Von 27. August 2017 Mehr →

Fünen: Hübsch gemütlich auf Andersens Insel

Gehört zum Valdemars Slot – der kleine, gelbe Tee-Pavillon am Wasser. (Foto Katharina Büttel)

Es war einmal eine zauberhafte Insel in der Ostsee, grün und flach gewellt. Dort standen herrliche Schlösser und prächtige Herrenhäuser… so könnte der Anfang eines Märchens des berühmtesten local heros der Insel, Hans Christian Andersen, gehen. Zum Glück ist es kein Märchen – Fünen wirkt immer noch ein bisschen so, als sei die Zeit stehengeblieben.

Der liebenswerte Hang zum Altbackenen, den die Dänen kultivieren, gipfelt auf Fünen in einem grenzenlosen Kult um den Märchendichter. Der Schöpfer der „Kleinen Meerjungfrau“ wurde 1805 im früheren Armenviertel von Odense geboren. Dort sind Straßen, Plätze, Festivals, Eissorten und was auch immer nach ihm benannt.

In Odense vor dem Rathaus liegt Oceania von Svend Wiig Hansen. (Foto Katharina Büttel)

Obwohl aus manchen Märchen der Gemütskitsch nur so trieft, sind sie bis heute internationale Hits. Im H.C. Andersen Museum füllen die Übersetzungen allein einen ganzen Saal: 157 Sprachen, Zulu eingeschlossen. Das Viertel um das Andersen-Haus ist penibel und stilgerecht restauriert, wirkt aber ein wenig leblos, kulissenhaft. Vielleicht, weil keine Autos zugelassen sind.

Die Industriestadt Odense hat den Spagat zwischen Tradition und Moderne gewagt. Seit fünf Jahren wächst sie und ist immer noch „hyggelig“. Neben dem Andersen-Denkmal schwimmen ganz idyllisch die Nachkommen des „Hässlichen Entleins“ im Teich. In topmodischen Läden würde jeder „Kaisers neue Kleider“ finden. Das kulturelle Herz Dänemarks, „Brandts Klaedefabrik“, lockt ins verwinkelte Gassensystem, das mit Kunst- und Juwelengeschäften, Boutiquen, Galerien, Museen, Kinos und nicht zuletzt den Terrassencafés südländisches Flair verbreitet.

Ziel der Bootstour entlang der Südküste ist Valdemars Slot. (Foto Katharina Büttel)

Überraschend vielseitig ist auch der Rest der mit 2984 Quadratkilometer zweitgrößten Insel des Königreiches. Fünen liegt in der sogenannten dänischen Südsee, die eigentlich der Nordwesten der Ostsee ist. Weite Seebrücken verbinden die Insel mit Jütland und Seeland, der Inselcharakter jedoch ist geblieben. Auf dem kleinen, ziemlich runden Stück Land kommt man von jedem Punkt aus in einer halben Stunde schnell ans Meer, zu den Häfen, Buchten und Kieselstränden; der Geruch von Tang und Wasser ist allgegenwärtig.

Eine sattgrüne Kulturlandschaft, gespickt mit schlichten, gekalkten Kirchen. Mit von Lupinen und Malven umrankten, ochsenblutrot bemalten Häuschen, in deren Fenstern Nippes steht. Puppenstuben-Dänemark, blankgeputzt und aufgeräumt. Die Straßen tadellos in Schuss, die Wege tadellos ausgeschildert, die Nebenstraßen kaum befahren. Ein Land für Radfahrer – über 1.000 Kilometer Radwege gibt es schon. Bis 2020 will Fünen im Norden Fahrraddestination Nr. 1 werden!

Blühende Mohnfelder erfreuen das Auge überall auf Fünen. (Foto Katharina Büttel)

Nur, die Sonne muss scheinen! Ein Schlechtwetterziel ist die stille Ostsee in der Tat nicht. Unter bleiernem Himmel blasst selbst der Charme der bunten Stockrosen, die vor jedem besseren Haus auf Fünen stehen. „Dänisch Sibirien“ schimpfte ein Augsburger Dichter im Winter. Im Sommer schwärmte er vom „grünen Garten“.

