist. Die Temperaturen sind gemäßigt und erreichen Mittelwerte von 13-15°. Die Niederschlagswerte bewegen sich zwischen 600-900 mm im Jahr. Fast 20 Baumarten sind vertreten: Die vorherrschenden Arten sind der Gabelbaum, die Stechpalme und der Azorenlorbeer. Besonders zu erwähnen ist die Baumheide, die bis zu 20 m hoch wird und damit einzigartig ist in der Welt. Ebenfalls erwähnenswert ist, die große Anzahl an Moosen und Moosflechten, die die Rinden der Bäume bedecken, sowie die dichte Decke an Farnen – ein Hinweis für hohe Luftfeuchtigkeit. So erweckt die Vegetation einen dschungelartigen Eindruck. 1986 hat die UNESCO den Nationalpark wegen seiner in der Welt einzigartigen Flora und Fauna zum Weltnaturerbe der Menschheit erklärt hat. Seit 1988 ist die Region auch europäisches Vogelschutzgebiet.

Roque de Agando – der Zuckerhut von La Gomera

Der Roque de Agando wirkt fast wie eine Kopie des berühmten Zuckerhuts.

Eines der top Highlights auf La Gomera ist die Felsengruppe der Familie de los Roques. Der spektakulärste der spektakulären ist der ehemalige Vulkanschlot Roque de Agando mit 1251 m. An seiner Nordseite überragt er die Straße um gut 100 m, während er auf seiner Südseite 220 m abfällt. Wie lässt sich dieses Phänomen erklären? Der Kollos besteht aus so genanntem Phonolith, das ist Vulkangestein mit grünlicher bis grauer Farbe, das durch den Alterungsprozess – den beschleunigen das in der Luft befindliche Kalziumkarbonat und Niederschläge – die heutige Farbe angenommen hat. Aus dem Munde eines nicht Vulkanologen klingt das wie folgt: Was wir vor uns sehen ist das erstarrte Magma das nicht ausgeworfen wurde, und im Laufe der Jahrtausende hat die voranschreitende Korrosion das weichere Gestein abgetragen. Sine kleineren Geschwister sind der Roque de la Zarcita (1223 m), der Roque de Las Lajas (1139 m) und der massive Roque de Ojlla (1171 m).

Fortaleza de Chipude – Aufbruch zum heiligen Berg

Von dem fremdartig anmutenden Drachenbaum gibt es nicht viele Exemplare auf La Gomera. Dieser 400 Jahre alte Drago befindet sich in einem Seitental oberhalb von Alajeró.

Der markante Tafelberg erhebt sich auf 1241 m über dem Meeresspiegel und prägt das Landschaftsbild im Südwesten der Insel. Im Glauben der Ureinwohner von La Gomera stellten Berge die Verbindung vom irdischen zum himmlischen dar. So war der Tafelberg bei Chipude den alten Gomeros heilig. Archäologisch Funde wie Tierknochen, Steinzeichnungen, Steinkreise der Guanchen sowie Reste von Werkzeugen sind Zeitzeugen vor der Ankunft der Spanier. Im 14. Jahrhundert, während der Eroberung durch die Spanier, verschanzten sich die Ureinwohner auf dem Gipfel. Wie ist dieser Tafelberg entstanden? Ähnlich wie die Landschaftsprägenden Roques, besteht auch die Fortaleza – aus dem spanischen übersetzt heißt Fortaleza Festung – aus Magma. Umliegende weichere Gesteinsschichten wurden durch den Erosionsprozess über die Zeit abgetragen. Was übrig blieb, sind die auffallenden Felsformationen.

Garajonay – das Dach von La Gomera

Der Alto de Garajonay markiert die höchste Erhebung der Insel, und überragt nur einige Meter das umliegende Hochplateau.

Aus allen Himmelsrichtungen führen Wanderwege auf den 1487 m hohen Garajonay. Er ist die höchste Erhebung der Insel, und überragt nur einige Meter das umliegende Hochplateau. Auch wenn das Dach von La Gomera kein exponierter Gipfel ist, haben wir einen imposanten Ausblick auf La Gomera und bei guter Sicht kann man auch die Nachbarinseln Teneriffa, La Palma und El Hierro ausmachen. Oft hüllen aber die Bergspitze fette Passatwolken ein und spenden mit ihrem Kondenswasser der Vegetation die nötige Feuchtigkeit. Nur noch wenige Zeitzeugen berichten von dem verheerenden Waldbrand im Sommer 2012, dem gut 1/10 des Nationalparks zum Opfer fiel. Tipp: Wer nicht mit den Touristenströmen wandern möchte, kann am Mirador de Igualero, südlich des Gipfels, starten. Parken lässt sich bequem bei der Ermita San Francisco de Asís (GPS-Auto N28 05.964 W17 15.299 GPS-Auto 28.0994 -17.254983). Weiter führt der Weg über das Dorf Igualero – mit der gleichnamigen Bushaltestelle (Buslinien 1 und 6) und nach ca. 1 Stunde Gehzeit hat man das Gipfelkreuz erreicht. | GPS-Wanderung N28 06.577 W17 14.908 GPS-Wanderung 28.109617 -17.248467 |

