Faszination Berg – Messner Mountain Museums

Treffen sich zwei Yetis, sagt der eine: „Du, ich glaube, ich habe den Reinhold gesehen!“ Sagt der andere: „Ich dachte, den gibt es gar nicht.“ – Zugegeben, ein etwas abgegriffener Klassiker und den Witzen über die höchsten Gipfel der Welt, in dem zugleich die Faszination für das Bergsteigen und die Anerkennung für einen der namhaftesten Kletterkünstler zum Ausdruck kommt. Die Rede ist natürlich von Reinhold Messner. Die Bergsteigerlegende, die alle Achttausender des Erdballs meisterte, wird bis heute nicht müde, seine Faszination für die Bergregionen weiterzugeben. Auf Schloss Bruneck in Südtirol eröffnete Messner jetzt sein fünftes Bergmuseum. Das Ripa, das letzte Messner Mountain Museum (MMM), widmet sich thematisch den Bergvölkern.

„Ich habe für das MMM-Museumsprojekt genauso lange gebraucht wie für die Besteigung aller Achttausender: 15 Jahre“, erklärte Reinhold Messner nach der Eröffnung des neuen Museums und ergänz: „Das ganze Museumsprojekt hat vor langer Zeit mit dem Kletterhammer von Paul Preuß begonnen.“ Den Hammer habe ihm eine Jugendfreundin gegeben. „Mit diesem Hammer habe ich damals auch die Verpflichtung übernommen, mit ihm etwas zu machen, ihn öffentlich auszustellen. “

So reifte ganz langsam die MMM-Idee heran. Doch erst als er vor 15 Jahren in Sulden das sogenannte Flohhäusl erwerben konnte, ist Messner der Preuß- Hammer wieder in den Sinn gekommen. Er stellte den Hammer und einige andere alpine Kuriositäten auf diesen wenigen Quadratmetern aus. Und so war dieses kleine Flohhäusl mitten in Sulden direkt unter den Gletschern des Ortlers, vor 15 Jahren das erste der heute fünf MMM-Museen.

Heute ist das Alpine Curiosa neben den fünf großen Museen ein wenig in Vergessenheit geraten, aber zweifellos noch immer einen Besuch wert. „Hier wird eine andere Geschichte des Alpinismus erzählt: Sie folgt dem Riss, der zwischen Idee und Tat der besten Bergsteiger klafft“, steht nicht ohne Ironie an der Wand geschrieben. Daneben sind der Hammer, eine Seilfaser des Matterhorn Erstbesteigers und der „Gipshax “ von Reinhold Messner zu bewundern.

Doch das Projekt MMM nahm schon bald viel größere Ausmaße an. Juval, das Schloss im Vinschgau, auf dem Messner den Sommer über wohnt, wurde bald eine Art „Versuchsmuseum“. Messner bekam die Möglichkeit, auf Schloss Sigmundskron (Firmian) und dem Gipfel des Monte Rite (Dolomites) bei Cortina d’Ampezzo Museen einzurichten. Und trotz aller bürokratischer Hürden hat er bald entschieden, dass das Projekt MMM fünf Museen umfassen soll.

„Die Welt der Berge besteht aus fünf großen Themen. Das ganze ist ein Mosaik, bei dem jeder Stein auch für sich alleine funktioniert“, erklärt Messner. Wie bei seinen Bergbesteigungen war er auch bei den Museen immer wieder mit neuen Voraussetzungen konfrontiert. „Jedes Museum ist anders“, erzählt er und man musste sich jeweils an das Gebäude anpassen. „So war es auch in Bruneck. Ich kann ja auch nicht sagen, den Everestgipfel sprenge ich weg, weil ich nicht hinaufkomme.“

Schloss Bruneck im Pustertal – ein mittelalterliches Gebäude mit dicken Mauern – liegt hoch über den Dächern der Stadt. Durch ein massives Tor gelangt man in den Innenhof und dann durch eine moderne Glasfront in die Ausstellung. „Ripa“ ist tibetisch und heißt „Bergmensch“ und damit ist das Thema in Bruneck klar vorgegeben: „Im Ripa geht es um die Berge als eine 8.000 Jahre alte Kulturlandschaft, um alpine Alltagskultur und um Tourismus in den Bergen“, erläutert Messner.

Die Ausstellung beginnt im Erdgeschoss mit Nomadenzelten, den Bergkulturen in Afrika, Asien, Südamerika und Europa und führt dann im ersten und zweiten Stock mit Exponaten aus dem Alltag der Sherpas und Indios, Tibeter und Walser, Mongolen und Hunza durch die verschiedenen alpinen Kulturen der Welt. Aber das Ripa hat noch eine zweite, interaktive Ebene.

Ein besonderes Erlebnis ist am Ende der Turm. Über eine neue Holztreppe gelangt man auf das Dach des Turmes, der höchste Punkt Brunecks, und sieht dann vom Museum ins echte Leben. „Wie auch bei meinen anderen Museen können Besucher die lebendige Seite des Themas draußen in der Landschaft sehen. Im Ortles in Sulden sieht man draußen das Eis des Ortler-Gletschers, im Dolomites den Fels der Berge – im Ripa die Bergbauernhöfe im Pustertal.“

Weitere Informationen online unter www.messner-mountain-museum.it.