Von 4. November 2011 Mehr →

Florianópolis – die magische Inselstadt

Die Sonne steht an ihrem höchsten Punkt, der Himmel ist strahlend blau, die Hitze gleißend. Nur langsam schleppe ich mich mit dem Board unter dem Arm durch den heißen Sand die gewaltige Düne hoch. Schnell noch die Unterseite des Boards mit Kreide einreiben und schon geht die rasante Fahrt die natürlichen Sandberge hinunter. Ein Riesenspaß, aber nicht leicht, wenn man nicht gerade über Erfahrungen als Snowboarder verfügt. Und schwups – ein ungewollter Flachköpper in den feinen Sand, der sich sofort in alle Poren des Körpers setzt, beendet die Schussfahrt jäh. Also auf ein Neues. Brett unter den Arm klemmen und die riesige Düne hinaufstiefeln. Trotz dieser zeitweiligen Frustphasen, die allein auf mein Geschick zurückzuführen sind, ist das Sandboarden ein absolutes Muss für alle Besucher von Florianópolis, jener magischen 410.000 Einwohner zählenden Metropole, die als schönste Stadt im Süden Brasiliens gilt und längst nicht mehr nur unter Sonnenanbetern und Surfern offen als Geheimtipp gehandelt wird.

Die pulsierende Hauptstadt des Bundesstaates Santa Catarina, von den Bewohnern liebevoll nur „Floripa“ genannt, nennt insgesamt 42 Strände ihr eigen. Die Heimatstadt von Tennisstar Gustavo Kuerten fasziniert durch ihre geteilte Lage zwischen Insel und Festland, verbunden durch zwei große Brücken, von denen eine der Golden Gate Bridge in San Francisco nachempfunden ist. Nicht von ungefähr bildet die 1926 fertig gestellte Ponte Hercílio Luz mit ihren beiden 75 Meter hohen Türmen ein beliebtes Fotomotiv. Auf der Inselseite, unweit der Hängebrücke, erhebt sich das gut erhaltene Forte de Santana. In der Festung aus dem Jahr 1765 befindet sich heute mit dem Museu Major Lara Ribas ein wenig aufregendes Militärmuseum.

Auf dem zentralen Platz, dem Paça 15 de Novembro, sticht der alte Feigenbaum, das Wahrzeichen der Stadt, ins Auge. Nur einen Steinwurf entfernt liegt der Palácio Cruz e Souza, der frühere Regierungssitz. Durchaus sehenswert sind auch die Metropolitana Kathedrale und die Kirche Igreja de Nossa Senhora Rosário. Ein anderer Pflichtbesuch ist der Mercado Público, ein umbauter Markt aus dem Jahre 1875, wo Volkskunst, Handarbeiten, Fisch, Obst und Gemüse feilgeboten werden.

So historisch bedeutsam diese markanten Gebäude und Plätze auch sein mögen, sie alle verblassen bei der Fahrt über die malerischen Weiten der Ilha de Santa Catarina. Auf einer Länge von 51 Kilometern und einer Breite von 18 Kilometern durchziehen Asphaltstraßen, vegetationsreiche Wege, Dünen, Seen, Flüsse und Bäche die überaus üppig bewachsene Insel. Zu den landschaftlichen Schönheiten der Insel gehören auch Naturparks wie der Parque do Horto Florestal de Canasvieiras und der 1.100 Hektar große Parque Florestal do Rio Vermelho. Die eigentlichen Touristenmagnete sind aber fraglos die schier endlosen Strände. Ganz hoch in der Gunst der sonnenhungrigen Wasserratten steht Canasvieiras, der am meisten besuchte Strand von Florianopólis im Norden Ilha de Santa Catarina.

Der Bundesstaat selber ist auch bekannt für seine deutschstämmigen Bewohner, die sich hauptsächlich in Pomerode, Joinville und Blumenau niedergelassen haben. 1850 von deutschen Einwanderern unter Leitung des Apothekers Hermann Blumenau gegründet, pflegen die Bewohner von Blumenau noch heute die deutsche Sprache und deutsche Traditionen. Davon zeugen sehenswerte Fachwerkhäuser wie die Prefeitura Municipal oder das Casa Moellmann, aber vor allem das Fundação Promotora de Exposições de Blumenau. Das Festgelände, kurz PROEB, beheimatet seit 1983 jährlich das zweitgrößte Oktoberfest der Welt. In Anlehnung an das Münchener Original wartet das Spektakel mit Blasmusik, Volkstanz, Brezeln und Bier in rauen Mengen auf. Mit mehr als 600.000 Besuchern avanciert die Veranstaltung damit nach dem Karneval in Rio zum zweitgrößten Volksfest Brasiliens.

Bekannt ist die Stadt am Ufer des Flusses Itajaí auch für das renommierte Theater Carlos Gomes und das beste Kammerorchester Brasiliens. Und was natürlich nicht fehlen darf, ist eine exzellente deutsche Küche, wie sie in den Restaurants von Blumenau angeboten wird. Sauerkraut und Eisbein sowie Schwarzwälderkirschtorte sind eben auch südlich des Äquators ein Genuss. Weitere Informationen unter www.brasilturismo.com/sc/florianopolis

Archiviert unter Topthema, Amerika, Brasilien