Corestone – wo Steine geboren werden

Die verwitterten Corestones sind von den Passatwinden im Laufe der Jahrhunderte geformt worden.

Vallehermoso ist schon lange kein Geheimtipp mehr für Naturliebhaber und Wanderfreunde, die abseits ausgetretener Pfade die schönste Zeit des Jahres verbringen möchten. Auf einer der schönsten und aussichtsreichen Runden im Nordwesten von La Gomera wird man mit Panoramablicken nur so verwöhnt. Aber der absolute Höhepunkt sind die verwitterten Corestones. Durch extrem starke Passatwinde wird das weichere Erdreich abgetragen, durch Erosion wird der verwitterte Corestone freigelegt und im Laufe der Jahre mit einer hellbraunen Oxidationsschicht überzogen. Die Landschaft ist an dieser Stelle mit roter Erde bedeckt, ein Eldorado für Fotomotiv suchende. Glücklich ist, wer auf der Wanderung einen Tag ohne Wolken und ohne den streng wehenden Passatwind erwischt hat. Die Eingeborenen sagen über dieses Gebiet, das hier die Steine geboren werden.

Mirador de Abrante – Spannung pur auf dem Skywalk

600 Meter geht es am Mirador de Abrante in die Tiefe.

Der 2008 eingeweihte Aussichtspunkt ist in kurzer Zeit zu einer der Sehenswürdigkeiten im Norden von La Gomera geworden. Aus 600 m Höhe über dem Meeresspiegel ergeben sich atemberaubende Fernblicke über die gesamte Nordküste – und zu Füßen liegt das Dorf Agulo. Bei Fernsicht lässt sich die Nachbarinsel Teneriffa mit ihren 3718 m hohen Teide erspähen. Ein Erlebnis für alle Sinne!

Playa Negrin – der abgelegenste Strand der Insel

Klein, abgelegen und mit schwarzem Sand versehen ist der Playa Negrin.

Die Summe aller einzelnen Strandabschnitte beträgt ca. 15 km. 16 Strände sind mit dem Pkw erreichbar. Steil abfallende und stark zerklüftete Gebirgszüge verhinderten, dass sich weitere Strände bilden konnten. La Gomera ist auf keinen Fall eine Badeinsel, sondern die meisten Urlauber kommen aufgrund ihrer exzellenten Wandermöglichkeiten in einer besonders schönen Natur. Einige der schönsten Strände – wen verwundert es – befinden sich natürlich in den Urlaubsdomizilen der Insel. Wie überall – wenn es der Wellengang erlaubt – laden die Strände zum Bad im blauen und erfrischenden Atlantik ein, um sich bei einem anschließenden Sonnenbad zu entspannen. Aber mindestens genauso viele Inselstrände sind nur zu Fuß zu erreichen. Naturliebhaber können auf Entdeckungsreise gehen, um mit einem der vielen versteckten einsamen – Secret Beach – ihre Lieblingsbucht zu finden. Ein besonderer Leckerbissen unter den Stränden ist der absolut abgelegene Playa Negrin. Ein klares Indiz für seine Abgeschiedenheit, man findet kein einziges eingestelltes Foto bei Google Earth.

Mirador César Manrique – auch hier hat der Künstler geschaffen

Ein nechtes Kleinod, das nicht nur Kunstliebhaber fasziniert: Mirador César Manrique.