Der Mann hieß Bertolt Brecht, auch er weltberühmt. 1933 bezog er mit Helene Weigel auf der Flucht ein behaglich eingerichtetes Fischerhaus an Svendborgs Strand. Hier schrieb er „Leben des Galilei“ und „Mutter Courage“; hier entstanden die „Svendborger Gedichte“ und skurrile Kinderverse.

Egeskov Slot ist ein echtes Kleinod auf Fünen. (Foto Katharina Büttel)

Svendborg im Süden Fünens ist auch für Brecht-Verächter eine Entdeckung. Ein Segler-Dorado mit Dutzenden von Inseln und Inselchen. Die legendäre Hygge – Gemütlichkeit – wabert durch Altstadtgassen. Besonders, wenn alljährlich Ende Juni das internationale Food-Festival zu lokalen und bio-angebauten Köstlichkeiten einlädt. Auf dem Friedhof ruhen ganze Seefahrer-Dynastien. Einst stachen von hier die Ostindienfahrer in See, und manch alter Holzkahn schaukelt noch heute auf den sanften Wellen.

Eine Fahrt auf der historischen „M/S Helge“ mit Ausblicken auf weißleuchtende Herrenhäuser führt entlang der Südküste zum nahen „Valdemars Slot“ auf Taesinge. Die großzügige Anlage mit Tor- und Wirtschaftsgebäuden, Schlossteich und Teepavillon ist das größte dänische Schloss in Privatbesitz. Zehn Generationen lebten in der 1639-44 von König Christian IV. erbauten Residenz. Das quicklebendige Museum – seine reich dekorierten 17. Jahrhundert-Säle sind größtenteils frei begehbar – ist ein Muss.

Nicht nur beim Mittsommerfest sind viele Feuer und Flamme für das Prachtschloss Egeskov. (Foto Katharina Büttel)

In Mittelfünen Schloss Egeskov: eine wuchtig-elegante Renaissance-Wasserburg aus dem 16. Jahrhundert. Mit Rittersaal und Oldtimermuseum, Irrgarten und gigantischer Parkanlage. „Ich habe den schönsten Garten Europas geschaffen, ansonsten habe ich nur ein Haus wie alle anderen“, gibt Schlossherr Graf Ahlefeldt ‚bescheiden‘ zum Besten. „So viele Fenster wie Tage im Jahr, so viele Türen wie Wochen, so viele Schornsteine wie Monate, so viele Ecken wie Jahreszeiten“, notierte Andersen nach seinem Schlossbesuch. Heute pilgern Hunderttausende nach Egeskov. Zum Mitsommerfest Sankt Hans Aften kommen einheimische Familien mit prallgefüllten Picknickkörben auf die Wiesen des Englischen Gartens und feiern und besingen gemeinsam den längsten Tag des Jahres bei Alebier vom Grafen, Musik und riesigem Strohfeuer.

Dank des milden Klimas schmeckt auf Fünen auch der Wein. (Foto Katharina Büttel)

Andersens Motto „Reisen ist Leben“ führt zu einer Weinprobe auf dem Skaarupoere Vingaard. Dort hat Jörn Petersen seinen Lehrer-Job an den Nagel gehängt und keltert Weiß- und Rotweine, einen respektablen Portwein und speziellen Birkensekt. In dem milden Klima gedeihen die Trauben bestens; dass aber der Weinbau so viel Arbeit macht, passt dem 55-Jährigen bis heute nicht so recht.

Geschmacksexplosionen auf kulinarischen Routen, handgemachte Schokoladen, Brauereien mit Bieren von Weltklasse. Im „Fünischen Dorf“, einem großen Freilichtmuseum am Rande von Odense, ist nach einem Diner im königlichen „Sortebro Kro“ wohl jeder Genießer im Gourmethimmel. Das Piniensorbet, ein Traum!

