Von 20. März 2017 Mehr →

Munro bagging – das Sammeln von Bergen

In Schottland finden sich zahlreiche faszinierende Gipfel – darunter 282 über 3.000 Fuß hoch.

In einem Land, in dem Männer in Röcken mit Baumstämmen werfen, wundert es wenig, wenn die naturverbundenen Bewohner einem ungewöhnlichen Hobby im wahrsten Sinne des Wortes nachgehen. Die Schotten sammeln nämlich Berge. Nicht irgendwelche Berge, sondern ganz bestimmte. Diese müssen mehr als 3.000 Fuß, was grob 915 Metern entspricht, hoch sein. Von dieser Sorte finden sich allein im schottischen Hochland 282 Stück. Die Sammler gehen dabei nicht etwa mit Hammer und Meißel hin, um Teile von den Bergen abzuzwacken. Vielmehr bemühen sie sich, den Gipfel eines jeden dieser Berge zu erklimmen. Längst ist dieses ehrgeizige Vorhaben zu einem Volkssport geworden, an dem sich Wanderer und Alpinisten aus aller Herren Länder beteiligen.

Bens und Glens prägen Schottland – Sir Hugh Munro of Lindertis erfasste alle Gipfel des Landes.

Ausgelöst wurde diese Leidenschaft von Sir Hugh Munro of Lindertis. Der blaublütige Naturbursche hatte Ende des 19. Jahrhunderts alle Berge über 3.000 Fuß erfasst und katalogisiert. Mit der Herausgabe seines Buches Tables of the 3000ft Mountains of Scotland löste er, wenn wohl auch wohl unbewusst, einen bis heute ungebrochenen Run auf die höchsten Gipfel Schottlands aus. Gleichzeitig stand er damit für die Namensgebung dieser Bergkategorie Pate. Denn die 3.000er werden heute gemeinhin schlicht als Munros bezeichnet. Das Erklimmen jener Berge wird unter dem Begriff „Munro bagging“ (bagging = sammeln, ein sacken) zusammengefasst. Und wer alle 282 Munros bestiegen hat, darf sich „Munroist“ nennen.

Tierische Begegnungen – etwa mit dem Highland Cattle – gehören zu Touren durch das Hochland.

Interessanterweise hat Sir Hugh Munro selber nicht alle Berge gemeistert. Als er 1919 das Zeitliche segnete, fehlten ihm noch zwei Gipfel in seiner Sammlung – was seinem Ruhm aber keinen Abbruch tat. Der Erste, der dieses Kunststück fertig brachte, war 1901 ein gewisser Reverend A. E. Robertson. Inzwischen sind rund 2.500 Naturfreunde seinem Beispiel gefolgt, obschon das ehrgeizige Unterfangen in der Regel ruht zehn bis 15 Jahre in Anspruch nimmt.

Nicht nur Romantiker und Naturliebhaber, auch angehende Munroisten begeistern sich für das schottische Hochland.

Doch längst begnügt sich der Brite nicht mehr allein mit Munro-Bagging. Immer wieder erfährt der Volkssport durch kuriose Rekordversuche neue Aspekte. Auf dem Weg zu persönlichen Bestleistungen, aber auch zu Ruhm und Ehre, versuchen besonders ehrgeizige Zeitgenossen schon mal alle Munros ohne Unterbrechung, bei Eis und Schnee oder binnen eines Monats zu bewältigen. Einige streben auch an, ein doppelter oder gar dreifacher Munroist zu werden. Für sie ist das Besteigen der 3000er wie eine Sucht. Und die ansteckende Begeisterung macht selbst an den Landesgrenzen nicht halt. Schließlich ist es eine große Verlockung als erste Frau oder erster Mann aus Deutschland, Norwegen oder Holland ein Stück schottischer Berggeschichte zu schreiben.

Beim munro bagging bleibt für den Genuss von Dudelsackklängen nur wenig Zeit.

Eine Übersicht über alle anerkannten Munros ist im Internet unter www.munromagic.com zu finden. Dort – und im Buchhandel – sind auch Nachweishefte erhältlich werden, in denen das Erklimmen der einzelnen Munros für die Nachwelt dokumentiert werden kann.

Zehn bis 15 Jahre dauert es in der Regel, bis alle Munros wenigstens einmal erklommen wurden.

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