César Manrique, ist ohne Frage der bedeutendste Künstler des letzten Jahrhunderts und prägte die Insel Lanzarote wie kein anderer. Zu den besonders sehenswerten Werken auf Lanzarote zählen: Die Höhlen Jameos del Agua, der Mirador del Rio, der Kaktusgarten, das ehemalige Wohnhaus des Künstlers in Tahíche, der Gebäudekomplex des Casa-Museo del Campesino und die vielen Windspiele. In all seinen Werken vereinigt er Natur und Kunst. Jeder Kanareninsel wollte er eine seiner Kunstwerke schenken und so baute er auf La Gomera dem Mirador César Manrique. Leicht fährt man an der unscheinbaren Aussichtsanlage hoch über dem Tal vorbei. Durch den Vorgarten der Anlage erreicht man eine Aussichtsterrasse. Es bietet sich ein imposantes Panorama: Links schaut man in das obere Valle Gran Rey, während man rechts bis zur Küste herunterschauen kann. Das dort befindliche Restaurant ermöglicht dank riesiger Panoramascheiben bis auf den Boden einen einzigartigen Ausblick.

Hautacuperche – der letzte Krieger der Guanchen

Das beeindruckende Denkmal des Hautacuperche findest sich im Valle Gran Ray direkt am Strand.

Die vier Meter hohe, überlebensgroße Bronzeskulptur, zeigt den verehrten Kämpfer der Guanchen, Hautacuperche. Zur Erinnerung: das Wort Guanchen beschreibt die Ureinwohner der Kanarischen Inseln vor der Kolonialisierung durch die Spanier. Dieser Krieger vom Stamm der Magula, war 1488 Anführer des Aufstandes gegen die Kolonialmacht Spanien, bevor er von der Übermacht der Spanier getötet wurde. Die Versklavung seines Volkes nahm ihren Lauf. Nach so vielen vergangenen Jahrhunderten wurde dem damaligen Feind dieses Denkmal gewidmet, das im unteren Valle Gran Ray direkt am Strand steht.

Castillo del Mar – eine ehemalige Bananenverladestation

Die ehemalige Bananenverladestation Castillo del Mar.

Westlich am Stadtrand von Vallehermoso, 300 m nordöstlich vom Playa Vallehermoso thront auf einem Felsen im Atlantischen Ozean, das 1890 errichtete Castillo del Mar.

Das Gebäude wurde als Bananenverladestation genutzt, im Untergeschoss die Bananen für die Verschiffung gewaschen, sortiert und verpackt. 1950 wurde dann der Betrieb eingestellt.

Unter Einbringung des deutschen Fotografen Thomas K. Müller – er erwarb das Anwesen 1981 – und nach umfangreichen Renovierungsarbeiten, wurde 2003 die Anlage zu einem Kunst- und Kulturzentrum umgestaltet und wieder für die Öffentlichkeit freigegeben.

Unzählige Veranstaltungen fanden statt, bis das Kulturzentrum 2008 schließen musste. Bis dato hatte die Behörde den Anschluss an das örtliche Stromnetz verweigert und nach dem der dritte Stromgenerator versagte, gingen die Lichter aus.

Buchtipp: Autor Michael Will hat einen 272 Seiten umfassenden Wanderführer für La Gomera verfasst. Erhältlich ist der Wanderführer La Gomera plus Extrakarte (ISBN 978-3990442265) für 14,99 Euro im Buchhandel oder direkt beim Kompass Verlag.

Wissenswertes zu La Gomera

Sieht nicht nur einladend aus: das Meeresschwimmbecken Hermigua.

La Gomera erhebt sich mit nur 25 × 27 km Durchmesser nahezu kreisförmig aus dem Atlantischen Ozean. Nach El Hierro ist sie die zweitkleinste der Kanarischen Inseln und liegt ca. 350 km vor der nordwestafrikanischen Küste. Wie alle Kanarischen Inseln, ist sie das Ergebnis vulkanischer Tätigkeit, als tektonische Verschiebungen zwischen den afrikanischen und Eurasischen Platten zu Rissen im Erdmantel führten, flüssiges Magma aus dem Erdinneren an die Oberfläche gelangte und nach dem Erkalten den heutigen Grundstein der Insel bildete.
Dabei sind die östlichen Inseln der Kanaren vor 13-20 Millionen Jahren standen, Teneriffa und La Gomera werden auf vermutlich weniger als 10 Millionen Jahre datiert, während die Entstehung von El Hierro und La Palma erst vor 2-3 Millionen Jahren stattfand. Im Gegensatz zu den anderen Kanareninseln gibt es auf La Gomera aber keine mit Vulkangestein bedeckten Oberflächen, denn der letzte Vulkan erlosch vor etwa 2 Millionen Jahren. Die wetterbedingte Erosion und die Abrasionstätigkeit des Meeres haben in ihrem Zusammenwirken das Landschaftsbild der heutigen Insel geformt.

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