Bridgewalking Lillebelt: Die Himmelsstürmer verlassen die Brücke. (Foto Katharina Büttel)

Übersicht behalten aus sportlich-luftiger Höhe: das Abenteuer des Bridgewalking Lillebelt – der Spaziergang in 60 Meter Höhe oben auf der Seebrücke nach Jütland ist in Europa einzigartig! Windumtost, wunderbare Weite des Landes, der Duft der Ostsee…

Wissenswertes zu Fünen

Brücke, Wasser und drei Mutige – Bridgewalking über dem Kleinen Belt. (Foto Katharina Büttel)

Informationen: www.visitfyn.de oder mailen an Sandra Schneider Neelmeyer (sasne@udviklingfyn.dk – sie ist Deutsche)

Anreise: z.B. mit dem Auto bis Flensburg: von Fynshaven auf der Halbinsel Als in 50-minütiger Fährfahrt mit AlsFaergen nach Boejeden. Einfache Fahrt für einen Pkw bis sechs Meter Länge mit bis zu neun Personen ab 29 Euro. Pro Tag bietet Faergen bis zu zwölf Abfahrten pro Richtung. 

Auf Gelsgovs Gods betätigt sich der Hausherr als dienstbarer Geist. (Foto Katharina Büttel)

Übernachten: Das Faaborg Fjord Hotel, Svendborgvej 175, Faaborg, liegt direkt am Wasser und hat je nach Saison moderate Preise. Doppelzimmer mit Frühstück beginnen bei 167 Euro. 

Blaue Bed & Breakfast-Schilder weisen auf günstige Unterkünfte hin. Zum Beispiel das Herrenhaus Gelskovs Gods aus dem 17. Jahrhundert hat 13 individuell, mit Antiquitäten ausgestattete Zimmer/Suiten. Das ganze Jahr über buchbar. Im Hofladen werden jede Menge Antiquitäten angeboten; ein Golfplatz liegt in der Nähe. Doppelzimmer mit Frühstück ab 118 Euro;

Das Hotel Stella Maris de Luxe liegt ebenfalls direkt am Meer in Svendborg, Doppelzimmer mit Frühstück ab 200 Euro.

Vergnügen für Jung und Alt – die Hochseilbrücke im Park von Egeskov. (Foto Katharina Büttel)

Sehenswertes: Schloss Egeskov zwischen Svendborg und Odense – eine Mischung aus Schloss, Garten, Kultur; besonders stimmungsvoll zum Sommersonnenwende-Fest, der gigantische Park überrascht mit kreativem Spielplatz, Hochseilgarten u.v.m.; ganz neu das Heartland Festival mit Kunst, Konzerten, Kochkunst internationaler Musiker. Schloss geöffnet von Ende April bis Ende September.

Valdemars Slot in Svendborg mit einem originellen Restaurant unter der Schlosskirche.

Der Schokoladenmeister in Odense kommt aus Island. (Foto Katharina Büttel)

Das Museum Brandts in Odense  zeigt überwiegend zeitgenössische Kunst – dazu gehört ein Medien- und Fotomuseum.

Sensationelles Bridgewalking in Middelfart auf der 60 Meter hohen Eisenbahnbrücke über den Lillebelt, inklusive Schutzanzug und Führung ca. 40 EuroPers.

Köstlichkeiten auf dem Food-Festival in Svendborg. (Foto Katharina Büttel)

Kulinarik: Gourmetküche bietet u.a. der „Sortebro Kro“ im „Fünischen Dorf“ an; typisch dänische Frokost (Hering mit Roggenbrot) isst man gut und urig u.a. im Restaurant „Groentorvet“, Odense. Gute Küche wird im „Valdemars Slot“ serviert.

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